Deutscher Computerspielpreis: Sieger sind auch nur Menschen

Menschen werden jubeln, Tränen der Freude vergießen und einander in die Arme fallen: Viele schöne Szenen dürften in München zu beobachten sein, wenn am 15. Mai 2014 zum sechsten Mal die Verleihung zum Deutschen Computerspielpreis stattfindet.

Der Postpalast unweit des Stadtzentrums bildet den feierlichen Rahmen zur Hervorhebung spannender, unterhaltsamer und pädagogisch wertvoller Video- und Computerspiele. Der Deutsche Computerspielpreis – oder kurz DCp – dient aber außerdem und vielleicht sogar vorrangig der Anerkennung jener Menschen, die diese Unterhaltungs-Software erdenken und sie zu Leben erwecken. Hinter den 40 preisgekrönten Games-Produktionen der Jahre 2009 bis 2013 stecken am Ende mehrere tausend Kreative, von denen jeder über etliche Monate enorm viel Kraft, Können und Herzblut in das Vorhaben investierte. Was treibt sie heute um, die Preisträger von gestern?

Jung und siegreich

Frühwerk des 17-jährigen Schülers Frederic Schimmelpfennig: Das Design seines Jump´n´Run „Goosegogs“ belohnte die DCp-Jury 2010 mit der Auszeichnung „Bestes Konzept aus Schülerwettbewerb“.

Frühwerk des 17-jährigen Schülers Frederic Schimmelpfennig: Das Design seines Jump´n´Run „Goosegogs“ belohnte die DCP-Jury.

Mit dem Deutschen Computerspielpreis sind erstaunliche Lebenswege und Karrieren verknüpft. Ein schönes Beispiel dafür liefert ein Blick zurück in das Jahr 2010. Unter den neun Preisträgern von damals fällt ein einzelner Name auf: Frederic Schimmelpfennig. Gerade mal 17 Jahre jung, konnte der Alleinentwickler aus dem hessischen Bad Schwalbach die Jury des Deutschen Computerspielpreis für seine erste eingereichte Arbeit begeistern. In der Entscheidung wurde Frederics Jump´n´Run mit dem schrägen Namen „Goosegogs“ klare Bildsprache und originelle Ideen attestiert – die Auszeichnung „Bestes Konzept aus Schülerwettbewerb“ war die Konsequenz daraus.

Zwei Jahre später bestätigte Frederic Schimmelpfennig ein gehobenes Talent in Sachen Gamedesign und Programmierkunst: Sein Geschicklichkeitstest „panIt!“ gewann den Auszeichnung als „Bestes Nachwuchs-Konzept aus Schüler- und Studenten-Wettwerb“.

Zwei Jahre später bestätigte Frederic Schimmelpfennig. Sein Geschicklichkeitstest „panIt!“ gewann den Auszeichnung als „Bestes Nachwuchs-Konzept aus Schüler- und Studenten-Wettwerb“.

Es sollte nicht bei dieser einen Auszeichnung bleiben. Zwei Jahre später reichte das inzwischen zum Abiturienten herangereifte Programmier- und Design-Talent seinen schrägen Geschicklichkeitstest „panIt!“ ein und räumt erneut ab, diesmal den Preis „Bestes Nachwuchs-Konzept aus Schüler- und Studenten-Wettwerb“.

Frederics Stationen seitdem: Daedalic und Zynga. Dem mehrfachen Preisträger ebneten sich über Kontakte und Prämien der Weg in die Industrie und ein Wunschstudium als Informatiker.

 

 

Games-Förderung macht Sinn

Wie viel Sinn die Förderung von Games-Apps macht, belegt „Word Wonders“ von GamesInFlames. Der FilmFernsehFonds Bayern unterstützte die Produktion mit Geldern, danach wurde das Puzzlegame beim DCp 2013 als „Bestes mobiles Spiel“ ausgezeichnet.

Wie viel Sinn die Förderung von Games-Apps macht, belegt „Word Wonders“ von GamesInFlames. Der FilmFernsehFonds Bayern unterstützte die Produktion mit Geldern, danach wurde das Puzzlegame beim DCp 2013 als „Bestes mobiles Spiel“ ausgezeichnet.

Soll halt bloß niemand denken, die Weichen zum Erfolg stellten sich wie von selbst: Frederic musste drei Jahre lang seine Programmier- und Design-Skills schärfen, bevor er „Goosegogs“ vorführbereit hatte. Ähnliches Durchhalte-Vermögen darf man dem jungen Team des Münchner Game-Developers GamesInFlames unterstellen. Deren Buchstaben-Puzzle „Word Wonders – The Tower of Babel“ hatte zwei Jahre an Schöpfungsprozess hinter sich, bevor es beim Deutschen Computerspielpreis 2013 die Auszeichnung als „Bestes mobiles Spiel“ erhielt.

Die Anerkennung für die Arbeit der 15 Geburtshelfer mag man gleichzeitig als Bestätigung für die öffentliche Förderung von Computer- und Videospielen unter weißblauem Himmel betrachten. Denn der FilmFernsehFonds Bayern hatte das Potenzial von „Word Wonders“ früh erkannt und unterstützte die Produktion ab November 2011 mit finanziellen Mitteln. Ob´s ohne die Förderung in Höhe von 140.000 Euro zum Sieg beim Deutschen Computerspielpreis gereicht hätte? Wer weiß das schon.

 

Mit dem DCp zum Topseller

Die iPad-Umsetzung des 15 Millionen mal verkauften Brettspiels „Das verrückte Labyrinth“ brachte dem Münchener Team von Ravensburger Digital erst die Preisträgerschaft als „Bestes mobiles Spiel“ im Rahmen des DCp 2012 ein, danach Top-Platzierungen in den Charts.

Die iPad-Umsetzung des 15 Millionen mal verkauften Brettspiels „Das verrückte Labyrinth“ brachte dem Münchener Team von Ravensburger Digital erst die Preisträgerschaft als „Bestes mobiles Spiel“ im Rahmen des DCp 2012 ein, danach Top-Platzierungen in den Charts.

Nominierungen und Würdigungen im Rahmen des Deutschen Computerspielpreis streicheln die Seele ihrer Schöpfer, sind aber offenbar auch aus kaufmännischer Sicht von Vorteil – so als rolle man einen roten Teppich für Verkaufserfolge aus. Nehmen wir die iPad-Umsetzung des 15 Millionen-mal verkauften Brettspielknüllers „Das verrückte Labyrinth“. Ein Produktion des kleinen und jungen Teams von Ravensburger Digital. 2009 in München gegründet, konnte die Truppe bereits drei Jahre später anlässlich des DCP die Auszeichnung als „Bestes mobiles Spiel“ für „Das verrückte Labyrinth“ begießen – und anschließend Platz Eins in den Verkaufscharts von Deutschland und Österreich bejubeln.

Seitdem mischt die Umsetzung des „Verrückten Labyrinth“ für Android-Systeme in den Charts ganz vorne mit. Ravensburger Digital hat mit der Kartenspiel-Umsetzung „Anno Domini“ und dem Detektiv-Game „Scotland Yard“ weitere Eisen im Feuer und bricht mit sogenannten Hybrid-Games – eine Verknüpfung aus Games-App und Brettspiel – zu neuen Ufern auf.

Reif für die Insel

Wohin so etwas führen mag, das deutet der Browsergames-Hersteller Travian Games an. Das Team aus dem Münchener Stadtteil Schwabing machte 2010 von sich reden, als deren Strandhotel-Simulation „Wewaii“ anlässlich des Deutschen Computerspielpreis als „Bestes Browsergame“ gekennzeichnet wurde. Heute zählen die Bayern mit rund 150 Mitarbeitern deutschlandweit zu den größten Arbeitgebern der Branche und sind in rund 200 Ländern weltweit aktiv.  Mit der aktuellen Nominierung der Eisenbahner-Simulation „Rail Nation“ als „Bestes Browsergame“ scheinen – und man möge folgendes Wortspiel verzeihen – die Weichen ein weiteres Mal auf Erfolg gestellt. Daumen drücken!

Seit der Auszeichnung als „Bestes Browsergame“ im Rahmen des DCp 2010 hat sich beim Browsergame-Hersteller Travian viel getan. Das Schwabinger Haus gilt als Bayerns größten Arbeitgeber in der Games-Industrie.

Seit der Auszeichnung als „Bestes Browsergame“ im Rahmen des DCp 2010 hat sich beim Browsergame-Hersteller Travian viel getan. Das Schwabinger Haus gilt als Bayerns größten Arbeitgeber in der Games-Industrie.

Mit der Eisenbahn-Simulation „Rail Nation“ ist Travian Games in diesem Jahr erneut beim DCp mit dabei. Das Spiel ist als „Bestes Browsergame“ nominiert.

Mit der Eisenbahn-Simulation „Rail Nation“ ist Travian Games in diesem Jahr erneut beim DCp mit dabei. Das Spiel ist als „Bestes Browsergame“ nominiert.