Medienstandort Bayern

Serien made in Bavaria

Ein Komet rast auf Europa zu. Es bleiben noch acht Tage Zeit zu fliehen, sich in einem Bunker zu verkriechen oder mit dem Leben abzuschließen. Die neue Serie “8 Tage” spielt aus dramaturgischen Gründen größtenteils in Berlin – dort kann man die Rolle der Bundespolitik im größten Katastrophenfall leicht miterzählen. Sie ist aber im Kern eine bayerische Produktion: Ihr Sender Sky sitzt in Unterföhring, etwa eine halbe Stunde Autofahrt entfernt vom Büro der verantwortlichen Produktionsfirma Neuesuper im Münchner Stadtteil Sendling. Und Bayern hat in Sachen Serien noch mehr zu bieten, als das Untergangsszenario von “8 Tage”.

Wer die neuesten internationalen Großproduktionen möglichst bald nach der Uraufführung sehen will, kommt am Pay-TV nicht vorbei. Sky Atlantic bringt etwa HBO-Serien wie “Westworld” auf die deutschen Bildschirme, bei FOX Channel kann man die BBC-Produktion “Doctor Who” sehen und “Game of Thrones” brachte ursprünglich der Sender TNT Serie nach Deutschland. All diese Sender haben ihre Hauptquartiere in Bayern. Mittlerweile entstehen hochwertige Serien aber auch in Deutschland. Die bayerische Produktionslandschaft spielt dafür eine wichtige Rolle.

Endzeitszenario in der Serie „8 Tage“. ©Sky/Neuesuper/Stephan Rabold

Von Hochglanzserien bis Vorabendsoaps

Die letzten großen deutschen Premieren bei Sky waren die Serienversion von “Das Boot” und der Alpenkrimi “Der Pass”. “Das Boot” ist wie schon Wolfgang Petersens Filmklassiker von 1981 eine Produktion der altehrwürdigen Bavaria Film. Die klaustrophobische Originalkulisse kann man in der Bavaria Filmstadt in Grünwald besichtigen. Eine Serie mit so hohen Produktionsaufwand wie “Das Boot” ist aber nur eine Seite des vielseitigen Programms der Bavaria. Sie ist auch für beliebte Free-TV-Serien verantwortlich, etwa für die Telenovela “Sturm der Liebe” und “Die Rosenheim Cops”. Im Bereich der Daily Soaps mischen auch andere Produktionsfirmen aus der Region mit. Die neue deutsche Filmgesellschaft aus Unterföhring ist für die Nonnen-Serie “Um Himmels Willen” und für “Die Bergretter” verantwortlich. Die wohl bayerischste aller aktuellen Serien, “Dahoam is Dahoam”, läuft abends im Bayerischen Rundfunk und wird von Constantin Television aus München produziert.

Hindafing: Alfons Zischl (Maximilian Brückner, rechts) wird von Erol (Ercan Karacayli) abgeführt. © BR-Neuesuper-Produktions-GmbH-Günther-Reisp

Mit einer Art Heimatserie konnte auch der Neuesuper bereits begeistern. Die Satire um bayerische Lokalpolitik “Hindafing” soll im Herbst in eine zweite Staffel gehen. Sie spielt zwischen Ingolstadt und tschechischer Grenze und wurde unter anderem in Olching gedreht. Gemein ist diesen Serien, dass sie sich die Landschaft der Region zunutze machen. Ein großer Pluspunkt für die bayerische Serienproduktion: Von den Münchner Studios sind vielseitige wie malerische Kulissen schnell zu erreichen.

Netflix und Amazon setzen auf Serien aus Bayern

Wenn die großen Pay-TV-Sender und Streamingdienste nach Inhalten suchen, ist aber nicht das Bergidyll entscheidend, sondern die Expertise, aufwändige Produktionen stemmen zu können und mit packenden, mitunter radikalen Geschichten ein Publikum zu binden. Auffällig ist, dass Münchner Produktionsfirmen für die internationalen Video-on-Demand-Anbieter den Einstieg in deutsche Serien geschaffen haben. Die erste deutsche Amazon-Serie “You are wanted”, in der Matthias Schweighöfer Hacker jagt, ist eine Coproduktion von Pantaleon Films. Die erste deutschsprachige Netflix-Serie “Dark”, ein Mystery-Thriller mit Zeitreise-Plot, stammt von Wiedemann & Berg. Mit “Tribes of Europa” arbeitet die Firma derzeit an einer neuen Serie für den Streamingriesen.

“4 Blocks” (TNT) und “Der Pass” (Sky) entstanden ebenfalls bei der Produktionsfirma von Quirin Berg und Max Wiedemann. Wie die drei Gründer der Neuesuper, Simon Amberger, Korbinian Dufter und Rafael Parente, sind sie Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film München. Dort gibt es seit 2017 mit dem Autoren und Produzenten Tac Romey eigenen Professor für serielles Erzählen. Für Nachwuchs unter den bayerischen Serienmachern ist also gesorgt.