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WhatsApp Symbolfoto. Foto: Pixabay

WhatsApp in Redaktionen: Wie sich News im einst privaten Kanal mehren

Immer mehr Redaktionen entdecken das Potential, ihre Zielgruppen über WhatsApp zu erreichen. Noch wird experimentiert, ausprobiert und getestet. Die Augsburger Agentur WhatsService, die von Johannes Benkert und Gero Gode gegründet wurde, bietet Redaktionen dabei Unterstützung an. Ein Angebot, auf das deutsche Medienhäuser offenbar förmlich gewartet haben, wie Gode im Interview verrät.

 

Gero Gode. Foto: privat

Gero Gode. Foto: privat

Herr Gode, bislang war WhatsApp vor allem ein privater Kanal. Warum ist es für Redaktionen und Medienhäuser so attraktiv ihn nun verstärkt als Nachrichtenkanal zu nutzen?

Gero Gode: Seine Stärke ist es, dass man Menschen unglaublich schnell und direkt erreicht und auf Themen aufmerksam machen kann. Das intensiviert die Bindung zum User enorm. Außerdem hat der User einen Menschen hinter den Nachrichten, dem er über die Chat-Funktion direkte Nachfragen stellen kann. Die Anwendung wird dadurch wesentlich persönlicher. Zudem können Redaktionen die Reichweitere ihres Web-Contents verlängern, indem sie Links in die WhatsApp-Nachrichten setzen.

 

Ist das eine ähnliche Entwicklung wie bei Facebook? Auch hier wurde ein privater Kanal Stück für Stück auch zum Nachrichtenkanal.

Gode: Parallelen sehe ich hier eigentlich nicht. Das sind zwei unterschiedliche Angebote, die nicht konkurrieren. Ich sehe es eher als Ergänzung für die User. Bei WhatsApp bekommen außerdem nur diejenigen User Nachrichten, die sich explizite dafür angemeldet haben – es ist ein sehr fokussierter Kanal. Bei Facebook müssen die User auch eingeblendet Werbung in Kauf nehmen.

 

Wie reagieren die User bislang auf das Angebot?

Gode: Die Interaktion der User ist enorm hoch. Unsere Statistik zeigt: Fünf Minuten nach dem Versenden einer Broadcast-Nachricht haben 80 Prozent der Abonnenten diese gesehen. So direkt erreichen Sie sonst auf keinem anderen Weg Ihre Leser, User oder potentiellen Kunden. Und auch die Klickraten auf integrierte Links sind sehr gut. Sie liegen bei 30 Prozent; allerdings nur, wenn nicht mehr als drei Nachrichten pro Tag verschickt werden.

 

Also muss man gut abwägen, wie viele Nachrichten man täglich über WhatsApp rausschickt?

Gode: Ja, auf jeden Fall. Man sollte den User auf keinen Fall mit einer Nachrichten-Flut spamen. Sonst läuft man Gefahr ihn zu nerven und er meldet sich wieder vom Service ab.

 

Für welche Inhalte bietet sich WhatsApp als Kanal besonders an?

Für die Medien ist es sicherlich besonders interessant, um Breaking-News oder auch Wetterwarnungen zu versenden. Im Prinzip kann es aber jeder für sich nutzen, der eine regelmäßige Kommunikation pflegt. Vereine können es nutzen, um auf Veranstaltungen hinzuweisen und Nichtregierungsorganisationen, um etwa über Spendenerfolge zu informieren. Aber auch Online-Shops oder Finanzdienstleister können so ihre Zielgruppen erreichen.

 

Wie unterscheiden sich die WhatsApp-Nachrichten von Push-Nachrichten, die auch bislang schon aufs Smartphone verschickt werden?

Gode: Sie erreichen den User direkter. Die Broadcast-Nachricht wird im privaten Nachrichtenverlauf angezeigt. Also sieht der User sie immer dann, wenn er sich hier bewegt. So ist sie für ihn wesentlich auffälliger und er verweilt länger bei diesen Nachrichten. Für Redaktionen wiederum kann es eine günstige Alternative zur Programmierung einer eigenen App sein. Immerhin stellen wir ja die gesamte Infrastruktur bereit – die Redaktionen müssen sie dann nur noch bespielen. Das ist in jedem Fall preiswerter.

WhatsService ist eine Möglichkeit für Unternehmen, Neuigkeiten, Angebote oder Interessantes mit Abonnenten via WhatsApp zu teilen.

WhatsService ist eine Möglichkeit für Unternehmen, Neuigkeiten, Angebote oder Interessantes mit Abonnenten via WhatsApp zu teilen. Screenshot: whatsservice.de

Ihre Agentur WhatsService ist ein drei-Mann-Unternehmen, dass selbst noch am Anfang steht. Wie ist bei Ihnen die Idee entstanden, eine Art Content-Management-System für WhatsApp zu entwickeln und anzubieten?

Gode: Vor ziemlich genau einem Jahr, im Februar 2014, haben wir mit der Entwicklung begonnen. Im Januar 2015 sind wir mit dem Service dann an den Start gegangen. Marketing mussten wir kaum betreiben. Ganz im Gegenteil. Es gibt kaum ein großes Medienhaus in Deutschland, das noch nicht auf uns zugekommen ist, um über Möglichkeiten und Angebote zu sprechen. Die Augsburger Allgemeine und die Augsburger Panther waren dann unsere ersten Kunden.

 

Gab es Vorbilder für Ihr Angebot?

Gode: Vorbilder in dem Sinne hatten wir nicht. Wir selbst sind alle Heavy-User und nutzen ständig WhatsApp. Und so wollten wir diesen Bereich einfach ausbauen. Bislang haben wir uns stark auf die Funktionalität konzentriert, also auf das Nachrichten-Versenden, den Chat und so weiter. Optisch ist das Backend noch nicht so durchgestylt.

 

Wie funktioniert das Versenden von Nachrichten via WhatsApp denn konkret? Sicherlich sitzt kein Redakteur übers Smartphone gebeugt und tippt, bis die Finger schmerzen. Oder etwa doch?

Gode: Wir sind tatsächlich die ersten in Deutschland, die ein Angebot haben, das es ermöglich über den Desktop Nachrichten zu verfassen und zu versenden. Als die ersten Redaktionen begonnen haben mit WhatsApp zu experimentieren, war es tatsächlich so, dass die Redakteure die Nachrichten übers Smartphone eingeben mussten. Aber da bekommt man auf die Dauer ja eine Sehnenscheidenentzündung. Außerdem ist es unwahrscheinlich aufwändig und zeitintensiv, die ganzen An- und Abmeldungen manuell zu verwalten. Wir bieten das nun alles automatisiert an. Das hat in der Entwicklungsphase zwar viel Zeit gekostet, jetzt profitieren wir aber davon und es verbessert die Usability für die Redakteure.

 

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Das Logo von WhatsService © WhatsService

Das Logo von WhatsService. Foto: WhatsService

Gode: Wir haben eine Art Content-Management-System entwickelt, das es ermöglicht, WhatsApp-Nachrichten an beliebig viele Abonnenten über den Webbrowser zu schreiben. Der Redakteur, der nun eine Broadcast-Nachricht versenden will, loggt sich bei uns auf der Seite ein und verfasst eine Nachricht mit Text, Links, Fotos, Videos oder Sprachnachrichten – so wie man es eben von WhatsApp kennt. Danach kann er entscheiden, ob er die Nachricht gleich veröffentlicht will oder ob er sie terminieren möchte und sie zu einem späteren Zeitpunkt abgesetzt wird.

 

Wer bekommt dann die Broadcast-Nachricht?

Gode: Sie geht nur an diejenigen raus, die sich aktiv angemeldet und den Dienst somit abonniert haben. Wer den Dienst nicht mehr haben will, der meldet sich einfach ab. So einfach ist das.

 

Bei der privaten Nutzung von WhatsApp ist die Gruppengröße limitiert, an die man Nachrichten versenden kann. Wie ist das für Redaktionen gelöst?

Gode: Wir nutzen unterschiedliche Simkarten, über die der Versand läuft. Mit einer Simkarte können wir 500 Abonnenten versorgen.

 

Dann liegen bei Ihnen im Büro wohl ziemlich viele Simkarten herum?

Gode: (Lacht) Ja, wir bekommen wöchentlich einige geliefert. Ich würde mal sagen zwischen 300 und 400 werden es schon sein, um eher mal die untere Grenze zu nennen. Wobei wir auch immer wieder einige zerstören.

 

Wie meinen Sie das?

Gode: (Lacht wieder) Wir testen beispielsweise, wie viele Nachrichten wir maximal versenden können, bevor eine Simkarte von WhatsApp gesperrt wird – oder in welchen Intervallen wir Nachrichten versenden können. WhatsApp hat einen Spam-Schutz eingebaut, der Nummern sperrt, die zu viele Nachrichten in einem zu kurzen Abstand versenden. Das wollen wir unseren Kunden natürlich ersparen.

 

Ist es möglich, manche Nachrichten nur an eine kleine Zielgruppe zu senden?

Gode: Ja. Wir bieten die Möglichkeit Kategorien anzulegen. Ein paar Tage, nachdem sich ein Nutzer für das Abo entschieden hat, kann die Redaktion dann nachfragen, ob er neben dem allgemeinen Dienst auch die Kulturhinweise oder ähnliches abonnieren möchte. Zu viele Kategorien würde ich jedoch nicht anlegen. Immerhin muss man bedenken, dass der User diese in einer extra Liste verwalten muss. Wenn es zu viele Listen werden, kann es lästig werden. Wir bieten daher drei bis vier Kategorien an.

 

Welche Sicherheitsmaßnahmen treffen Sie, um die Sicherheit der Nutzerdaten zu gewährleisten?

Gode: Wir verschlüsseln alle Daten. Der Datenschutz ist eines der sensibelsten Themen in diesem Bereich. Selbst der Redakteur bekommt nicht die Telefonnummern der User angezeigt. Er kennt nur den Usernamen.

 

Wie wird sich das Angebot von WhatsService weiterentwickeln?

Gode: Wir haben noch viel in der Pipeline. Zum einen wollen wir eine mobile Version herausbringen, die etwa das Mobile-Reporting vor Ort erleichtert. Reporter können dann direkt am Ort des Geschehens Fotos machen, einen kleinen Text schreiben und unmittelbar verschicken. Ein anderes Beispiel, an dem wir gerade arbeiten, ist, im Stadion der Augsburger Panther auf einen Anzeigen-Würfel in der Mitte des Stadions WhatsApp-Nachrichten aufzuspielen. Die Fans können das Spiel mit Nachrichten anheizen und unterstützen – oder man blendet ein Hashtag auf dem Würfel ein, unter dem eine Spielerstatistik zu finden ist. Da gibt es wirklich viele spannende Ideen.

 

Die Website von WhatsService

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