„Die Deutschen lieben das Quizzen“ – Interview mit Alexander Kessler

Smartphone-Apps boomen, und täglich kommen neue auf den Markt. Aktuell besonders beliebt bei den Deutschen: Quizduell. Gut 17,5 Millionen Mal ist die App bereits heruntergeladen worden, mit der sich Spieler im Allgemeinwissen messen. Ursprünglich kommt die App aus Schweden. Seit einem guten dreiviertel Jahr ist sie aber auch auf dem deutschen Markt der Renner. Dazu beigetragen hat der 27-jährige Oberbayer Alexander Kessler. Während seines Auslandsstudiums in Schweden hat er einen Nebenjob gesucht. Gefunden hat er eine Herausforderung, die ihn zwei Jahre später zum Regional Manager von Quizduell Deutschland geführt hat. Ein Interview über den deutschen Erfolg des Wissensspiels, Quizduell als Fernsehshow und seinen nächsten Heimaturlaub.

 

Alexander Kessler hatte nie damit gerechnet, dass Quizduell einen solchen Hype auslösen würde.

Alexander Kessler hatte nicht damit gerechnet, dass Quizduell einen solchen Hype auslösen würde. Foto: Quizduell

Herr Kessler, vor knapp zwei Jahren haben Sie begonnen, bei FEO Media den Erfindern der Quizduell-App Fragen vom Schwedischen ins Deutsche zu übersetzen. Wie kam es dazu?

Alexander Kessler: Meine Freundin hat mich auf den Job aufmerksam gemacht. In der Universität Stockholm hatte sie eine Jobanzeige gesehen, auf der stand: „Übersetzer Schwedisch – Deutsch gesucht“. Sie hat die Anzeige mit dem Smartphone abfotografiert, mir per WhatsApp geschickt, und ich habe sofort eine Bewerbung an FEO Media geschrieben. Eine Woche später ging es mit den Übersetzungen der ersten Quizfragen los.

 

War Ihnen damals klar, was aus diesem Nebenjob entstehen kann? Immerhin sind Sie fast direkt vom Studium in eine leitende Position aufgerückt.

Kessler: Es war eine wirklich gute Entscheidung, ja. Als ich den Job begonnen habe, habe ich allerdings absolut nicht damit gerechnet, dass das Spiel in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen solchen Hype auslösen würde. Umso mehr freut es mich, dass es so kam und ich dadurch zu einem festen Bestandteil bei FEO Media geworden bin.

 

Wann haben Sie selbst das erste Mal Quizduell gespielt?

Kessler: Vom schwedischen Spiel „Quizkampen“ hatte ich bereits gehört, als ich mit dem Übersetzen der Fragen begonnen hatte. Richtig vertraut war es mir aber noch nicht. Das erste Duell habe ich damals knapp verloren. Bei einem Testlauf der deutschen Variante habe ich gegen Kollegen dann aber haushoch gewonnen. Allerdings hatte ich den schwedischen Kollegen gegenüber auch einen riesen Vorteil – immerhin hatte ich die Fragen ja übersetzt und kannte die Antworten.

 

Bei Quizduell werden in unterschiedlichsten Kategorien Fragen gestellt. Der Spieler, der mehr von ihnen richtig beantwortet, gewinnt. Derzeit gibt es einen Fragenpool mit gut 30.000 Fragen. Wer denkt sich die alle aus?

Kessler: Zu Beginn habe ich einfach einen großen Schwung schwedischer Fragen ins Deutsche übersetzt. Kurz bevor das Spiel in Deutschland auf den Markt kam, habe ich mit anderen deutschen Kollegen weitere deutschlandspezifische Fragen geschrieben – in allen Kategorien. Bei den Ideen habe ich viel auf meine Allgemeinbildung gesetzt, im Internet recherchiert oder Freunde und Familie nach interessanten Themen gefragt. Mittlerweile nehmen wir aber ausschließlich Fragen von Quizduell-Spielern ins Quiz auf und schreiben keine eigenen Fragen mehr.

 

Aus Schweden kommt das Spiel. Dort spielt etwa jeder Vierte; dicht gefolgt von den deutschen Spielern. Hier quizzen etwa sechs Millionen. Warum glauben Sie ist das Spiel gerade in Deutschland so beliebt?

Kessler: Die Deutschen lieben das Quizzen. Nicht zuletzt Günther Jauch hat das mit seiner Fernsehshow „Wer wird Millionär?“ gezeigt. Vergleicht man das Spiel- oder auch das Arbeitsverhalten in verschiedenen Ländern, fällt auf, dass die Deutschen die größten „Besserwisser“ sind. Es scheint ihnen sehr wichtig zu sein, sich mit Wissen gegen Freunde, Familie oder beliebige Spieler profilieren zu können. Deswegen kommt wohl auch unsere App so gut an.

 

Wie kam es zum Durchbruch in Deutschland?

Alexander Kessler hat den "Quizz-Nerv" der Deutschen mit seinen Fragen getroffen.

Alexander Kessler hat den „Quizz-Nerv“ der Deutschen mit seinen Fragen getroffen. Foto: Quizduell

Kessler: Als wir ungefähr 250.000 Spieler hatten, war eine „kritische Masse“ erreicht. Durch Mundpropaganda stieg die Anzahl der Downloads jeden Tag schneller. Prominente Künstler oder Moderatoren wie beispielsweise Sido oder Frank Buschmann teilten Bilder von Fragen auf ihren sozialen Netzwerken, und RTL sowie die ARD berichteten über das Spiel in ihren Nachrichten-Sendungen. Danach explodierte die Anzahl der Downloads förmlich.

 

Gerade in den vergangenen acht Monaten haben die Spielerzahlen in Deutschland rasant zugenommen. Macht Sie der Blick in die Heimat stolz?

Kessler: Natürlich. Es bedeutet, dass ich gut gearbeitet habe und den Nerv der Deutschen mit den Fragen getroffen habe. Und, dass ich die Idee über die richtigen Freunde und sozialen Netzwerke verbreiten konnte. Vom Hype habe ich persönlich zwar nur wenig mitbekommen, aber die Berichte aus der Heimat waren und sind beeindruckend.

 

Es gab auch Pläne, aus dem Handyspiel eine Fernsehshow zu machen. Prominente Fernsehgäste sollten dabei live gegen App-User spielen. Was ist daraus geworden?

Kessler: Die Fernsehshow mit Jörg Pilawa lief leider nur drei Wochen in der ARD. Das Konzept und das Studio fand ich richtig klasse. Aber leider kam es in der ersten Woche zu erheblichen technischen Problemen auf den Servern des Anbieters der TV-App. Sie konnten zwar zum Glück behoben werden, aber mit der Fortsetzung hat es dennoch nicht geklappt. Aber soweit ich weiß, debattiert die ARD gerade darüber, ob es im Herbst vielleicht ein neues Konzept für die Rateshow geben kann.

 

Wie sehen Ihre weiteren Zukunftspläne aus?

Kessler: Ich arbeite bei FEO Media und wohne in Stockholm mit meiner Freundin zusammen. Das Leben hier gefällt mir sehr gut. Pläne, fest nach Bayern zurückzukehren, habe ich in naher Zukunft nicht. Allerdings steht im Herbst ein Heimaturlaub an. Da geht es auf das Rosenheimer Herbstfest, und ich will meine Familie und Freunde wieder sehen.