E-Sport

Zocken vor laufender Kamera

E-Sport stößt auch in Deutschland auf immer mehr Interesse. Eigene Verbände und Ligen haben sich rund um die Community der Gamer schon länger gegründet. Jetzt ist mit eSPORTS1 der erste 24/7-E-Sport-Sender im Münchner Norden auf Sendung gegangen. 

E-Sport füllt mittlerweile riesige Hallen. © ESL_Adela-Sznajder

Was im Fußball die Weltmeisterschaft ist, ist im E-Sport das Major. Die Besten der Welt treten gegeneinander an, um bei FIFA, Dota 2 oder Counter Strike den Sieger unter sich auszumachen. In sogenannten Clans oder einzeln trainieren sie auf den Wettkampf hin, der Ruhm, Ehre und mittlerweile auch stattliche Preisgelder versprechen. Beim letzten Dota 2-Turnier in Vancouver, dem International 2018, wurden mehr als 25 Millionen US-Dollar Preisgeld vergeben.

Die 360°-Sportplattform SPORT1 verspricht sich vom immer größer werdenden Boom Einschaltquoten und Werbeeinnahmen für den TV-Markt und möchte deshalb noch mehr Aufmerksamkeit für das Computerspielen als Sport generieren. Seit Ende Januar sendet deshalb eSPORTS1 rund um die Uhr. Die Gründung des neuen Pay TV-Senders ist für Daniel von Busse, COO TV bei SPORT1, eine logische Konsequenz. „Wir setzen uns mit dem Thema E-Sport schon seit mindestens 2013 auseinander und haben die Entwicklung natürlich intensiv verfolgt. Man konnte dazu die unterschiedlichsten Markteinschätzungen lesen. Wir haben gemerkt, dass es bei uns auf der Plattform sehr gut funktioniert.“

Ein stark wachsender Markt

Push the Button – Olaf Schröder von Sport1 und BLM-Präsident Siegfried Schneider beim Launch des Senders esports1.

Das Zocken als Wettbewerb ist mittlerweile auch in Deutschland professionell organisiert. Zusammen mit der Electronic Sports League (ESL) und verschiedenen Plattformbetreibern, die das Programm von eSPORTS1 dem Zuschauer zu Paketpreisen anbieten, hat SPORT1 einen weiteren Schritt in der Verbreitung von E-Sport eingeleitet. Inzwischen ist eine Struktur geschaffen, die ein Zusammenspiel zwischen Lizenzgebern, Werbepartnern und Sendern ermöglicht. Daniel von Busse sieht im E-Sport „einen unglaublich dynamisch wachsenden Markt, der zum Teil noch ein kleines bisschen sympathisch chaotisch ist.“

eSPORTS1 arbeitet in der neu gegründeten Redaktion auch mit Experten und Influencern aus der Community zusammen, um eine umfassende Berichterstattung bieten zu können. Mindestens 1.200 Live-Stunden will eSPORTS1 im Jahr 2019 senden – mit deutschen Kommentatoren, Studiogesprächen und Analysen.

„E-Sport ist eine wichtige Säule in der Freizeitgestaltung“

Aus diesem Studio sendet esports1 seine Inhalte. © Sport1

„Eine Systematisierung und Einordnung, ein nächstes Level in einem sehr organisch gewachsenen Markt, kann auch dem E-Sport selbst helfen“. Daniel von Busse sieht noch viel Potenzial, sowohl für die inhaltliche Aufbereitung als auch für das Geschäftsfeld zwischen Rechteinhabern, Sendern und Partnern. Große Turniere, die eSPORTS1 live überträgt, organisiert unter anderem die ESL, ähnlich der DFL in der Fußball-Bundesliga. Ein bisher überwiegend junges und digital affines Publikum macht den Markt auch für Sponsoring und Werbung attraktiv. Bisher war die Community auf Online-Plattformen wie Twitch, Smashcast oder YouTube-Gaming unterwegs. Zuschauer können sich dort direkt und live während einer Partie mit den Spielern oder Kommentatoren austauschen.

Auf dieses Interesse setzt auch eSPORTS1 – allerdings mit eigenen Inhalten, die redaktionell aufbereitet und präsentiert werden. Daniel von Busse glaubt, „dass auch die Freizeitgestaltung in Zukunft immer mehr auf viele verschiedene Themen gestützt sein wird. Die gesamte Unterhaltungsindustrie und damit auch die Sportindustrie sieht sich einem größeren Wettbewerb gegenüber. Und da ist E-Sport bestimmt eine der wichtigen Säulen.“

Der klassische Sport bekommt Konkurrenz

Live zocken: Die ESL (Electronic Sports League) veranstaltet große Turniere rund um E-Sports. © ESL_Adela-Sznajder

Auch außerhalb der Medien hat E-Sport schon Einzug in neue Bereiche gefunden. Viele Fußball-Bundesligavereine haben ihr eigenes E-Sport-Team, darunter auch der FC Nürnberg. Beim FC Bayern Basketball geht seit 2019 ebenfalls ein E-Sport-Team virtuell auf Korbjagd. An der Universität Bayreuth hat ein Team aus Studenten eigens ein Projekt ins Leben gerufen, in dem einzelne Computerspiele trainiert werden können. Die Studenten spielen E-Sport-Turniere und wollen langfristig auch eine eigene Liga gründen. Andere Vereine wie Euronics Gaming bei Würzburg oder der Gamer Verein Regensburg e.V. sind schon im Dachverband, dem E-Sport-Bund-Deutschland e.V. (ESBD), organisiert. Viele der Spieler und Verbände wollen E-Sport als klassische Sportart akzeptiert wissen. Der deutsche olympische Sportbund (DOSB) hat deshalb eine „AG eSport“ mit 25 Personen bestehend aus Mitgliedern, Wissenschaftlern und Vertretern der E-Sport-Branche einberufen. Sie sollen den künftigen Umgang mit E-Sport erarbeiten.

Für Daniel von Busse ist die Diskussion darum, ob E-Sport echter Sport ist „eher sekundär“. Trotzdem steht für ihn fest: „Der etablierte Sport muss sich gewahr sein, dass es in Zukunft eine größere Konkurrenz gibt. Letztendlich ist der Unterschied bei großen Turnieren, ob eine Handball-WM oder ein Dota 2-Turnier, gar nicht so groß. Viele Mechanismen sind sehr ähnlich.“


Wer Daniel von Busse live erleben will, kann dies am 26. März bei media.innovations in München. Der Innovationstag der BLM zeigt aktuelle und künftige Trends, Produkte und Anwendungen, und thematisiert, wie Innovationen und neue technische Möglichkeiten die Medienbranche und den Journalismus verändern. Daniel von Busse spricht zum Thema: „Love it or hate it: Massenphänomen eSports – gekommen, um zu bleiben?“

Informationen und Anmeldung