Klatschnass zum Interview – Lifestyle-Journalistin Bente Matthes

Sie trifft Stars wie Kristen Stewart, Robert Pattinson und Miley Cyrus. Bente Matthes ist Lifestyle-Journalistin für die TZ, schreibt Texte und dreht Videos für den Print- und Onlinebereich. Wie es dazu kam, dass sie den Musiker Pharrell Williams klatschnass interviewte, und wie man Prominenten die spannenden Geschichten entlockt, erzählt sie dem Mediennetzwerk Bayern.

Bente Matthes  Credits: Bente Matthes

Bente Matthes Credits: Bente Matthes

 

Erinnern Sie sich an Ihr lustigstes Interview?

Bente Matthes: Das war mit dem Musiker und Songwriter Pharrell Williams! Ausgemacht war, dass wir uns abends treffen. Da ich gerne Fahrrad fahre und das Wetter toll war, bin ich ins Fitnessstudio geradelt. Spontan wurde das Interview vorverlegt. Ich bin also mit Trainingskleidung los, zum Glück hatte ich nur zwei Hanteln gehoben und war noch nicht sonderlich verschwitzt. Plötzlich fing es an zu regnen, zum Unterstellen hatte ich keine Zeit mehr und musste mit dem Rad weiter in die Stadt. Das Wasser lief mir von der Stirn herunter. Ich war so nass, dass ich mein Top auswringen konnte. Das war mir unglaublich peinlich. Pharrell Williams hat es natürlich sofort gesehen und meinte: „Du bist in den Regen gekommen“, und: „Wenn ich Sport mache, sehe ich genauso aus“. Das hat die Stimmung total aufgelockert und es wurde eines meiner besten Interviews.

Ihr bestes Interview hatte Bente jedoch in Sportkleidung mit dem Musiker Pharrell Williams  Credits: Bente Matthes

Ihr bestes Interview hatte Bente jedoch in Sportkleidung mit dem Musiker Pharrell Williams Credits: Bente Matthes

 

War Ihnen schon einmal ein Interview unangenehm?

Matthes: Einmal habe ich mich mit einem Musiker fast richtig gestritten. Das war kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Albums und er stand unter großem Druck. Ich hatte ein Videointerview mit ihm geplant.  Er saß vor der Kamera, zog eine riesen Flappe und gab mir nur patzige Antworten. Ich musste das Interview abbrechen, weil es so weder ihm noch mir etwas gebracht hätte. Ich möchte schließlich nicht über Prominente und ihre privaten und zum Teil peinlichen Dinge berichten, wie schlechte Laune oder Zellulite am Hintern. Jemanden vorzuführen ist überhaupt nicht mein Ding. Ich möchte einfach nur gute Interviews führen, an denen Künstler ebenso wie Zuschauer ihren Spaß haben. Als ich dann draußen war, ist er mir hinterher, hat sich entschuldigt, und auf den zweiten Anlauf lief es dann.

 

Erinnern sich Künstler an Sie?

Matthes: Miley Cyrus hat mich wiedererkannt! Ich habe einen ausgefallenen Namen, im Deutschen wie im Englischen. Außerdem achte ich auf meinen Wiedererkennungswert. Ich sehe immer relativ ähnlich aus, natürlich nicht wie der nette Herr in der Sendung mit der Maus mit dem immer gleichen blauen Pulli, aber ich kleide mich oft dunkel.

 

Wie sind Sie dazu gekommen, Hollywoodgrößen zu interviewen?

Matthes: Das war Zufall. Eine Kollegin sollte einen Musiker interviewen und hatte keine Zeit. Da bin ich eingesprungen. Das ist jetzt circa 15 Jahre her. Damals habe ich sofort gemerkt, dass ich Zugang zu den Prominenten habe. Außerdem hatte ich unglaublich viel Spaß an den Interviews. So kam es dazu, dass ich mich auf VIPs spezialisiert habe.

Während des Interviews mit der Rockband 30 Seconds to Mars hat Bente Matthes jede Menge Spaß Credits: Bente Matthes

Während des Interviews mit der Rockband 30 Seconds to Mars hat Bente Matthes jede Menge Spaß Credits: Bente Matthes

 

Wie bereiten Sie sich vor?

Matthes: In den meisten Fällen weiß ich viel über die Stars, da ich sie oft schon einmal interviewt habe. Aber nehmen wir zum Beispiel Christina Aguilera. Wenn ich sie interviewe, funktioniert das nicht auf die Art „mit der würde ich gerne befreundet sein“, sondern ich sehe ihr Talent, ihre Wahnsinnsstimme. Ich überlege, was mich persönlich an ihr interessiert. Ein bis zwei Wochen lese ich über die Künstler alles, was mir in die Finger kommt. Ich schaue mir auch Bilder an. Wie kleidet sich die Person? Ein Foto kann sehr viel über den Charakter eines Menschen aussagen. Läuft dieser trotz Paparazzi im Schlabberlock herum? In der Regel erarbeite ich 20 Fragen, mit denen ich in das Interview gehe.

 

Die Fragen stehen. Wo treffen Sie die Stars?

Matthes: Die meisten Stars treffe ich in Los Angeles, da sie zum Großteil dort leben oder einen Zweitwohnsitz haben. Mein Aufenthalt beträgt acht Wochen. In dieser Zeit schaffe ich eine Menge Interviews. Filmstars und Bands interviewe ich oft in Konferenzräumen von Luxushotels. Wenn der Star auf Tour ist und nicht viel Zeit hat, kann es schon einmal vorkommen, dass in der Umkleide oder Garderobe hinter der Konzerthalle gedreht wird. Oder in meinem Wohnzimmer, was auch schon einige Male vorkam. Mit etwas Glück erwischen wir hinter der Bühne einen schönen Raum und tolles Licht! Es kann aber auch sein, dass wir einen Raum haben, in dem lauter Elektrokabel aus der Wand hängen. Das hatte ich beispielsweise bei einem Interview mit 30 Seconds to Mars. Außerdem hatten wir genau fünf Minuten Zeit zum Aufbauen, da muss jeder Handgriff sitzen.

 

Wie fühlt es sich an, neben einer Hollywoodgröße zu sitzen?

Matthes: Ich bin nervös wegen der englischen Sprache. Ich kann zwar gut Englisch und verstehe es gut. Aber ich klinge nach wie vor sehr deutsch und habe auch mal Sorge, dass mir im Eifer des Gefechts ein Wort nicht einfallen könnte. Was eigentlich überhaupt nicht schlimm ist, manchmal hat man halt einen Hänger. In LA ist es immer so, dass ich am ersten Tag mit meinem Englisch total unzufrieden bin und am letzten Tag superhappy. Ich bin perfektionistisch. Und bei Künstlern, deren Werke ich sehr schätze, habe ich so eine Art Lampenfieber. Ich möchte immer ein gutes Interview machen. Aber bei Menschen, die ich toll finde, mache ich mir gern besonders Druck.

 

Wenn Bente Matthes Stars interviewt, heißt es "Klappe halten und zuhören". Credits: Bente Matthes

Wenn Bente Matthes Stars interviewt, heißt es „Klappe halten und zuhören“. Credits: Bente Matthes

 

Gibt es ein Geheimrezept, um den Prominenten spannende Geschichten zu entlocken?

Matthes: Nein, dafür benutze ich einfach mein Gefühl. Ich nehme Stimmungen wahr, merke, wie die Stars auf mich reagieren. Wenn beispielsweise ein Thema polarisiert, muss das nicht heißen, dass der Prominente darüber nicht reden will. Ich mag Interviews, in denen der Leser neue Facetten seines Idols kennen lernt, aber auch der Künstler einen Mehrwert hat. Es soll ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein.

 

Irgendwelche Fragen, die man nicht stellen darf?

Matthes: Eigentlich nicht. Grundsätzlich darf man alles fragen, der Künstler muss ja nicht antworten. Aber wenn sich ein Künstler frisch getrennt hat, begrüßt einen das Management gleich mit „keine Fragen über den Ex-Partner“. Dann weiß ich, dass ich keine Fragen über diesen stellen darf. Aber das würde ich sowieso nicht machen, weil ich ja auch schon mal Liebeskummer hatte und weiß, wie sich das anfühlt. Ich denke, es ist eine Frage des Feingefühls und des Respekts. Ich muss immer abwägen, wie ich mein Interview führe. Wenn ich beispielsweise ein Interview mit einem Komödianten habe, das ernst sein soll, muss ich gleichzeitig seine lustigen Fähigkeiten bedienen. Ich darf das Potential des Künstlers also nicht außer Acht lassen.

 

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Lifestyle-Journalist zu sein?

Matthes: Erst einmal muss ich für mich selbst wissen, wo ich mich bewege – Print, Online, Radio oder TV. Wobei crossmediales Arbeiten immer wichtiger wird. Die Basics für die Darstellungsform Interview müssen natürlich sitzen. Ich kann die Leser vom Hocker hauen, wenn mein Text in die Tiefe geht und die Atmosphäre toll ist. Ein Aspekt, der bedeutend ist, den man aber nicht lernen kann, ist der Zugang zu Menschen. Fairness ist total wichtig und Feingefühl, ich will den Menschen vor mir lesen können.

 

Bente Matthes im Interview mit The Hives

Bente Matthes im Interview mit Q’orianka Kilcher

 

Von Vanessa Herfeldt