Was der Medienstandort Bayern der Film- und Gamesbranche bietet

Dass München als Medienstandort für Filmschaffende attraktiv ist, ist nicht von der Hand zu weisen: nicht zuletzt mit den Filmstudios von Bavaria Film, Produktionsfirmen wie Constantin Film und der modernen Filmtechnik von ARRI, die weltweit eingesetzt wird. Events wie das Filmfest München oder das DOK.fest geben Medienschaffenden die Möglichkeiten, sich auszutauschen und auf sich aufmerksam zu machen. Aber brauchen Kreative die räumliche Nähe zur Branche? Und welche Chancen, aber auch Herausforderungen gibt es am Medienstandort Bayern?

Staatssekretär Pschierer mit Moderatorin Christine Bergmann. Foto: Katrin Baumer

Staatssekretär Pschierer mit Moderatorin Christine Bergmann. Foto: Katrin Baumer

Vor allem junge Kreative, die sich auf dem Markt erst noch behaupten müssen, stellt der Standort vor Herausforderungen, gerade finanziell. Filmmusik-Komponist und Produzent Oliver Biehler erklärt: „Es ist nicht so, dass man am Klavier sitzt und vor sich hinkomponiert – man braucht ein Studio, hat externe Kosten zu tragen, auch die Lebensumstände ändern sich vielleicht.“ All diese Faktoren müssen finanziert werden. Und das kann teuer sein, gerade in München. „Wenn man Filmmusik professionell machen möchte“, so Bieler, „muss das hier relativ schnell mit wirtschaftlichem Erfolg einhergehen. Und dann stellt sich die Frage: Wird man dem eigenen künstlerischen Anspruch noch gerecht?“ Beim Panel „Der Standort als Erfolgsfaktor?“ im Rahmen der Veranstaltung „filmtonart – der Tag der Filmmusik“ im Bayerischen Rundfunk sprachen Medienstaatssekretär Franz Josef Pschierer, der Geschäftsführer von Telepool Dr. Thomas Weymar, Komponist Oliver Biehler und Game Audio Designer Filippo Beck Peccoz über Bayern als Standort für die Film- und Gamesbranche.

Förderung und Vernetzung im Zentrum

Produzieren unter Druck und ganz auf die Bedürfnisse des Marktes ausgerichtet, um auch den wirtschaftlichen Erfolg zu gewährleisten – für die meisten Kreativen wenig reizvoll. Die Kluft zwischen wirtschaftlich rentablem Schaffen und kreativem Ausdruck fordert veränderte Bedingungen, insbesondere im Bereich Förderung und Vernetzung. Nur so kann der Medienstandort Bayern für Kreative aus der Filmbranche attraktiv bleiben. Tatsächlich passiert einiges, wie Staatssekretär Pschierer anmerkt, gerade im Bereich Förderung. Rund 33 Millionen Euro steckte der Film Fernseh Fonds Bayern in die Film- und Gamesförderung, 2015 soll noch eine Million mehr zur Verfügung stehen.

Von links: Dr. Thomas Weymar, Filippo Beck Peccoz, Christine Bergmann, Franz Josef Pschierer und Oliver Biehler. Foto: Katrin Baumer

Von links: Dr. Thomas Weymar, Filippo Beck Peccoz, Christine Bergmann, Franz Josef Pschierer, Oliver Biehler. Foto: Katrin Baumer

Auch was die Vernetzung angeht, setzt der Freistaat Schwerpunkte. Das Gründerzentrum WERK1.Bayern zum Beispiel soll die Unternehmensgründungen in den Bereichen Internet und digitale Medien erleichtern. „Das WERK1.Bayern kann vielleicht ein Nucleus werden, um mit der Startup-Szene in Bayern aufzuholen“, hofft Medienstaatssekretär Pschierer. Sowohl Räumlichkeiten für die kreative Arbeit soll das WERK1.Bayern bieten, als auch die Möglichkeit zum Austausch innerhalb der Branchen. Eine zentrale Rolle für die Vernetzung spielen außerdem das MedienNetzwerk und MedienCampus Bayern, so Pschierer. „Die Fusion beider Institutionen wird noch bessere Möglichkeiten schaffen, die verschiedenen Player zusammenzubringen.“ Nicht zuletzt, weil das MedienNetzwerk sich nicht nur die Vernetzung der Medienbranche selbst, sondern auch die branchenübergreifende Vernetzung zur Aufgabe gemacht hat.

Hohes Potenzial an Ausbildungsstätten

Wie kann bereits in der Ausbildung Vernsetzung stattfinden? Komponist Oliver Biehler und Franz Josef Pschierer. Foto: Katrin Baumer

Wie kann während der Ausbildung Vernetzung stattfinden? Oliver Biehler und Franz Josef Pschierer. Foto: Katrin Baumer

Vernetzung und Begegnung sollte allerdings bereits während der Ausbildung stattfinden, darüber sind sich die Teilnehmer des Panels einig. Denn den Elfenbeinturm, in den der Künstler gern klischeehaft gesetzt wird, gibt es längst nicht mehr. Sichtbarkeit und Austausch sei ein Weg zum Erfolg. So hat etwa Biehler während seiner eigenen Studienzeit die Erfahrung gemacht: „An einer Filmmusikausbildung zum Beispiel ist das Tolle, dass ich mit Regisseuren, Produzenten und anderen Branchenvertretern zusammenkomme.“

Hier brauche sich München nicht verstecken, so Pschierer. Der Bachelor-Studiengang „Komposition für Film und Medien“ an der Hochschule für Musik und Theater, biete eine fundierte und breit aufgestellte Ausbildung, die stets an veränderte Bedürfnisse angepasst werde. Geleitet werde dieser Studiengang von Gerd Baumann, einer Koryphäe aus der Praxis. Insgesamt sollte die Vernetzung innerhalb der Branche aber auch branchenübergreifend bereits während der Ausbildung stärker gefördert werden. Denn eines, so Pscherer, dürfe man nicht vergessen: „Es gibt genügend Institutionen, Einrichtungen und Kompetenz im Freistaat!“ – wichtig sei es jedoch, neue Bereiche und Chancen wahrzunehmen und die richtigen Leute zusammenzubringen.