VR Games

DEFICIT: Skateboard zum Glück

Ein junger Autor und Filmemacher sammelt erste Erfolge, schmeisst dann alles hin und gründet ein Spielestudio mit Fokus ausgerechnet auf Virtual Reality-Produktionen. Warum tut einer sowas, und welche Rolle spielt ein Skateboard dabei?

Andreas Deininger hat in seinem Leben schon einiges ausprobiert. Er hat das Kunstfach im Leistungskurs belegt und als Mediengestalter User Interfaces entworfen. Er studierte Multimedia und Kommunikation und wirkt als Autor an der Heimatserie „Dahoam is Dahoam“ mit. Als Regisseur hat er mit dem Kurzfilm „Redemption“ und seinem Sieg bei Sonys Nachwuchssuche „Django Unchained – Wettbewerb für junge Filmemacher“ international erfolgreiche Duftmarken gesetzt. Es sah alles nach Karriere im TV- und Filmbusiness aus.

Aber das ist Geschichte. Denn am 1. Mai 2017 begab sich Andreas Deininger zurück auf Start. Dieses Datum markiert das Gründungsdatum seines Spielestudio DEFICIT Games. Vom Büro in Wiesentheid bei Würzburg aus gestaltet Andreas Deininger gemeinsam mit Max Wondrak als 3D-Designer und Marcel Wilke als Unreal-Tech-Artist nun Unterhaltung im Virtual Reality-Raum.

Bruch mit dem alten Leben

Andreas Deininger hat sich 2017 auf die Produktion von Virtual Reality-Games verlegt. Foto: DEFICIT Games

Warum bricht ein Künstler und Medienschaffender mit dem etablierten Filmgenre und versucht sein Glück ausgerechnet mit einem VR-Spielestudio – eine der am wenigsten erprobten und etablierten Unterhaltungsformen der aktuellen Medienwelt? „Ich bin fasziniert von Virtual Reality und dem Eintauchen in fremde Welten. Außerdem begeistern mich Games und Technik schon seit meiner Kindheit“, erklärt Andreas, heute 36 Jahre jung und stolzer Eigentümer von Game Boy, NES und anderen Retrokonsolen. „Bis vor fünf Jahren wollte ich als Autor und Regisseur in der Filmwelt Fuß fassen. Aber dann brach mir ein vielversprechendes Regieprojekt weg, in das schon viel Arbeit geflossen war. Nach diesem Vorfall wollte ich mich neu orientieren. Mir hat aber vorher schon anderes in der Filmbranche weniger gut gefallen.“

Die Entwicklung von Games scheint besser zugeschnitten auf Andreas´ Lebensmodell als kreativer Freischaffender. Er möchte eigene Projekte umsetzen, sie beim Wachsen und Gedeihen begleiten. „Bei Filmen dauert es sehr lange, bis ich Ergebnisse sehe. Außerdem braucht man für Film sehr viele Leute und Geld. Als Indieregisseur komme ich unterm Strich kaum über die Runden, weil der Markt für Kurzfilme und Indieproduktionen viel Geduld und Vernetzungsarbeit voraussetzt. Bei Games ist das anders. Das Development bringt mir immer wieder kleine Erfolgserlebnisse ein, zum Beispiel wenn eine Mechanik oder ein Effekt funktioniert. Ich kann vollkommen autonom produzieren, und für das Ergebnis meiner Arbeit gibt es tatsächlich einen Markt!“

Herausforderung VR-Markt

Ein schwieriger Markt allerdings. PC-basierte Virtual Reality-Headsets sind teuer in der Anschaffung und umständlich in der Handhabung, entsprechend überschaubar ist die Zielgruppe. DEFICIT spezialisierte sich anfangs daher auf mobile Virtual Reality-Spiele für Smartphones, Oculus Go und Google Daydream. Das Gefühl des Mittendrinseins ist nicht so ausgeprägt wie bei teuren Headsets mit ihrer aufwendigen Sensorik zur Positionserkennung, außerdem kämpfen VR-Spiele für iOS und Android mit denselben Probleme wie alle anderen Smartphone-Games auch. Die da sind: niedrige Preise, überfluteter Markt und fehlende Sichtbarkeit auf dem Online-Handelsplatz.

RotatorX Oculus Go VR Arcade Game

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Doch dadurch ergeben sich Möglichkeiten. „Für große Studios ist der Markt noch zu klein. Das ist meine Chance als Indie. Ja, VR-Games sind eine Nische. Aber eine gute“, findet Andreas Deininger. Zwei Projekte mit Minigame-Charakter haben für DEFICIT Games die Türen zur Nische geöffnet. Das eine ist ein sportlicher Zeitvertreib namens „virtual MINIGOLF reality“, das andere der futuristische Reaktionstest „RotatorX“. Beide Spiele sind von überschaubarem Inhalt, unterhaltsam und Beleg dafür, dass das Studio Entertainment kann und Projekte von A bis Z durchzieht.

Jetzt wird es Zeit für höher, schneller, weiter. Ein Skateboard-Actiongame, bei dem der Spieler die Faszination des Sports aus der Ich-Perspektive erlebt – das ist die Idee hinter „Street Skater VR“, der ersten großen Produktion von DEFICIT Games. Damit soll der Sprung auf stationäre VR-Systeme gelingen. „Es gibt dort bis dato nichts vergleichbares, deshalb sehe ich da viel Potenzial“, erzählt Andreas.

Faszination Mittendrin-Sein

Die Skateboarding-Simulation „Street Skater VR“ wird das erste große Projekt des DEFICIT-Teams aus dem fränkischen Wiesentheid Foto: DEFICIT Games

Skateboard-Simulationen hatten ihre Blüte in den frühen 2000er-Jahren. Das Thema ist alt, die Umsetzung in den virtuellen Raum aber frisch und unerprobt. „Das tolle an VR-Spielen: Man kann festgefahrene Konzepte übernehmen und von Grund auf überdenken“, weiß Andreas. Das Skateboarding-Thema ergibt sich aus seiner Vergangenheit. „Ich bin früher selbst geskatet und bis heute mit aktiven Skateboardern befreundet. Dieser ganze Kosmos mit seiner Musik und allem, der ist mir sehr vertraut.“ Der entscheidende Impuls ergab sich aus einer nächtlichen Prototyping-Session. „Ich habe eine Skateboard-Steuerung  für mein VR-Headset gebastelt. Hat überraschend gut funktioniert. Diese erste Demo löste Begeisterung bei den Testern aus.“

Damit war die Entscheidung gefallen: Das neue Projekt von DEFICIT Games sollte eine Skateboarding-Simulation sein. Nächste Herausforderung für ein kleines Studio wie DEFICIT, das ohne große Investoren auskommen muss: Wie die kommenden Wochen und Monate finanzieren, die zum Bau einer Proof-of-Gameplay-Spielversion notwendig sind?

Größer denken

Andreas setzte alles auf die Karte Bayern. Gedacht, getan, Erfolg gehabt. Andreas reichte ein gut 15 Seiten umfassendes Dokument ein und erhielt dafür am 14. November 2018 die Zusage, dass der FFF Bayern 20.000 Euro für eine sogenannte Konzeptentwicklung zur Verfügung stellt. Diese Mittel erlauben DEFICIT Games die Vertiefung der Spielidee und den Bau einer ersten experimentellen Spielversion. Wenn bereits dieser minimale Inhalt Lust auf mehr weckt, dann ist das Ziel erreicht. Dann kann Andreas gemeinsam mit seinem Team die Weiterentwicklung von „Street Skater VR“ in Angriff nehmen und in Zukunft die Spielewelt erobern.