Aufmerksam lauscht das Publikum den Impulsvorträgen. Foto: Katrin Baumer

„Healthy the playful way“ – Runde drei für Healthcare, Games und IT

Vor Konferenzraum drei des Medical Valley in Erlangen staut es sich. Über 50 Vertreter der Medizin-, Games- und IT-Branche sind zur dritten Runde der Veranstaltungsreihe „Healthcare meets Games & IT“ gekommen. Hatten sich die Branchenvertreter in der ersten Veranstaltung im Februar 2015 erst einmal gegenseitig beschnuppert, konnten sie nun bei der dritten Veranstaltung Projektideen anstoßen und potenzielle Partner finden.

Thorsten Feldmann und Sergej Klementinovski tauschen sich über die Impulsvorträge aus. Foto: Katrin Baumer

Thorsten Feldmann und Sergej Klementinovski tauschen sich über die Impulsvorträge aus. Foto: Katrin Baumer

Einer der Teilnehmer ist Thorsten Feldmann. Sein Software Startup-Unternehmen Thera Bytes ist ein „frisch geschlüpftes Küken“, sagt er. Genau wie die Vernetzungsreihe „Healthcare meets Games & IT“ selbst. Erst im März 2015 gründete er Thera Bytes, gemeinsam mit seinem Partner Sergej Klementinovski. Das Motto des Unternehmens: „Getting healthy the playful way“. Die beiden Gründer wollen Spiele mit Gesundheitsthemen verbinden; auf ein bestimmtes Feld sind sie jedoch noch nicht fokussiert. „Die Idee hatte ich 2014“, erzählt Feldmann. „Ich wollte in den Bereich Serious Games reingehen, musste aber etwas finden, das auch ein gewisses Geschäftspotential hat.“ Dieses Potenzial sieht er im Bereich Healthcare. „Wir werden immer älter, die Technologisierung wird immer weiter zunehmen, und Menschen werden auch im Alter mit technischen Geräten Umgang haben.“

Eine Annahme, die Philipp Legge von smartpatient bestätigt. Bereits seit 2012 unterstützt das Unternehmen erfolgreich Patienten durch App-Angebote bei ihrem Therapie-Alltag. „Die Smartphone-Durchdringung nimmt immer weiter zu“, sagt Legge, „auch bei der Generation 65 plus.“ Das Zielpublikum ist also vorhanden und breit aufgestellt. Wichtig für den Erfolg sei es nur, Ideen zu generieren, die tatsächlich ertragreich seien, denn gerade im Digital-Health-Bereich würden durch Startups viele sinnvolle Tools entwickelt, Geld verdienen ließe sich damit aber nicht zwingend. Umso gespannter ist Thorsten Feldmann deshalb auf die Veranstaltung in Erlangen: „Ich erwarte, dass wir zunächst neue Impulse, aber dann vielleicht auch eine Fragestellung bekommen bis hin zur konkreten Überlegung, wie so ein Projekt aussehen könnte.“

„Jede zweite verordnete Tablette wird nicht geschluckt“

Tilmann Bayer mit Beipackzettel: Eng bedruckt und abschreckend. Foto: Katrin Baumer

Tilmann Bayer mit Beipackzettel: Eng bedruckt und schwer lesbar. Foto: Katrin Baumer

Die Impulse werden zunächst vom Allgemeinarzt Dr. med Michael Bangemann und vom Fachapotheker für Allgemeinpharmazie Tilmann Bayer gesetzt. Besonders Bayer ist für Thorsten Feldmann interessant. Er hat nämlich bereits eine ziemlich konkrete Problemstellung im Bereich Medikation im Gepäck. „Jede zweite verordnete Tablette“, so Bayer, „wird nicht geschluckt.“ Woran das liegt? Der Apotheker sieht zwei Gründe: Die einen vergäßen es schlicht und ergreifend, bei den anderen sei es die Angst, etwa weil sie die potentiellen Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel lesen oder diesen erst gar nicht richtig verstehen. Für Bayer ist das ein Feld, auf dem spielerische Apps Abhilfe schaffen könnten. Für Thorsten Feldmann auch: „Am spannendsten für Thera Bytes ist: Wo steht der Kunde, der Endverbraucher? Ich glaube, dass sich Motivation durch Spiel gut auf das Medikations-Management anwenden lässt.“

Eine App als Reminder zur Medikation könne also auf jeden Fall funktionieren, müsse allerdings spielerisch die nötige Motivation zur Verhaltensänderung unterstützen, zum Beispiel mit einer App, die ergänzend zum abschreckend eng bedruckten und oft kompliziert formulierten Beipackzettel Zusammenhänge in einer für Laien verständlichen Sprache ergänzt – vielleicht ein bisschen wie die französische Kinderserie „Es war einmal …“, die Kindern und Jugendlichen mit festgelegten Zeichentrick-Charakteren Wissen in verschiedenen Themengebieten vermittelt, spinnt einer der Teilnehmer Bayers Anregung weiter.

Ein Blick nach Holland und rechtliche Hürden

Thorsten Feldmann und Sergej Klementinovski im Gespräch - mit einem potenziellen Partner? Foto: Katrin Baumer

Thorsten Feldmann und Sergej Klementinovski im Gespräch – mit einem potenziellen Partner? Foto: Katrin Baumer

Was aber wären die schönsten Ideen, wären sie nicht mit Hürden verbunden. Im Fall von Healthcare und Games: Vor allem rechtliche und finanzielle. So muss die Datenhoheit des Patienten gewahrt werden, Informationen über die Gesundheit des einzelnen dürfen beispielsweise nicht einfach von Arzt an Apotheker weitergegeben werden. Und auch viele der Patienten wollen die Datenhoheit behalten. Für Bayer allerdings ist ein gewisser Grad an Vernetzung unerlässlich, um innovative digitale Anwendungen im Medizinbereich zu entwickeln und den Gesundheitsmarkt für Neuerungen zu öffnen. Umso wichtiger ist es, mit neuen Ideen und überzeugenden Konzepten zu punkten.

Thorsten Feldmann lässt sich durch Hürden nicht abschrecken. Im Oktober 2014 hat er auf einer Health-Game-Konferenz in Holland erfahren dürfen, was in diesem Bereich alles geht, und was es bereits gibt an hochwissenschaftlichen Spielen in den Bereichen Medikation und Therapie. Unablässig ist jedoch für einen ebensolchen Erfolgskurs in Deutschland der Austausch mit den potentiellen Partnern. „Ich habe bei dieser Veranstaltung Impulse bekommen und Visionen entwickelt. Jetzt brauche ich den Austausch mit Investoren und mit Leuten, die die nötige Fachexpertise mitbringen, zum Beispiel eben aus der Apotheken-Branche.“