Media Date

Virtual Reality – ein Medium für den Kinosaal?

Um sich gegen Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime zu behaupten, setzen Kinobetreiber verstärkt auf Angebote wie Liveübertragungen, Konzerte oder ein besonderes Ambiente. So betonen sie ihr Alleinstellungsmerkmal: Die Gemeinschaftserfahrung, das Kino als Wohlfühlort. Auch immersive Storywelten entdecken das Kino immer mehr als Distributionsplattform. Ist Virtual Reality für Kinobetreiber ein Weg, das Publikum neu zu erreichen?

In der außergewöhnlichen Atmosphäre der Astor Film Lounge im ARRI Kino mit samtig roten Kinosesseln zwischen hohen Bücherregalen zeigten André Rittner und Cyril Tuschi, was neue Technologien für immersives Storytelling bereits leisten können und wie sich das auf das zukünftige Filmerleben auswirkt. Mit HOLOGATE und evrbit stellten Leif Peterson und Silke Kachtik zwei konkrete Modelle rund um das immersives Gemeinschaftserlebnis im Kino vor.

„Emotional zu berühren, ist das, was uns antreibt“

André Rittner, der sich mit der K5 Factory auf immersive Inhalte spezialisiert hat, sieht vor allem eine Herausforderung darin, dass mittlerweile zahlreiche unterschiedliche Kanäle bei schrumpfendem Marketing Budget bespielt werden müssen; Die Zukunft werde vielschichtiger, komplexer und digitaler, erklärte er. Zwar werde das klassiche Kino nicht verschwinden, durch neue technologische Möglichkeiten wachse aber das Bedürfnis der Menschen, Inhalte aktiv mitzugestalten. Etwas, das sich K5 – getreu dem Unternehmensmotto „Our aim is to entertain and to wow audiences“ – zur Aufgabe gemacht hat: „Emotional zu berühren ist das, was uns antreibt“, so Rittner.

Das Publikum zu wow-en ist auch das Ziel on Silke Kachtik und evrbit. Das immersive Kinomodell will Antwort auf die Frage geben, wie sich VR zum Gemeinschaftserlebnis machen und in Kinosälen umsetzen lässt. „Wir wollen eine Social Experience im Kino gestalten“, erklärt Kachtik das Konzept hinter evrbit. Mithilfe von VR-Brillen können Kinobesucher gemeinsam VR-Experiences erleben. Da sie sich nicht durch Kopfhörer abschotten, haben sie die Möglichkeit, sich weiterhin auszutauschen und die Reaktion der anderen wahrzunehmen. Die Verbindung von analog und virtuell gehe noch weiter, erklärte Kachtik. So seien die Veranstaltungen moderiert, das Publikum werde in das virtuelle Erleben eingeführt. „99 Prozent unserer Zuschauer sind VR-Virgins, da muss man erstmal Basisarbeit leisten.“ Dass VR im Kino das klassische Kinoerlebnis ersetzen wird, bezweifelte Kachtik. Momentan entwickle sich alles so schnell, da könne man keine Prognosen für die Zukunft stellen.

Ganzheitliche Multiplayer Experiences

Ebenfalls ein Gemeinschaftserlebnis in VR ermöglichen möchte Leif Petersen mit der Plattform HOLOGATE. Seine Devise ist jedoch: „Wir glauben ganz stark daran, dass VR interaktiv sein muss.“ Für HOLOGATE sind weniger Kinosäle, sondern das Kinofoyer, Shopping Malls oder Kreufahrtschiffe mögliche Settings. In Muliplayer Games können Spieler gemeinsam interagieren und so in virtuelle Welten tauchen, ohne sich abzuschotten. Das Konzept geht auf. Weltweit sind mittlerweile 300 HOLOGATES verkauft, insgesamt 5.000 000 Spieler sind im System.

Für Cyril Tuschi geht die immersive Zukunft in Richtung ganzheitliches Storytelling. Mit seinem Unternehmen VONDERLAND will er klassischen Film mit multisensorischen, multipersonalen VR-Erlebnissen und so die analoge mit der digitalen Welt verbinden. Über Eye-Tracking, Hand-Tracking, Wärme, Wind, Düfte und soar bewegliche Wände soll das optimale immersive Erlebnis ermöglicht werden –  umsetzbar auch in Kinosälen, jedoch nicht darauf beschränkt. Beim Media Date zeigte Tuschi zahlreiche Beispiele, was mithilfe neuer Technologien möglich sein wird: Sogar in Autofahrten können sich virtuelle Welten einbinden lassen – durch autoadaptiven Content. Heißt: Inhalte, die sich an die Fahrtstrecke und an die Gegebenheiten der Straße anpassen.

Wann all diese technischen Entwicklungen für den Massenmarkt zugänglich sind, bleibt abzuwarten. Als Ort für gemeinsame virtuelle Erlebnisse bietet das Kino bereits jetzt ein Umfeld für innovative Möglichkeiten.

Das Media Date in Bildern