Holodeck VR

Vom Media Lab Bayern zum Millionendeal mit ProSieben

Noch 2017 war Holodeck VR ein Start-up in der Gründungsphase, das vom Media Lab Bayern gefördert wurde. Ende Mai sicherte sich das Unternehmen nun ein Investment von ProSiebenSat.1 in Höhe von mehreren Millionen Euro. Ein Erfolg, der für manche Gründer schon das Ziel sein könnte. Aber Holodeck VR hat jetzt erst recht ambitionierte Pläne.

Die Gründer von Holodeck VR. Foto: Holodeck VR

Holodeck VR ist auf sogenanntes LBE VR spezialisiert. Die Abkürzung steht für Location-based Environment, also Erlebnisse in der Virtuellen Realität, die nicht zuhause konsumiert werden, sondern an einem besonderen Ort. Zum Beispiel in einem Freizeitpark. Das Team hinter Holodeck VR hatte das große Glück, bereits früh in der Firmengeschichte einen solchen von der eigenen Expertise zu überzeugen. Der Europapark setzt seit 2018 auf die Holodeck-Technik. Der Clou: Es wird dort nicht nur eine Achterbahnfahrt durch die VR-Dimension erweitert, die Gäste tragen das Headset bereits, bevor sie überhaupt in die Bahn gestiegen sind. Die reale und die virtuelle Welt verschmelzen dadurch umso besser. Für das junge Unternehmen ist die Attraktion natürlich die beste Arbeitsprobe.

Das Media Lab Bayern hilft bei den ersten Schritten

Dabei war die Firma noch gar nicht offiziell mit Amts-Stempel gegründet, als sie sich für ein Fellowship des Media Lab Bayern bewarb. „Ganz am Anfang ist natürlich das Risiko am höchsten, dass man aufgibt“, sagt Mitgründer und Geschäftsführer Jonathan Nowak Delgado: „Alleine die finanzielle Unterstützung war daher schon einmal gut.“ Doch es gab noch mehr, zum Beispiel einen Arbeitsort, an dem man sich mit anderen austauschen kann. „Das Coaching mit Trainern, das hat am meisten geholfen“, meint der Gründer heute.

Was er nach dieser Erfahrung jungen Gründern heute raten würde? „Die meisten Start-ups gehen daran zugrunde, dass sie etwas machen, was niemand kaufen will. Damit das nicht passiert, muss man so früh wie möglich auf die Kunden zugehen.“ Das hat er offenbar getan. Das Produkt seines Teams will heute auch ProSiebenSat.1.

Mit dem Medienkonzern im Rücken auf Wachstumskurs

Jonathan Nowak Delgado hat den Deal vom Pitching bis zum Closing begleitet. „Unser Pitch war einfach: German Quality, Hollywood Creative, Silicon Valley Vision“, sagt er: „Das hat sehr gut resoniert.“ Aber was soll ein Fernsehsender mit VR anfangen? „Technisch versierte VR-Anwendungen haben großes Potenzial, um mit ganz neuen Formen von interaktiver Unterhaltung ein Publikum zu begeistern,“ sagt Eun-Kyung Park, Chief Digital Officer Entertainment ProSiebenSat.1.

Holodeck-Chef Nowak Delgado sieht drei Felder, auf denen man zusammenarbeiten kann: eSports, sendungsbegleitenden VR-Content und Jochen Schweizer Mydays. Denkbar ist also, klassische Medien- und Unterhaltungsinhalte in die neue VR-Dimension zu übertragen. Nachdem der ProSiebenSat.1-Konzern aber längst nicht mehr nur TV-Sender ist, sondern über seine Beteiligung bei Jochen Schweizer auch im Eventbereich tätig ist, passen große VR-Produktionen, an denen größere Gruppen gleichzeitig teilnehmen können, bestens ins Portfolio.

Holodeck VR’s virtuelles Erlebnis „Eurosat Coastiality“ im Europapark.

Nun will Holodeck VR mit dem einstelligen Millionenbetrag von ProSiebenSat.1 rasant wachsen: Von derzeit sieben Standorten auf 350 im Jahr 2022 – das Fünfzigfache. Im Schnitt müsste dazu rund alle zwei bis drei Wochen ein neues VR-Spektakel aus der Hand von Holodeck VR eröffnen. „Überall da, wo Leute außerhalb von Zuhause Erfahrungen sammeln, kann Holodeck zum Einsatz kommen“, sagt Nowak Delgado. Nach Freizeitparks soll die Technik seiner Firma zum Beispiel auch in Einkaufszentren zum Einsatz kommen. Um das stemmen zu können, soll die Firma wachsen, von derzeit 10 Mitarbeitern auf etwa 27 am Ende der 18-monatigen Finanzierungsrunde. Die Installation der VR-Attraktionen übernehmen Partnerfirmen, den Betrieb die Kunden. Für Jonathan Nowak Delgado ist das Ziel gesetzt: „Wir wollen mit ProSieben die nächste Stufe erreichen.“