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Book meets film 2015. Foto: Franziska Baur

Zwei Minuten, um die Filmwelt zu überzeugen

Spannende Bücher auch auf den Fernsehbildschirm oder auf die Leinwand zu bringen – das ist das erklärte Ziel der Veranstaltung „Book meets film“. In zweiminütigen Kurzvorstellungen präsentieren Verlage ein ausgewähltes Buch und versuchen damit die Zuschauerschaft aus Produzenten zu überzeugen.

Als Kerstin Groeper an der Reihe ist, ihr Buch vorzustellen, schreitet sie, von sanftem Rasseln begleitet, auf das Bühnenpodest. Ihre selbst genähte und bestickte Indianer-Tracht schillert in bordeaux, karminrot und weiß. Der Rock ist mit kleinen, silbernen Glöckchen bestückt und im blonden Haar trägt Groeper eine weiße Feder. Dann erhebt sie die Stimme und für ein europäisches Ohr unverständliche Worte dringen aus ihrem Mund.

Sie spricht Lakota, einen Dialekt der Sioux-Indianer aus Nordamerika. Mit dieser Inszenierung stellt die Autorin ihr Buch „Indianisch für Anfänger“ vor und hofft, Produzenten für eine Verfilmung zu gewinnen. „Wenn ich es schaffe, länger als zwei Tage bei den Produzenten in Erinnerung zu bleiben, hat es sich schon gelohnt“, sagt Groeper. Das Leben, die Traditionen und die Kultur der nordamerikanischen Indianerstämme sind Groepers Hauptthemen, zu denen sie bereits einige Bücher geschrieben und gemeinsam mit ihrem Mann im Traumfänger Verlag herausgegeben hat.

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Zum zweiten Mal steht die Autorin Kerstin Groeper und Verlagsvertreterin des Traumfänger Verlages auf der Bühne bei „Book meets film“. Foto: MedienNetzwerk Bayern/Franziska Baur

Neben der inhaltlichen Präsentation des Buchs sollen bei der Veranstaltung auch interessante Eckpunkte für den möglichen Dreh und die Produktion des Films vorgestellt werden. Also: Wo sind die Spielorte? Ist es ein fiktionaler oder ein Animationsfilm? Wurden bereits andere Bücher des Autoren erfolgreich verfilmt? Nützliches Hintergrundwissen, das es den Produzenten leichter machen soll, über eine Verfilmung zu entscheiden. Groeper verweist bei ihrer Buchvorstellung gleich darauf, wie wichtig der Drehort Nordamerika sei. Mit der Tracht will sie die entsprechenden Bilder in den Köpfen des Publikums entstehen lassen.

Bundesweite Einsendungen

Aus 60 Einsendungen hat die fünfköpfige Jury in diesem Jahr ausgewählt, wen sie zur Veranstaltung einlädt. In die Auswahl geschafft haben es zwölf Bücher. „Die Jury schaut, ob es ein guter Stoff, ein spannendes Thema ist und wie es mit der Umsetzbarkeit aussieht“, sagt Dr. Klaus Beckschulte, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Bayern. Die Auswahl orientiert sich also bestmöglich an den realen Bedingungen, um die Wahrscheinlichkeit für eine Verfilmung zu erhöhen. „Treppensteigen in Brüssel“ ist das jüngste Positivbeispiel.

2013 wurde das Buch bei „Book meets film“ vorgestellt, das nun als belgisch-deutsch-französische Koproduktion umgesetzt wird. Zudem zeigt das Beispiel, dass die Veranstaltung nicht nur bayerische Produzenten anspricht, sondern auch zu internationalen Zusammenarbeiten führen kann. Weitere Filmproduktionen, die auf die Veranstaltung zurückgehen: „Die Posthalter Christl“ oder „Die Erlöser AG“.

Nach dem Buch-Pitching auf der Bühne können Verlage und Produzenten in lockerer Atmosphäre bei der Veranstaltung ins Gespräch kommen und konkreter über eine Zusammenarbeit sprechen. Das tatsächliche Matching – die vertragliche Zusammenarbeit – bezeichnet Beckschulte als Endstufe. Für ihn ist es jedoch auch ein Erfolg, wenn Verlage und Produzenten zusammenkommen und über Rechte, Lizenzen und eine mögliche Umsetzung ins Gespräch kommen. „Optionen werden fast jedes Jahr verkauft“, sagt Beckschulte. Einfach ausgedrückt bezeichnet dies ein Art Rechtereservierung, die für eine begrenzte Zeit gilt. Sie gewährt den Produzenten Spielraum, um abzuwägen, ob eine Verfilmung realisierbar ist. „Es ist eine etablierte Veranstaltung und es hat sich für beide Seiten gezeigt, dass es sich lohnt zu kommen“, sagt Beckschulte.

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Jeder Verlag kann an einem Stehtisch seine Bücher präsentieren und mit den Produzenten ins Gespräch kommen. Foto: MedienNetzwerk Bayern/Franziska Baur

Sichtbarkeit für Verlage

Der Traumfänger Verlag war 2012 das erste Mal zur Veranstaltung eingeladen. Eine Verfilmung hat sich zwar nicht ergeben, „aber für uns ist es ein tolles Renommee, überhaupt dabei zu sein. Immerhin sind wir nur ein kleiner Nischenverlag.“ Seit der letzten Teilnahme haben Groeper und ihr Mann einiges dazugelernt und sich in Punkto Vermarktung professionalisiert. „Jetzt haben wir unsere Marketingstrategien ausgebaut. Wie wichtig das für einen Verlag ist, haben wir auch durch `Book meets film´ gelernt“, sagt Groeper. Neben Flyern hat der Verlag heute einen eigenen Prospekt, arbeitet mit Vertretern und Buchhandlungen zusammen und hat in eine Imagekampagne investiert. „Letztendlich haben wir schon viel erreicht, wenn sich ein Kunde im Buchhandel nach Indianerliteratur erkundigt und dort dann der Traumfänger Verlag genannt wird“, sagt Groeper. Dafür braucht man jedoch Sichtbarkeit und das könne man durch eine Veranstaltung wie „Book meets film“ erreichen.

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Kerstin Groeper auf der Veranstaltung „Book meets film“. Foto: MedienNetzwerk Bayern/Franziska Baur

Entstanden ist die Veranstaltung, die vom Cluster Druck und Printmedien, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels Bayern und vom MedienNetzwerk Bayern veranstaltet wird, 2006. „Wenn man den Mitgliedern etwas Gutes tun will, muss man sie vernetzen“, sagt Beckschulte. Deswegen habe es auf der Hand gelegen, eine solche Veranstaltung ins Leben zu rufen. In den vergangenen neun Jahren habe sie sich jedoch auch immer wieder verändert. „Die Stoffe bestimmen der Charakter – und so ist auch die Veranstaltung jedes Jahr ein bisschen neu“, sagt Beckschulte. Groeper hat an diesem Tag mit vier Interessenten über ihr Buch gesprochen. Beim Drehort kündigten die meisten Bedenken an. Aber selbst wenn es zu keiner Buchverfilmung kommen sollte, hat sich die Veranstaltung für Groeper gelohnt. „Wenn einer der Gesprächspartner irgendwann mal was über Indianer machen will, denkt er vielleicht an uns“, sagt sie mit nach wie vor strahlenden Augen.

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