Spielerisch Programmieren lernen mit Ameisen-App

Ameisen im Schulbetrieb: sonst ein Fall für den Kammerjäger. Aber nicht wenn „AntMe!“ im Spiel ist. Das in Bayern entwickelte Serious Game bringt Computerspielern die Reize der Software-Entwicklung näher.

Das neudeutsche Wort Serious Game steht für die Verknüpfung von Gameplay und Lernen. Es geht darum spielerisch das Programmieren zu lernen. Und genau nach diesem Prinzip funktioniert auch „AntMe!“. Mit dem Eingeben einfacher Programmier-Codes lernt der Spieler die Welt der Software-Entwicklung kennen und kann der skizzierten Computer-Umwelt eigenhändig Leben einhauchen. Einzige Voraussetzung: Der Spieler braucht ein spezielles Programm, wie etwa Visual Studio, um Programmieren zu können. Dann kann er loslegen und mit echten Software-Codes in den Programmiersprachen C-Sharp oder VB.NET Befehle eintippen.

Insekten anleiten

Virtuelle Ameisen mit Aufträgen versorgen: So können sich Interessierte an die Virtuelle Ameisen mit Aufträgen versorgen: So können sich Interessierte an die Grundlagen der Informatik herantasten. Quelle: AntsMe!

Virtuelle Ameisen mit Aufträgen versorgen: So können sich Interessierte an die Grundlagen der Informatik herantasten.

Vereinfacht gesagt lenkt der Spieler einen Ameisenstaat. Durch Eintippen simpler Kommandos vom Format „GeheZu(zucker)“ programmiert er die virtuellen Ameisen so, dass sie automatisch den Zuckerberg im Spielfeld ansteuert. Zunächst startet das Spiel mit einfachen Anweisungen. Die kleinen Insekten werden losgeschickt, um Zucker von einem Ort zu einem anderen zu transportieren oder sich zum Schutz vor eindringenden Wanzen eine Sicherung zu bauen. Aber schon bald wird der Spieler an komplexere Wenn-dann-Befehlsverkettungen herangeführt. Die Arbeit wird stets belohnt. Die grafische Aufbereitung macht Ergebnisse sofort sicht- und Erfolge spürbar. Gedacht ist das Ganze für Interessierte, die einen Einstieg in die IT-Branche suchen oder das Programmieren einfach einmal ausprobieren wollen.

Computerspiele im Schulunterricht

So ein Serious Game kann für Schüler, in Workshops oder an Hochschulen eingesetzt werden und ein erster Schritt sein, um das Verständnis für Informatik zu fördern. Bislang kommen sie jedoch meist nur in der Freizeit zum Einsatz. Im Schulunterricht findet man sie kaum. Vera Lohmann vom Spielend Lernen Verlag im bayerischen Wörthsee hat die Erfahrung gemacht, dass neue Medienangebote in Schulen meist nur zögerlich angenommen werden. „Die Pädagogen scheinen mir wenig interessiert an der Integration experimenteller Lehrmittel in den Schulablauf. Es gibt zwar Musterschulen, in denen das besser klappt. Im Großen und Ganzen lässt der Arbeitsalltag den Lehrern aber zu wenig Zeit“, sagt Lohmann. Um das zu ändern und Serious Games mehr in die Klassenzimmer zu bringen, verfolgt Tom Wendel vom Softwareprojekt „AntMe!“ eine eindeutige Strategie: hartnäckig sein. „Einzelne Schulen kriegt man, indem man aufgeschlossene Lehrer findet, die das einfach mal testen wollen“. Das hat er aus seinen bisherigen Erfahrungen gelernt.

Zucker spielt eine entscheidende Rolle: Im Spiel und im Leben einer Ameise.

Zucker spielt eine entscheidende Rolle: Im Spiel und im Leben einer Ameise.

„Freier Zugang zur IT-Bildung“

Hinter „AntMe!“ steht ein eingetragener Verein aus dem schwäbischen Augsburg. Dessen Mitglieder – anfangs fünf, jetzt drei – bringen das Vorhaben seit acht Jahren vorwärts. Ehrenamtlich, also ohne Entlohnung für viele Monate harte Arbeit. Gestartet ist das Projekt 2006. Wolfgang Gallo und Tom Wendel, zwei Studenten und selbstständige Softwareentwickler, gaben den Startschuss. „Am Anfang fanden wir die Herausforderung interessant, so ein Lernspiel überhaupt zu machen. Das hat sich dann mit der Zeit zu einer Philosophie gefestigt: freier Zugang zur IT-Bildung. Damit ist es uns ernst. Das Produkt muss kostenfrei bleiben“, ist Tom Wendel überzeugt.

 

Bis Mitte September läuft der Cowntdown.

Bis Mitte September läuft der Cowntdown.

Nun wagt „AntMe!“ den nächsten Schritt. Über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo sucht der Verein nach Unterstützern, die die Entstehung einer Version 2.0 ermöglichen. Das Geld soll in zusätzliche Ausstattung, vereinfachte Bedienung und zeitgemäßes Aussehen fließen. Jeder einzelne Euro trägt dazu bei, dass Interessierte – keineswegs nur Schüler – ihr IT-Wissen erweitern können. Vor dem Hintergrund zunehmender Digitalisierung kann dies ein nützliches Tool sein. Und ein Open Source Angebot kann gerade auch Laien den ersten Schritt erleichtern, sich in die ungekannten Sphären der IT-Welt zu wagen.

 

AntMe Video:

AntMe! 2.0 Alpha 2 Preview

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