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Fünf Fragen an Travian Games

Das gamescom-Jahr 2018 ist für Travian Games ein ganz besonderes. Erstmals ist das Unternehmen neben der Präsenz im Fachbesucher-Bereich mit einem großen Stand und vier Spielen in der B2C-Area der Messe vertreten. Im Interview mit dem MedienNetzwerk Bayern erklärt Lars Janssen, CEO von Travian und Vorstand des Verbandes game, was hinter der neuen Sichtbarkeit des Unternehmens steckt, warum es kein Erfolgsgeheimnis für Game Developer gibt und was sich Deutschland von Kanada abschauen sollte.

 

  1. Warum hat sich Travian Games für einen großen Auftritt auf der gamescom entschieden?

Lars Janssen. Foto: Katrin Baumer

Unsere gamescom-Mission 2018 ist es, wahrgenommen zu werden. Wir waren als Travian Games über viele Jahre ein eher ruhiger Marktteilnehmer, haben unseren Erfolg still vor uns hingenossen. Aber natürlich ist da eine starke Konkurrenzsituation, wenn man die Gamesbranche weltweit sieht. Wir haben uns gesagt: Wenn wir im Kampf um gute Spiele und talentierte Leute vorn dabei sein wollen, müssen wir uns nach draußen öffnen und Flagge zeigen: „Wir sind da, wir sind ein starker Player.“

Auf der Messe stellen vier Titel vor. Zunächst ist da Crowfall. Diesen Titel publishen wir und hatten ihn bereits im letzten Jahr mit dabei. Zu unseren drei eigenen Spielen gehört Hyperdrome, ein Mobile Game.  Bisher haben wir tolles Feedback bekommen und sogar eine Nominierung zum gamescom Award. Nicht zu vergessen sind außerdem die Titel Startrail Destiny und 4sight, die wir an unserem Stand zum ersten Mal der Weltöffentlichkeit vorstellen.

  1. Travian Games ist das größte Games-Unternehmen in Bayern. Was muss man tun, um so eine Relevanz zu erreichen?

Es ist in der Gamesbranche immer ein Auf und Ab und man braucht eine Portion Glück. Als Travian Games 2005 gegründet wurde, war das auf den Erfolg des Spiels Travian hin. So geht es relativ vielen Unternehmen, die eine gewisse Größe erreichen. Sie haben einen erfolgreichen Titel gebaut, dann kommt eins zum anderen. Erst danach beginnt die schwierige Phase: Nun gilt es, auch in dieser Größenordnung zu bleiben, sich auf den Umsatz verlassen können, indem man neue Erfolge schafft. Wir sind in einer Industrie, die sehr stark Hit-getrieben ist. Wenn wir zehn Spiele entwickeln, sind wir glücklich, wenn zwei davon funktionieren. Tendenziell ist es eher eines.

Die Erfolge müssen für den ganzen Rest sorgen und alles finanzieren. Das ist die Herausforderung und deshalb gibt es auch kein Geheimrezept für eine bestimmte Größe. Man muss dran bleiben, neue Ideen generieren und schauen, wie sich der Markt entwickelt.

Travian Games ist eines der wenigen Games-Unternehmen in Deutschland, die unabhängig geblieben sind. In Bayern sind wir das größte Unternehmen, ja, aber darum geht es eigentlich nicht. Im Endeffekt kommt es darauf an, was wir in Zukunft machen wollen, wie wir uns am Markt platzieren können und wie wir letztlich auch konkurrenzfähig sind.

  1. Wie schafft man es denn, unabhängig zu bleiben?

Bescheidenheit ist da ein wichtiger Punkt. Es gibt in der Branche immer wieder Firmen, die sehr schnell wachsen wollen – etwa, weil Investoren den Ausstieg schaffen und ihr Investment vervielfachen wollen. Wenn man so getrieben ist, ist nichts außer Wachstum hilfreich. Das kann aber ganz schnell wieder nach unten gehen, weil doch nicht so viel Produktqualität da ist, wie erhofft.

Wir bei Travian Games sagen nicht: „Wir wollen wachsen, wachsen, wachsen“, sondern achten darauf, was wir mit den Mitarbeitern, die wir momentan haben, stemmen können. Ohne die zwei Produkte Travian und Rail Nation, die uns das Ganze finanzieren, wäre das nicht möglich. Also, wie schon gesagt: Es ist nicht leicht, sich etwas aufzubauen und es ist noch schwerer, es zu halten.

  1. Wie steht Bayern als Gamesstandort im deutschen Vergleich da?

In Deutschland steht Bayern hervorragend aus. Ich habe da zwei Brillen auf. Aus meiner Sicht als Vorstand bei game sehe ich nicht so gerne, dass andere Bundesländer noch nicht so weit sind wie Bayern. Die Förderung mit zwei Millionen jährlich kann sich wirklich sehen lassen. Und ich freue mich, dass andere Länder jetzt nachziehen wollen und ein Wettbewerb entstanden ist.

Aus bayerischer Sicht ist es schön, dass man sagen kann: Wir in Bayern haben die Führung übernommen, haben verstanden, wie wichtig Games sind. Gerade in München als Hochburg der Spieleentwicklung gibt es einen hohen Anteil an Internationalität, wir können Leute von überall her holen. Allerdings haben wir einen hohen Wettbewerbsdruck durch Unternehmen, die nicht in der Spielebranche sind – etwa BMW, Amazon oder Microsoft. Die konkurrieren natürlich um Talente.

  1. Und international?

Da muss ich leider sagen: Deutschland hat es schwer, sich mit anderen Standorten auf der Welt zu messen. Kanada zum Beispiel ist da viel zitiert. Ich konnte mir selbst auf einer Delegationsreise ansehen, wie die Branche dort in den letzten zehn Jahren gewachsen ist, wie die Förderung läuft. In Deutschland mussten wir in derselben Zeit erst einmal eine schwierige Diskussion über den kulturellen Wert von Spielen führen. Deshalb haben wir uns nicht damit beschäftigt, wie man Games unterstützen und als Wirtschaftszweig aufbauen kann. An dem Punkt sind wir jetzt und müssen aufholen.

Deutschland ist aktuell eines der größten Länder, was den Umsatz mit Games angeht, aber was wir an eigenen Entwicklungen zu diesen Umsätzen beitragen, sind weniger als sechs Prozent. Das steht im Missverhältnis und wir kämpfen auf allen Ebenen dafür, dass das besser wird.