CSU-Filmgespräch

Ausgebildet, dynamisch, jung, sucht …

Entspricht die Ausbildung junger Filmschaffender noch den Anforderungen des Filmmarktes? Einen Tag nach der Verleihung des Bayerischen Filmpreises diskutierten beim CSU-Filmgespräch Vertreter aus der Filmbranche, Politik und dem Bildungsbereich über die Perspektiven des bayerischen Filmnachwuchses.

Bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises stand ein ehemaliger Student der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) im Mittelpunkt. Hollywood-Regisseur Roland Emmerich erhielt den Ehrenpreis für sein filmisches Werk – und kam bei seiner Danksagung ganz ohne die gewohnten Special Effects aus.

Die Liste der erfolgreichen HFF-Alumni ist lang: Neben Emmerich tauchen dort der Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck, Wim Wenders oder die gerade beim Filmpreis ausgezeichnete Caroline Link auf.

Judith Gerlach, bayerische Staatsministerin für Digitales, hält die Keynote beim CSU-Filmgespräch. Foto: Denis Heuring

Dass die bayerische Film-Erfolgsgeschichte jedoch nicht zum Anlass genommen wird, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, zeigte sich schon wenige Stunden nach der Preisverleihung. Die CSU-Kommission, der FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern) und die HFF luden am 26. Januar zum CSU-Filmgespräch ein. Der programmatische Veranstaltungstitel: „Ausgebildet, dynamisch, jung, sucht …“.

Die Ausbildung im Realitäts-Check

Inwieweit entsprechen die Curricula der Hochschulen für Film und Fernsehen noch den Trends und Anforderungen des Filmmarktes? Diese Frage, so der Vorsitzende der CSU-Kommission Dr. Otmar Bernhard in seiner Einführung, stehe im Fokus. Und daran anschließend: „Was können die bayerischen Ausbildungsstätten für die Branche und die Studierenden leisten?“

Die Geschäftsführerin des FFF Bayern, Dorothee Erpenstein, betonte die gesellschaftliche Tragweite des Themas: „Filme haben eine kulturelle Verantwortung. Sie reflektieren unser Leben und prägen unsere Kultur. Daher ist eine starke Filmwirtschaft für die Zukunft des Landes sehr bedeutsam.“

In Vorträgen und Podiumsdiskussionen unterzogen Filmschaffende, Hochschulvertreter und Filmförderer die Nachwuchsausbildung einem Realitäts-Check. Die Keynote hielt die Staatsministerin für Digitales, Judith Gerlach. An den Panels nahmen unter anderem Bettina Reitz, die Präsidentin der HFF, der Vorstandsvorsitzende der Constantin Film AG Martin Moszkowicz und Thomas Repp, Akademiedirektor der BAF teil. Außerdem der Filmemacher Rafael Parente und Thomas Gronert, Dekan der Mediadesign Hochschule.

Der Bedarf an Fachkräften wächst

Die Bestandsaufnahme: Streaming-Dienste wie Netflix verändern das Konsumverhalten, eröffnen neue Verwertungswege und binden Fachkräfte langfristig an Serienproduktionen. Technische Entwicklungen wie VFX – visuelle Effekte, die in der Postproduktion realisiert werden – oder CGI (Computer generated imagery) erweitern die Darstellungsoptionen. Und Virtual sowie Augmented Reality beeinflussen zunehmend die Sehgewohnheiten der Filmfans.

Die To-Do-Liste: Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass die rasanten Umbrüche ein Umdenken erfordern. Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wächst, insbesondere in der Produktion und Postproduktion. Neben der akademischen Berufsvorbereitung braucht es deshalb mehr Ausbildungsberufe. Die Ausbildungsstätten benötigen mehr Budget, um den neuen technischen Standards gerecht zu werden. Und: Da die digitale Entwicklung schneller voranschreitet als die Modernisierung der Lehrpläne, sind agilere Ausbildungsstrukturen notwendig. Theorie und Praxis sowie Industrie und Kultur müssen noch enger verzahnt werden.

Gute Filme brauchen gutes Personal

Um die Kluft zwischen Ausbildung und Marktrealität zu verkleinern und den Personalbedarf besser zu decken, möchte die Constantin Film AG demnächst gemeinsam mit Hochschulpartnern einen dualen Studiengang einführen. „Mit dieser Initiative wollen wir besonders die Berufe im Produktionsbereich oder in der VFX-Branche fördern“, erklärte Martin Moszkowicz. „Hier fehlen uns Unmengen an Menschen.“

Filmemacher Rafael Parente sowie Produzent Simon Happ machten sich zudem für eine Standardisierung von Ausbildungsberufen im Film stark. „Ich würde mir wünschen“, so Parente, „dass wir durch Weiterbildungen und berufsbegleitende Ausbildungen mehr Standards in die Filmwirtschaft bringen. Im Vergleich zum internationalen Filmmarkt agieren wir hierzulande noch relativ unprofessionell.“

Bettina Reitz merkte an, dass die HFF der Verzahnung von Theorie und Praxis bereits in der Ausbildung gerecht zu werden versucht: „Unser Leitsatz lautet: Lernen durch tun. Die Studierenden haben bei uns die Freiheit, das zu erzählen, was sie erzählen möchten – und das in allen Abteilungen und Formaten.“ Der praxisbezogene Ansatz beinhalte außerdem, dass Studierende bereits während des Studiums Erfahrungen auf dem Filmmarkt sammeln.

Zudem seien die Einführung eines Studiengangs mit dem Schwerpunkt digitale Bildgestaltung sowie die Einrichtung eines Center for Digital Arts in Kooperation mit der Musikhochschule München geplant.

„Der Film ist digital“

Die Vorzeichen für eine zukunftsgerichtete und innovative Lehre stehen gut: Judith Gerlach, Staatsministerin für Digitales, betonte beim CSU-Filmgespräch, dass die neuen Förderrichtlinien des FFF künftig noch mehr finanzielle Mittel für die Film- und Kinoförderung vorsehen.

Neben der Erweiterung der Liste förderfähiger Projekte, der Erhöhung der Zuschüsse für ausführende Produzenten und der Budgetverdoppelung für die Modernisierung und Neuerrichtung von Kinos soll auch auf die digitale Karte gesetzt werden: „Wir werden auch innovative Projekte wie Virtual Reality, 360-Grad-Filme und Webserien fördern“, verspricht Gerlach. „Der Film ist mittlerweile digital. Wir stärken die HFF München als Ideenschmiede der digitalen Zukunft.“