Nicht nur Heldinnengeschichten – Plan W ist das neue Heft der SZ

Frauen in der Wirtschaft und in führenden Positionen: Ein Thema, das zwar in vielen Köpfen angekommen, aber noch lange nicht zu Ende diskutiert ist. Nur knapp jede dritte Führungs­kraft war laut statistischem Bundesamt 2014 weiblich. In akademischen Berufen wie bei Ärzten, Juristen, Lehrern oder Sozial­wissenschaftlern lag der Frauen­anteil immerhin bei 44 Prozent. Höchste Zeit auf jeden Fall für ein neues Heft, das sich diesem Thema widmet, findet die Süddeutsche Zeitung.

„Frauen vernetzen sich in der Berufswelt immer besser. Aber es sind noch viel zu wenige Frauen in Positionen, in denen sie gestalten können“, erklärt Alexandra Borchardt, Redaktionsleiterin des neuen Supplements Plan W, das der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung beiligt. Das Heft möchte am Beispiel erfolgreicher Frauen aus Politik und Wirtschaft zeigen, was Frauen erreichen können, wenn sie nur den Mut haben. Ein Problem haben viele Frauen nach wie vor: Zwar sind sie sehr gut ausgebildet, unterschätzen jedoch die eigenen Kompetenzen und zögern deshalb bei der Übernahme von Führungspositionen.

„Man kann nicht erwarten, dass Frauen so ticken wie Männer und sich genauso präsentieren“

Plan W ist ein Format, mit dem Frauen sich identifizieren können. Foto: Aline Florence Buttkereit

Plan W ist ein Format, mit dem Frauen sich identifizieren können. Foto: Aline-Florence Buttkereit

„Das ist das Problem in einer Gesellschaft, die schon immer männlich geprägt war“, sagt Alexandra Borchardt. „Man kann und sollte nicht erwarten, dass Frauen so ticken wie Männer und sich genauso präsentieren.“ In dieser Lücke will das neue Magazin nun ansetzen, und zwar mit einer klaren Botschaft: „Veränderung ist möglich. Just go for it!“

Plan W soll ein Format sein, mit dem Frauen sich identifizieren können. Dazu stehen in jeder der insgesamt vier jährlichen Ausgaben Frauen zu einem Schwerpunktthema im Fokus. In Heft eins berichtet Merkel-Biografin Evelyn Roll über die Kanzlerin, Outfittery-Chefin Julia Bösch erzählt, wie sie dazu kam, ihre eigene Firma zu gründen und Produzentin Lena Schömann berichtet darüber, wie sie mit dem Erfolg vom Kinohit Fack ju Göhte umgeht und was die hinzugewonnene Aufmerksamkeit für ihre kommenden Projekte bedeutet. Thematisch dreht sich Ausgabe eins von Plan W rund um den Begriff Macht.

Identifikation und Motivation

Das mag zunächst vielleicht seltsam anmuten. Denn Macht, so schreiben die Herausgeberinnen im Vorwort des Magazins, werde relativ schnell mit Machtmissbrauch assoziiert. Doch: Es gibt „eine helle Seite der Macht. Die Möglichkeit, etwas zu gestalten, Menschen zu bewegen.“ Und unter diesem Aspekt fragen die Plan W-Autoren aus verschiedenen Blickwinkeln nach dem Wesen der Macht, untersuchen, wie mächtige Frauen mit ihr umgehen und welche Chancen Macht mit sich bringt. Was das Heft aber auf keinen Fall sein will, ist „ein zwanghaft positives Heft mit Heldinnengeschichten.“ Bei der Auswahl der porträtierten Frauen, so Borchardt, sei vor allem wichtig zu zeigen, dass andere vor den gleichen Problemen gestanden sind, die viele Leserinnen auch kennen. Dass Scheitern nicht negativ sein muss und Rückschläge dazu gehören.

Trotzdem ist das Zielpublikum nicht nur weiblich. Auch Männer gehören zur Zielgruppe. Wie das funktionieren soll? „Indem wir gute Geschichten erzählen“, sagt Borchardt. „Die sind auch für Männer interessant. Frauen lesen ja auch Geschichten über Männer.“ Einen Nebeneffekt kann sich die Redaktionsleiterin auch vorstellen. „Vielleicht können Männer Frauen dann besser verstehen und Klischees und das eigene Machtverständnis hinterfragen.“