DOK.fest 2019

Von der Haustür in die Welt

Das DOK.fest München ist Deutschlands größtes Dokumentarfilmfestival. Bei der 34. Ausgabe werden noch ein paar mehr Filme als letztes Jahr zu sehen sein: 159 Filme aus 51 Ländern. Los geht es am 8. Mai 2019. Als eines der großen Doku-Festivals Europas unterstreicht das DOK.fest seinen internationalen Anspruch dieses Jahr unter anderem mit einer Gastlandreihe aus Russland und einer Filmreihe zu Afrika. Fest verwurzelt ist das Festival aber in Bayern.

Daniel Sponsel. Foto: DOK.fest München

In München bespielt das DOK.fest neben den typischen Orten des Kinos auch Kulturräume wie die Kammerspiele, das Literaturhaus, das Jüdische Museum oder das NS-Dokumentationszentrum. “Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und für den Standort”, sagt Festivalleiter Daniel Sponsel: “Die Spielorte finden ein neues Publikum, das Festival bekommt im Gegenzug eine große Präsenz in der Stadt und mit ihm die Dokumentarfilmbranche.”

Dokumentarfilme von Morgen im VR  Pop Up Kino

Doku-Formate von Morgen sind im VR Pop Up Kino zu sehen, das unter anderem vom MedienNetzwerk Bayern und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien unterstützt wird. Auch hier ist die Mischung international und lokal: Neben den bayerischen VR-Dokus kann man auch Werke aus Québec sehen. Der FilmFernsehFonds Bayern (FFF) stiftet den Förderpreis Dokumentarfilm, zudem sind sieben FFF-geförderte Filme beim DOK.fest zu sehen. Über die Zukunft der Branche tauscht man sich beim DOK.forum aus. Die Konferenz, die das Festival begleitet, legt dieses Jahr den Fokus auf die Digitalisierung, unter starker Beteiligung der regionalen Filmindustrie.

Lokale Filmperlen: Die Münchner Premieren

Lokale Filmemacherinnen und -macher waren schon immer beim DOK.fest präsent. In der Filmreihe “Münchner Premieren” bekommen sie ein eigenes Schaufenster. Wer ins Programm dieser Reihe schaut, dem sticht zuerst ein bayerisches Klischeebild ins Auge: Bauer mit Kuh auf Weide. Bertram Verhaags Film “Aus Liebe zum Überleben” erzählt von der Agrarwende und Öko-Landwirtschaft. Mickel Rentsch’ Film “O’pflanzt is” über ein Münchner Gemeinschaftsgartenprojekt hat die Mundart schon im Titel. Und Antje Drinnenbergs “Lionhearted – Aus der Deckung” handelt von einem Boxtrainer des TSV 1860 München im Glockenbachviertel.

Doch keinesfalls beschäftigen sich bayerische Filmemacher ausschließlich mit Ereignissen vor der eigenen Haustüre. Viele lokale Dokumentarfilmer und -filmerinnen drängt es hinaus in die Welt. Martin Saxer und Daler Kazievs Film “Murghab” besucht das gleichnamige tadschikische Dorf nahe der chinesischen und afghanischen Grenze. Der Chiemgauer Filmemacher Alexander Hick bringt mit “Thinking like a mountain” einen FFF-geförderten Dokumentarfilm-Essay zum DOK.fest, für den er mit seinem Bruder und Kameramann Immanuel Hick ein Jahr bei den isolierten, indigenen Arhuacos in Kolumbien lebte und filmte.

Tour durch die bayerischen Regionen

Festivalleiter Daniel Sponsel gibt noch zwei persönliche Empfehlungen unter den bayerischen Filmen des DOK.fests: “Las Hermanas de Rociante” von Alexandra Kaufmann über eine Pferdeauffangstation im Südosten Spaniens. Laut Sponsel ist die FFF-geförderte Doku “ein außergewöhnlicher Coming-of-Age-Film voller berührender Wärme und Leichtigkeit. Eine filmische Novelle über eine Kindheit auf dem Land und die erste Begegnung mit dem Tod.” Sein zweiter Tipp heißt “Congo Calling”. Stephan Hilpert begleitet darin die drei Europäer Peter, Raul und Anne-Laure, die sich auf ihre jeweils eigene Weise im Kongo engagieren und sich die Frage stellen, wie hilfreich Europas Hilfe ist.

Nach zehn Tagen in der Landeshauptstadt ist das diesjährige Festival zwar vorbei, das DOK.fest engagiert sich aber auch über das Event hinaus für den Dokumentarfilm. Mit DOK.tour zieht das Festival mit seinem Programm im Herbst durch die bayerischen Regionen.