Die ersten Medienkompetenztage 2014

Am 1. Oktober 2014 fand die Abschlussveranstaltung der ersten bayernweiten Medienkompetenztage statt. Veranstaltungsort war das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Technologie und Energie. Ab 18.30 Uhr drängte das Publikum, bunt gemischt aus Medienvertretern, Medienpädagogen und politischen Vertretern der Medien, in den Ludwig-Erhard-Festsaal.

Wie wichtig das Thema Medienkompetenz ist, zeigt sich schon am Nutzungsverhalten von Medien. Welchen Zugang Jugendliche und Erwachsene heute zu Inhalten wählen, ist dabei nicht unwichtig. Staatsekretär Franz-Josef Pschierer stellt auch eine Veränderung seiner eigenen Gewohnheiten im Umgang mit Medien fest: „Ich habe mein Arbeitsverhalten komplett geändert. Ich benutze nur noch mein Tablet und das Smartphone. Die Verwendung mobiler Endgeräte steigt an, nicht nur bei den Jugendlichen.“ Der feststehende PC oder „große Kasten“, wie der Staatsekretär seinen PC nannte, throne nicht länger auf seinem Schreibtisch, er mache jetzt lieber alles mobil.

Staatsekretär Franz-Josef Pschierer im Interview mit dem Moderator des Abends Markus Othmer. Foto: Aline-Florence Buttkereit

Staatsekretär Franz-Josef Pschierer im Interview mit dem Moderator des Abends Markus Othmer. Foto: Aline-Florence Buttkereit

Die Tatsache, dass der Nutzer heute überhaupt mehrere Geräte zur Verfügung hat, über die er Daten verbreiten kann, stellt ihn vor eine weitere Wahl, er muss entscheiden welche Art und welches Format der Datenverbreitung er wählen möchte: Mit dem Smartphone schnell ein Foto schießen, kurz einen O-Ton aufnehmen, im Hand-Umdrehen einen Clip erstellen, diese Möglichkeiten existieren heute nicht nur – wir nutzen sie auch. Und dann? Online stellen, auf Facebook posten, per Whatsapp mit Freunden sharen – alles Optionen, bei denen wieder Entscheidungen anstehen und Fragestellungen aufkommen.

Für den Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Siegfried Schneider, sind das Anforderungen, die sich an die Vermittlung von Medienkompetenz richten: „Wie gehen Jugendliche mit den sensiblen Daten um und wie sollen sie damit umgehen? Es ist wichtig, für dieses Thema zu sensibilisieren, Medien und das eigene Nutzungsverhalten müssen kritisch hinterfragt werden.“

Die Medienkompetenztage Bayern haben genau dieses Ziel verfolgt. In den letzten drei Tagen sind in ganz Bayern mehr als 100 Veranstaltungen gelaufen. „Ich bin absolut zufrieden und freue mich sehr, dass es so viel Engagement und Wiederhall gegeben hat. Von Bamberg über Würzburg bis hin nach Passau – um nur einige Städte zu nennen – überall haben sich die Medienkompetenztage Raum verschafft“, sagte Staatssekretär Franz-Josef Pschierer.

Für BLM-Präsident Siegfried Schneider ist die Vermittlung von Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation. Foto: Aline-Florence Buttkereit

Für BLM-Präsident Siegfried Schneider ist die Vermittlung von Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation. Foto: Aline-Florence Buttkereit

Das Angebot war breit gemischt. Ein paar Einblicke in die vielen Events zeigten kurze Beiträge, produziert von afk, die auf der Abschlussveranstaltung auf Leinwand liefen. An der Uni Bamberg bot beispielsweise Schulpsychologin Andrea Pfeiffer einen Workshop zum Thema: Sexting & Co – der sorglose Umgang der Jugendlichen mit sensiblen Daten als Basis für Cybermobbing an. Ein Schwerpunkt dabei war die Auseinandersetzung mit privaten Fotos im Netz. „Es geht darum, deutlich zu machen, wie sensibel Daten sind und sorgsam mit Bildern umzugehen“, erklärte Andrea Pfeiffer. „Die Folgen einer Attacke im Netz können verheerend sein, oft plagen die Leidtragenden hinterher Vertrauensverluste oder sogar depressiven Verstimmungen.“

In Bayern ist Medienkompetenz aber nicht nur in den vergangenen Tagen, sondern das ganze Jahr ein Thema. Zum Beispiel mit dem Medienführerschein, eine Initiative der Stiftung Medienpädagogik mit dem Ziel: „Alle Altersgruppen fit für den Medienalltag zu machen“ (Quelle medienführerschein.bayern.de).

Vanessa Zimmek Grundschullehrerin in München ist begeistert von dem guten Angebot der Medienstiftung Bayern, vertreten durch Verena Weigand. (v.l.n.r.). Foto: Aline-Florence Buttkereit

Vanessa Zimmek Grundschullehrerin in München ist begeistert von dem guten Angebot der Medienstiftung Bayern, vertreten durch Verena Weigand. (v.l.n.r.). Foto: Aline-Florence Buttkereit

Verena Weigand von der Stiftung Medienpädagogik stellte auf der Bühne das umfassende Angebot dar, das vor allem Lehrer ansprechen soll, Unterrichtstunden zum Thema Medien abzuhalten. „Die Lehrer erhalten passgenaue Unterrichtsmaterialien, das unterscheidet den bayerischen Medienführerschein von den Initiativen anderer Bundesländer“, erklärt Verena Weigand. Die Schüler erhalten hinterher eine Urkunde, in der aufgeführt ist, in welchem Thema sie Kompetenzen erhalten haben. Diese Motivation scheint zu funktionieren: „Dieses Jahr werden wir die 100.000. Urkunde verleihen“, berichtet Weigand stolz.

Mit ihr auf der Bühne stand Vanessa Zimmek, Grundschullehrerin aus München, sie ist begeistert von dem Angebot der Medienstiftung: „Für uns Lehrer ist das wirklich super, es bedarf nicht viel Zeit und Vorbereitung, um eine Stunde abzuhalten. Ich nutze das Angebot auch gerne für Vertretungsstunden, und es wird immer sehr gut angenommen.“

Expertenrunde im Gespräch. Mit dabei Moderator Markus Othmer, die Vorsitzenden der Kinderkommission im Bayerischen Landtag und Abgeordnete Tanja Schorer-Dremel, Staatssekretär Franz-Josef Pschierer und BLM-Präsident Siegfried Schneider. (v.l.n.r.) Foto: Aline-Florence Buttkereit.

Expertenrunde: Mit dabei Markus Othmer, Tanja Schorer-Dremel, Franz Josef Pschierer und Siegfried Schneider. (v.l.n.r.) Foto: Aline-Florence Buttkereit.

Bis zum Ende der Veranstaltung wurden dem Publikum noch drei weitere Initiativen vorgestellt: „Ich, wir, ihr im Netz“, „Elterntalk“ und die Plattform „mebis“, die neben Unterrichtsmaterialien auch ein Prüfungsarchiv bereit stellt. Eine Expertenrunde aus der Vorsitzenden der Kinderkommission im Bayerischen Landtag und Abgeordneten Tanja Schorer-Dremel, Staatssekretär Franz-Josef Pschierer, BLM-Präsident Siegfried Schneider und Moderator Markus Othmer bildete den Abschluss der Veranstaltung. Das letzte Wort hatte Franz-Josef Pschierer: „Neben all den Kompetenzen, die Kinder und Jugendliche heute erlernen müssen, wünsche ich ihnen, dass sie auch noch Zeit finden, echte Freundschaften zu pflegen sowie musischen und sportlichen Aktivitäten nachzugehen. Virtuelle Medien können das reale Leben nicht ersetzen, bloß ergänzen.“