Virtual Reality im Auto

Dinosaurier auf der Autobahn

Mit Dinosauriern auf der Autobahn um die Wette fliegen, im Stau die anderen Autos einfach mit dem Joystick wegklicken. Virtual Reality (VR) erobert das Fahrzeug. Das Münchner Start-up Holoride will mit seiner VR-Lösung Autos zu fahrenden Vergnügungsparks machen – und hat bereits erste Deals mit Automobilherstellern.

Über 85 Prozent der Deutschen bevorzugen für Inlandsreisen das Auto, so eine Studie von Statista. Die Zeit, die wir auf Rücksitzen verbringen, ist dabei oft ungenutzt. Holoride will das ändern und bringt VR-Entertainment auf den Rücksitz. Einen ersten Prototypen stellte das junge Unternehmen im Januar auf der CES in Las Vegas gemeinsam mit Audi vor. Im Rahmen des Start-up Autobahn Programms präsentierte das Team im Juli eine technische Machbarkeitsstudie mit Porsche, Daimler und EvoBus.

Eine handelsübliche VR-Brille ist mit den Sensoren im Fahrzeug gekoppelt. Die Fahrbewegung des Autos werden in Echtzeit an die Brille übertragen und bestimmen den Inhalt des Programms. Beschleunigt das Auto einen Hügel hinunter, geht der Dinosaurier in den Sturzflug. Biegt das Auto links ab, dreht auch der Flugsaurier nach links.

holoride – Turning vehicles into moving theme parks

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So entsteht ein immersives Erlebnis, dass eine lange monotone Autofahrt wie im Flug vergehen lässt. Man ist nicht nur Zuschauer, sondern Teil des Geschehens, taucht völlig ein in die virtuelle Welt. „Die erste Idee entstand im Kontext des autonomen Fahrens. Bei näherer Betrachtung ist deutlich geworden: bereits heute lassen sich 1,4 Milliarden Menschen täglich fahren. Der Bedarf ist also schon jetzt real,“ erklärt Marcus Kühne, CIO und Mitgründer von Holoride. Gemeinsam mit Nils Wollny, dem CEO und Daniel Profendiner, dem CTO gründeten die drei Ex-Audi-Kollegen im Jahr 2018 das Start-up, das die Unterhaltung im Auto revolutionieren will.

Spielen gegen Spucken

Marcus Kühne

Doch nicht nur das: auch die Symptome von Reiseübelkeit lassen sich mit dem Angebot von Holoride deutlich reduzieren. Vielen Menschen, besonders Kindern und Jugendlichen, wird auf längeren Autofahrten auf dem Rücksitz übel. Ein Buch zu lesen oder einen Film auf dem iPad zu gucken, verstärkt den Effekt. Schuld daran ist ein Informationskonflikt zwischen Innenohr und Auge. Das Gleichgewichtsorgan meldet zwar Bewegung, das Auge aber nicht.

Mit einer VR-Brille tritt dieser Effekt nicht ein. Umgebung, Fahrbewegung und visuelle Reize werden in Einklang gebracht. Auf langen Fahrten in den Urlaub, ist also für Unterhaltung und Wohlbefinden der Kinder gesorgt. Das entspannt auch die Eltern.

Eintauchen mit elastischem Inhalt

Die Technologie von Holoride ermöglicht das Angebot von „Elastic Content“. Einer neuen Medienform, die speziell auf die Anwendung in Fahrzeugen ausgerichtet ist. Die Inhalte passen sich dabei auf Fahrzeit, Bewegung und Kontext an. Holoride wird Medienschaffenden dazu eine offene Plattform inklusive Entwickler-Kit zur Verfügung stellen und bei der Konzeption der Inhalte unterstützen.

Das Holoride-Team

„Zunächst konzentrieren wir uns auf Formate für Unterhaltung und Gaming, aber auch Bildungsinhalte sind ein sehr großes Themenfeld – gerade für Jugendliche. Es stehen noch in diesem Jahr konkrete Projekte aus unterschiedlichen Bereichen an, über die wir aber noch nichts verraten dürfen,“ so Marcus Kühne. „Dabei ist uns besonders wichtig, herstellerunabhängig zu arbeiten,“ so Kühne. Erste Kooperationen und Gespräche gibt es bereits mit Audi, Porsche, Daimler und EvoBus, weitere sollen folgen. Reisebusse und ähnliche Mobilitätskonzepte für Personenbeförderung haben das Potenzial für weitere spannende Möglichkeiten. Etwa Multiplayer-Games, in denen mehrere „Holorider“ gegeneinander spielen. Hier sind aber auch entspannende Formate, die Privatsphäre ermöglichen, vorstellbar.

Künftig wird das System auch Navigationsdaten auswerten und damit die Länge des Unterhaltungsprogramm an die errechnete Fahrdauer anpassen können. Weitere Angebote wie Filme oder virtuelle Konferenzen für Geschäftsreisende sind in Planung. Auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt am 20. September präsentieren Porsche und Holoride ein gemeinsames Projekt der Öffentlichkeit.

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