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Das eBook Camp 2015: Nutzt Metadaten und den Marketing Mob!

Digitales Publizieren und keiner sieht’s? Das eBookCamp 2015 am 28. Februar in München zeigte deutlich, wie wichtig Marketing ist, um E-Books in der öffentlichen Wahrnehmung zu positionieren. In mehreren Sessions erarbeiteten Experten mit den Teilnehmern des Camps Marketing-Strategien und zeigten Best Practise Beispiele, aber auch Probleme auf.

Wer möchte bei welcher Session mitmachen? Die Teilnehmer geben Handzeichen Foto: Katrin Baumer

Wer möchte bei welcher Session mitmachen? Die Teilnehmer geben Handzeichen  Foto: Katrin Baumer

Den Weg durch die Partymeile Kultfabrik hin zum WERK1 fanden viele Vertreter aus der Verlags- und  Buchhändlerbranche und so konnten sich die Veranstalter, der Bayerische Landesverband des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der Arbeitskreis für Elektronisches Publizieren (AKEP), das Mediennetzwerk Bayern und das WERK1 über ein volles Haus freuen. Und das ist kein Wunder. Denn das eBookCamp hat ein besonderes Format: Die Themen richten sich sowohl an Experten, als auch an Einsteiger. Das heißt, auch die Vertreter angrenzender Branchen können sich aktiv beteiligen. Und Beteiligung ist absolut erwünscht.

Ein Fokus beim eBookCamp 2015 lag auf den Themen E-Book-Kampagnen und E-Book Marketing. In der Session „E-Book Kampagnen planen, durchführen und auswerten“ zum Beispiel berichtete Andreas Köglowitz aus dem Erfahrungsschatz des Unsichtbar-Verlags. Zum Einstieg stellte er den Teilnehmern die Fragen: „Wer arbeitet bei einem Verlag?“ „Wer liefert E-Books aus?“ und „Wer macht Marketing-Kampagnen?“ Auf die letzte Frage hin meldeten sich lediglich drei Teilnehmer. Zuvor fast alle. Ein anschließendes Brainstorming zeigte auf, welche Marketing-Möglichkeiten es für E-Books überhaupt gibt. Neben SEO, Preisaktionen, Newslettern, Gewinnspielen, Social Media, Blogs/Websites und Print/QR-Codes stellte Köglowitz das Konzept Marketing Mob vor.

Autoren auf Kuschelkurs – der Marketing Mob

Den Marketing Mob hat der Unsichtbar Verlag bereits erfolgreich ausprobiert. Manche der Session-Teilnehmer kennen die Methode auch als Influenza Marketing, andere gar nicht. Was aber bedeutet der Mob? Ganz einfach: Die Verlags-Autoren kennen, mögen und unterstützen sich bei Marketing-Aktionen: Kommt also ein neues Buch auf den Markt, schickt jeder Autor den Link seiner eigenen Fancommunity kurz vor der Veröffentlichung. Die Folge? Das Buch geht im Ranking nach oben. Zahlen hat Köglowitz ebenfalls dabei. Die Reichweite des Unsichtbar Verlags beläuft sich durch den Marketing Mob auf etwa 100.000.

Interessiert hören die Teilnehmer den Referenten zu. Foto: Katrin Baumer

Interessiert hören die Teilnehmer den Referenten zu. Foto: Katrin Baumer

Doch was ist mit den anderen Marketing-Aktionen? Wie effektiv sind die? „Sie können Aktionen machen, soviel sie wollen – wenn sie keine öffentliche Aufmerksamkeit erregen, bringen sie auch nichts. Und das ist der Vorteil des Digitalen: Sie können wirklich nachvollziehen, wen’s erreicht hat“, sagt Köglowitz. „Wir haben zum Beispiel mal 229 Leseexemplare verschickt – wirklich heruntergeladen wurde das Buch im Endeffekt aber nur 12 Mal.“ Dieser Fall macht deutlich, wie wichtig es ist, Kampagnen und Aktionen zu überprüfen. Eine Analyse von Kosten, Wirkung und Nutzen ist das A und O um Kampagnen sinnvoll und öffentlichkeitswirksam zu gestalten.

Das bestätigt auch Jördis Beatrix Schulz in der Session „Warum sind Metadaten und Social Media besonders für E-Books so wichtig?“. Schulz, seit über 25 Jahren im Verlags- und Buchhandelsgeschäft tätig, setzt den Schwerpunkt auf die Analyse im Vorfeld: „Wie finde ich heraus, was meine Leser interessiert?“

Jetzt wird’s persönlich – Themendaten vs. Metadaten

Grundvoraussetzung sei erst einmal, zu wissen, worüber die Leser beim betreffenden Buch sprechen, wo sie die Themenschwerpunkte sehen. So können entsprechende Schlagwörter generiert werden. Nur, wie lässt sich das herausfinden? Hier bieten sich digital mehrere Möglichkeiten: Zum einen lassen Soziale Medien das Publikum viel näher an die Autoren und die Verlage herankommen. Geschicktes Marketing auf diesen Plattformen kann also sowohl Sympathien, als auch Interaktion generieren, weiß Schulz. Zum anderen beweisen zahlreiche Fachforen, dass im Internet unglaublich viel über Bücher gesprochen wird. Und in allen Kommentaren, Bewertungen und Rankings liegen Informationen, die eine Schärfung von Kundenprofilen möglich machen und vielleicht sogar neue potentielle Zielgruppen aufspüren. Eine semantische Analyse der Metadaten zu einem Buch kann am Ende eine persönliche Buchempfehlung hervorbringen, weit entfernt vom altbekannten „Vielleicht ist dieses Buch für Sie interessant? Andere haben das auch gekauft“.

Um Kunden zu erreichen, sollten sie sich nämlich direkt angesprochen fühlen, so Schulz. Im Marketingbereich kann das neben der persönlichen Buchempfehlung durch personalisierte Newsletter oder eine personalisierte Startseite geschehen. Plattformen wie gnooks versuchen die persönliche Empfehlung bereits. Die Nutzer werden nach drei Lieblingsautoren gefragt, darauf berechnet das Programm eine weitere Autorenempfehlung. Natürlich ist so ein Empfehlungsmechanismus ausbaufähig. Grundsätzlich aber gilt: Marketing-Strategien sind nicht gleichzeitig der einfachste Weg. Die Themendaten eines Buches etwa helfen, es qualifiziert zuzuordnen – eine ansprechende Buchempfehlung kann daraus aber nicht hergeleitet werden.

Jördis Beatrix Schulz erklärt, wie wichtig Metadaten sind. Foto: Katrin Baumer

Jördis Beatrix Schulz erklärt, wie wichtig Metadaten sind. Foto: Katrin Baumer

Was sowohl als Motto als auch Quintessenz des Camps gesehen werden kann, ist Peter Schmid-Meils (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) Apell zu Beginn der Veranstaltung: „Fragt, redet miteinander, tauscht euch aus, arbeitet“. Besonders deutlich wurde das in Matthias Baumanns (Open publishing) Session „E-Book-Marketing: Die Kunst des Gesehenwerdens“. Hier wurde in der Diskussion vor allem auf das Verhältnis und auch die Missverständnisse zwischen Verlagen und Händlern beim Thema Marketing eingegangen – mit einem deutlichen Ergebnis von Seiten Baumanns und auch von Gerald Wechsler (Tolino Media): Den Willen und auch die Möglichkeiten für erfolgreiches Marketing bringen beide Seiten mit. Woran es hapert, ist die Kommunikation. Deshalb, so Wechsler „müssen alle mehr auf die Wünsche des anderen eingehen“. Ein passendes Schlusswort der Session kommt von einem anderen Teilnehmer: „Es geht bei Marketing-Kampagnen von Buchhändlern und Verlagen ja nicht darum, sich gegenseitig zu hofieren. Auf die Zusammenarbeit kommt es an.“

 

Das gesamte Programm des eBookCamps 2015 finden Sie hier.