Ippen Digital / Google News Initiative

Wissensgraph: Die Quelle der Wahrheit

Ippen Digital will seinen Lesern personalisierte Inhalte anbieten. Gleichzeitig soll die Recherche für Redakteure einfacher werden. Dazu baut das Münchner Unternehmen an einer zentralen, vernetzten Wissensdatenbank: The Master Graph. Das Projekt wird mit Fördergeldern der Google News Initiative unterstützt.

Leser versuchen, interessante Beiträge aus der Informationsflut zu fischen. Verleger und Medienmacher hingegen versuchen, die ständig wachsenden Datensümpfe trocken zu legen. Unsere vernetzte Welt generiert Unmengen an Daten, die unstrukturiert und isoliert nichts wert sind. Das Technik-Team von Ippen Digital hat einen Plan, wie sich mit Hilfe verknüpfter Daten hochwertige Inhalte erstellen lassen, die für Leser besonders relevant sind.

Markus Franz

In der Vergangenheit sammelten bei Ippen Digital verschiedene Abteilungen wie Redaktion, Technik-Team oder Marketing ihre Daten in unterschiedlichen Systemen, die nicht miteinander vernetzt waren. Größter Schmerzpunkt dabei sei die Wartung und Pflege der verschiedenen Systeme: Das sei kostenintensiv und ineffizient, so Markus Franz. „Wir sehen Technologie als disruptiven Treiber, um die Medienlandschaft auf das nächste evolutionäre Level zu heben“, erklärt er. Franz ist Chief Technology Officer, IT-Chefarchitekt bei der Ippen Digital GmbH. Das Unternehmen ist Teil der Ippen Medienwelt und positioniert sich als Full-Service-Anbieter, von Technik, über Redaktion bis zur Vermarktung, für kleinere und mittlere Verlage bis hin zu Merkur.de, tz.de und fr.de.

Datensilos aufbrechen

In der sechsten Runde des Digital News Innovation Fund von Google konnte sich Ippen Digital einen Fördertopf für sein Daten-Projekt „The Local Knowledge Graph“ sichern. Der DNI Fund ist ein europäisches Förderprogramm und Teil der Google News Initiative, die Journalismus im digitalen Zeitalter voranbringen will. „Wir freuen uns, Teil des Programms zu sein, was ein weiterer Meilenstein in Richtung intelligenter Publishing Plattform ist“, sagt Jan Ippen, Geschäftsführer von Ippen Digital.

Jan Ippen

Die Graph-Technologie soll Datensilos aufbrechen und alles miteinander verbinden. „Wir wollen erfahren wie Inhalte aufgebaut, wie sie mit unseren Nutzern verknüpft sind, wo vertriebliche Informationen eine Rolle spielen“, führt Franz aus. Das große Ziel dahinter: ein „Local Knowledge Graph“, eine zentrale Wissensdatenbank. „Wir wollen uns von einer reinen Informations- zu einer Wissensplattform entwickeln. Die Graph-Technologie ist ein wesentlicher Baustein, um diesen evolutionären Schritt zu gehen.“

Besser recherchieren mit künstlicher Intelligenz

Datenschutz wird nach Angaben des Technik-Chefs dabei großgeschrieben. Alle Daten werden komplett anonymisiert. Entscheidend sei, vor allem aus redaktioneller Perspektive, Inhalte zu schaffen, die Relevanz erzeugen. Wenn Redakteure wissen, welche Inhalte für Leser wertvoll sind und welche nicht, ist das eine wichtige Information schon während der Produktion.

Die Wissensdatenbank wird vor allem bei der Recherche ihr volles Potential entwickeln. Später soll künstliche Intelligenz sogar Trends und Muster erkennen können. Statt nach einer Zeichenkette zu suchen, finden Redakteure verknüpfte Beiträge, Bilder, Videos und andere Metainformationen. Die Suche nach Lokalpolitiker ‚Max Mustermann‘ etwa liefert verknüpfte Veranstaltungen und weitere Personen, die mit ihm in Beziehung stehen. Das soll den redaktionellen Alltag deutlich erleichtern.

Maßgeschneiderte Beiträge für Leser

Für die Leser bedeuten die Möglichkeiten des Wissensgraph, Nachrichten und Beiträge nach ganz individuellen Bedürfnissen serviert zu bekommen. „Wir können unseren Lesern dann nicht nur personalisierte Inhalte, sondern auch personalisierte Formate anbieten“, sagt Franz.

Über den Kontext, den der Wissensgraph herstellt, lassen sich später auch Lesersegmente identifizieren. Während ein Leser Informationen lieber über Bilder aufnimmt, liest der andere auf dem Weg zur Arbeit vielleicht lieber einen ausführlichen Hintergrundartikel. Oder ein aktuelle Zusammenstellung von Nachrichten wird automatisch auf das Gerät herunterladen, bevor der Leser morgens das Haus und in der U-Bahn die Internetverbindung verliert.

Das Projekt-Team um Markus Franz steht mit seiner Arbeit noch am Anfang. Die Konzeptphase ist bereits abgeschlossen, der nächste Schritt ist die Daten-Demokratisierung. Aktuell arbeiten die Mitarbeiter bei Ippen mit Hochdruck daran, die verschiedenen Quellen zu analysieren und zusammenzubringen. Bevor die ersten Tests laufen können, muss die technische Infrastruktur aufgebaut und sämtliche Daten migriert werden. Leser und Redakteure müssen sich also noch etwas gedulden, bevor sie von der „Quelle der Wahrheit“, wie Franz das Projekt auch nennt, profitieren können.