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Bayerische Blogosphäre

Vom richtigen Umgang mit Vierbeinern bis hin zur Literatur: In Blogs gibt es beinahe nichts, über was nicht geschrieben würde. Das ist in der bayerischen Blogosphäre nicht anders. Doch so unterschiedlich die Themen auch sind, mit einer Frage befassen sich dann doch (fast) alle: Wie kann man Blogs professioneller gestalten? Und wie lässt es sich damit womöglich sogar noch ein bisschen Geld verdienen? Ein Stammtisch in München will seit 2013 bei der Suche nach Antworten helfen.

Mit den Blogs, das ist so eine Sache. Sie sind schwer zu erfassen, weil es den typischen Blog nicht gibt. Ihre Autoren sind schwer zu kategorisieren, weil auch der typische Blogger nicht existiert. Ihr Einfluss und ihre Wirkung auf die (Medien-)Welt sind ebenfalls schwer zu beschreiben; zumindest dann, wenn man sich in einem pauschalen Urteil versucht. Es gibt den Blogger mit richtig großem Einfluss ebenso wie den, der mit einer kaum wahrnehmbaren Reichweite arbeitet (und dessen Ziel Reichweite auch gar nicht ist). Blogs können also vieles sein: das klickstarke Angebot einer Redaktion oder eines freien Journalisten, das mit einem Beitrag intensive Debatten auslöst. Oder das Hobby von jemandem, der einfach nur gerne schreibt.

Schaut man auf die bayerische Blogosphäre, dann kommt man schnell zu der Erkenntnis: Der Freistaat ist eine Art Blogosphären-Mikrokosmos. Aus dem Freistaat kommen einige der reichweiten-stärksten und bekanntesten Blogs Deutschlands. Und es gibt natürlich auch all jene, die ihr Blog als eine Art riesengroßen Spaß begreifen, ohne auch nur im Ansatz in die Nähe der Klickzahlen zu kommen, über die sich diejenigen freuen, die man zu Beginn des Blog-Zeitalters gerne mal “Alphablogger” genannt hat (der Begriff ist inzwischen aus guten Gründen aus dem Sprachgebrauch fast vollständig verschwunden).

Blogger Stammtisch

Karin Hertzer, Mitinitiatorin des Blogger Stammtischs in München.

Karin Hertzer, Mitinitiatorin des Blogger Stammtischs in München. Foto: privat

Es ist also eine bunte Mischung aus Menschen und Themen, die man einmal im Monat in München zu sehen bekommt. Dort treffen sich Blogger zu einem Stammtisch – mit steigender Beteiligung. Wobei Stammtisch ein etwas irreführender Begriff ist. Weil man sich darunter eine lockere Plauderrunde bei dem einen oder anderen Bier vorstellen könnte. Das gibt´s zwar auch, aber erst hinterher. Erst wird nämlich “gearbeitet”, danach geht es dann in lockerer Runde weiter.

Arbeiten bei einem Stammtisch? Allzu ernst darf man den Begriff nicht nehmen. Weil ja immer noch der Spaß an der Sache im Vordergrund stehen soll. Arbeit bedeutet also in diesem Fall, dass sich die Runde bei jedem Treffen ein vorher festgelegtes Blog vornimmt. Das wird dann zunächst gelobt, danach kommen die Punkte, von denen die Runde meint, dass man sie eventuell noch besser machen kann. Natürlich: Das sind dann eher Anregungen als wirkliche Kritik, so fürchterlich ernst und streng soll es ja bei einem Treffen mit Netzwerkcharakter auch wieder nicht zugehen. „Davon haben alle etwas, weil sich ja vieles auf den eigenen Blog übertragen lässt“, sagt Karin Hertzer, eine der Initiatorinnen und treibenden Kräfte hinter der monatlichen Runde.

Den Spaß und den Nutzen miteinander zu verbinden – dieser Mix kommt an. Waren es zu Beginn der Runde noch zwei Handvoll Blogger, die sich trafen, hat der Platz in der ursprünglichen Location schnell nicht mehr ausgereicht. Inzwischen findet der Stammtisch im Münchner Presseclub am Marienplatz statt. „Der ‚runde‘ Tisch ist jetzt etwas größer geworden, denn beim letzten Treffen waren wir schon 28 Blogger“, freut sich Karin Hertzer.

Dabei holt man sich immer wieder gerne mal Anregungen von außen. Man spricht mit anderen Bloggern, die nicht zwingend zur Stammtischrunde gehören. Oder man bespricht Themen, die über die eigentliche Gestaltung von Blogs hinausgehen. Beispielsweise darüber, ob sich mit Blogs auch Geld verdienen lässt. Und wenn ja: wie?

Werbung und eigenes Aushängeschild

Die Antwort fällt nicht nur in München so aus, wie sie gerne ausfällt, wenn man vom Publizieren im Netz spricht: im Prinzip nein. Oder zumindest: nicht viel. Wobei es wiederum auch nicht auszuschließen ist, dass man mit einem Blog passabel Geld verdient. Doch für die allermeisten Stammtisch-Teilnehmer in München ist das bisher gar nicht die entscheidende Frage. Für sie ist die Bloggerei – noch – ein Hobby, eine Liebhaberei. Wobei Karin Hertzer nicht ausschließen will, dass sich das mittelfristig ändert: „Viele Blogger arbeiten konsequent darauf hin, eines Tages mit ihrem Blog zumindest die Ausgaben wieder reinholen zu können. Einige haben schon Einkünfte, wobei sich das wiederum unterteilen lässt – denn man kann ja mit Anzeigen, Affiliate-Marketing und Sponsoring auf dem Blog Geld verdienen und/oder mit dem Blog auf sich aufmerksam machen, um bezahlte Aufträge für andere Jobs zu bekommen. In beiden Fällen lohnt sich das Bloggen also.“

Mit der Software WordPress lassen sich Texte und Fotos leicht ins Netz stellen.

Mit WordPress lassen sich Texte und Fotos leicht ins Netz stellen – bei Bloggern eine gerne genutze Software.

Dass es dennoch nicht ganz einfach ist, aus einem Blog eine Existenzgrundlage zu machen, zeigt sich an den Erfahrungen derjenigen aus der Stammtischrunde, die den Sprung vom Hobby zur stabilen Einnahmequelle geschafft haben. Sie hatten wahlweise ein finanzielles Polster zur Realisation ihrer Idee – oder waren einfach schon lange genug dabei, um irgendwann auf ein festes und auch ausreichend großes Publikum blicken zu können. Was zumindest eines sicher zeigt: Wer aus seinem Blog irgendwann mal mehr als ein Hobby machen will, braucht neben einer guten Idee vor allem eines: einen langen Atem. Ausdauer. Konstanz. Blogs, die nur ab und an mal befüllt werden, haben keine echte Chance, in einem größeren Umkreis wahrgenommen zu werden. Und den braucht man auch als Blogger, wenn man davon halbwegs leben können will.

Regelmäßig schreiben

Apropos Ausdauer: Auch in München gibt es inzwischen die sogenannten “Iron Blogger”. Der augenzwinkernd-selbstironische Name enthält einen durchaus wahren Kern. Wer bei den eisernen Bloggern mit dabei ist, verpflichtet sich, mindestens einen Beitrag pro Woche zu posten. Wer es nicht tut, zahlt 5 Euro in die Gemeinschaftskasse. Die „Strafe” kommt dann aber doch wieder einem gemeinsamen Vergnügen zugute. Und einem guten Zweck. Das gesammelte Geld wird nämlich zur einen Hälfte für einen gemeinsamen Kneipenabend verwendet und zur anderen Hälfte gespendet. Trotzdem gibt es bei einem solchen Projekt natürlich auch sowas wie einen Blogger-Ehrgeiz, die selbst auferlegte Veröffentlichungs-Frequenz auch zu halten. Man meldet sich ja schließlich nicht an, um dann nur zu bezahlen.

Sicher ist unterdessen: Das eine, große Thema, auf das man als Blogger setzen sollte, gibt es nicht. Das ist ja gerade die Chance für und das Interessante an Blogs: Prinzipiell gibt es nichts, was es nicht gibt. Man kann über (Haus-)Tiere ebenso schreiben wie über Gesundheitsthemen oder Literatur. In einer Facebook-Gruppe haben sich die Münchner Blogger inzwischen mit über 150 Mitgliedern zusammen geschlossen. Tendenz: weiterhin deutlich steigend. Auch das ein Beleg dafür, dass bloggen in München und im Freistaat vor allem eines ist: enorm vielfältig.

Junge Wurzeln

Dafür spricht auch ein anderes Indiz: Den Blogger-Stammtisch gibt es noch gar nicht lange. Die Anfänge reichen gerade mal ins Jahr 2013 zurück. Karin Hertzer hatte damals für den Journalistinnenbund eine Veranstaltung organisiert unter dem Titel: “Warum lohnt sich das Bloggen?”. Eine Frage, die nicht nur viele Antworten nach sich zog, sondern auch das Interesse nach mehr. Aus der einmaligen Veranstaltung wurde zunächst eine kleinere Runde, dann der Stammtisch.

Wie sich der Blogger-Stammtisch und die dort vertretenen Blogs weiter entwickeln werden? Das ist natürlich eine spekulative Frage. Klar ist für Karin Hertzer aber: “Die Professionalisierung liegt uns am Herzen.”

Von Christian Jakubetz

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