Medienkalender Bayern

„Voice kann schnell und einfach spezifische Informationen abfragen“

Als MedienNetzwerk Bayern wollen wir nicht nur über neue Technologien reden, sondern sie auch ausprobieren und mit ihnen experimentieren – zum Beispiel mit Voice Assistants. Für den Medienkalender Bayern gibt es deshalb nun einen Alexa Skill. Wie wir und unsere Agentur VUI.agency die Entwicklung erlebt haben, welche Herausforderungen warten und warum es sich lohnt, Voice auszuprobieren, erklärt Patrick Esslinger, Director der VUI.agency, im Interview:

Patrick, wie aufwendig war es, den Medienkalender Bayern Skill zu bauen?

Patrick Esslinger. Foto: privat

Patrick Esslinger: Beim Medienkalender Bayern Skill geht es um einen klar umrissenen Use Case: Zugriff auf eine große Anzahl an Event-Informationen, die durch ein bestehendes Content Management System gepflegt und vom Skill über eine Schnittstelle abgerufen werden. Dieser Anwendungsfall bringt  spezifische Herausforderungen mit sich, die bei vielen bestehenden Alexa-Skills keine Rolle spielen.

Wo liegen und lagen die Herausforderungen bei einem Kalenderskill wie diesem?

Esslinger: Bei der Entwicklung eines Alexa Skills gibt es generell immer zwei Hauptbereiche zu unterscheiden: Das Voice Design und die technische Entwicklung.

Das Voice Design beschäftigt sich mit allen Themen rund um Konzeptionierung und linguistische Ausgestaltung. Im Fall des Medienkalenders mussten wir eine große Anzahl an verschiedenen Informationen (einzelne Events) mit vielen Subinformationen (Event-Details) strukturieren.

Voice ist dazu geeignet, schnell und einfach spezifische Informationen abzufragen, zum Beispiel: “Welche Events gibt es heute in München?” Wenn es aber darum geht, sehr viele Informationen gleichzeitig auszugeben, gerät Voice an seine Grenzen, zum Beispiel bei:  “Welche Events gibt es?” Hier muss ein guter Kompromiss gefunden werden, sodass Nutzer einerseits nicht durch zu viele gleichzeitige Informationen überfordert werden, andererseits aber auch nicht genervt sind, weil die Ausgabe der Informationen zu lange dauert. Um dies zu erreichen, haben wir eine Navigationsstruktur geschaffen und Suchfilter zur Verfügung gestellt. Eine stärker eingeschränkte Suche liefert weniger Ergebnisse.

Außerdem steht leider Voice-Enabling, also eine Aktivierung des Skill ohne App, zum aktuellen Zeitpunkt nicht allen Skills zur Verfügung. So ging es uns leider auch beim Medienkalender Skill, daher muss man diesen noch kurz in der Alexa App aktivieren.

„Amazon und Google arbeiten mit Hochdruck an der Weiterentwicklung ihrer Systeme“

Wo hakt es denn bei Alexa eurer Meinung noch am meisten?

Esslinger: Auf Voice Design Seite sind wir noch nicht ganz zufrieden mit der Aussprachequalität von Alexa. Zwar lässt sich über SSML (Speech Synthesis Markup Language) einiges modulieren, dies kann aber teilweise zu großen Aufwänden führen. Schwierig wird es vor allem bei Inhalten, die dynamisch über eine Schnittstelle bereitgestellt werden, wie es beim Medienkalender der Fall ist. Vor allem die Aussprache von Fremdwörtern und englischen Begriffen ist dabei oft nicht optimal. Deshalb wird momentan bei manchen Projekten auch der Griff zum Original Content bevorzugt, also der Verwendung einer realen Tonaufnahme eines Sprechers oder einer Sprecherin.

Reden wir in zwei Jahren noch über die gleichen Probleme?

Esslinger:Das glaube ich nicht, sowohl Amazon als auch Google arbeiten mit Hochdruck an der Weiterentwicklung ihrer Systeme. Wenn man die bisherigen Entwicklungen mitverfolgt, sieht man stetige Verbesserungen in Aussprache und Tonalität, sodass dieses Problem in Zukunft keine Relevanz mehr haben wird. Zudem wird es in Zukunft möglich sein, zwischen verschiedenen Stimmen zu wählen.

Viele Firmen zögern noch bei der Entwicklung von Skills, eben auch wegen möglicher Fehlerquellen. Sollte man eurer Meinung abwarten oder gleich mit dabei sein?

Esslinger: Unserer Meinung nach ist es zum aktuellen Zeitpunkt möglich, mit überschaubarem Aufwand in das Gebiet Voice einzusteigen, von Beginn an zu lernen und eigene Expertise aufzubauen: Wie verhalten sich meine Nutzer in diesem neuen Kanal? Welche Themen funktionieren gut, welche vielleicht nicht so gut? Wie aktiviere ich neue Nutzer?

Marken haben aktuell noch die Chance, sich prominent zu platzieren. Vor allem im Hinblick auf das Thema Voice Search ist es wichtig, früh ein Ranking aufzubauen und die richtigen Fragestellungen zu besetzen. Fehlerpotenziale lassen sich natürlich niemals ganz ausschließen, vieles lässt sich jedoch durch die richtige Führung des Nutzers vermeiden.

Die Entwicklung einer Sprachapplikation sollte außerdem mit dem Launch nicht abgeschlossen sein und durch kontinuierliches Monitoring des Nutzerverhaltens stetig weiter optimiert werden.

Ein Kommunikationskanal zwischen Marken und Nutzern

Bezogen auf den Medienbereich: Welche Teilbranchen können eurer Meinung besonders von Voice profitieren?

Esslinger: Alle Bereiche, die bereits mit Audio-Inhalten arbeiten, können relativ einfach und schnell vom Voice Trend profitieren. Hier liegen die Inhalte meist schon in einer Form vor, die für die Ausgabe über Audio optimiert wurde. Sprachassistenten bieten einen neuen Kanal, der einen sehr einfachen Zugriff auf diese Inhalte erlaubt.

Darüber hinaus ist der Voice Space generell für Medienunternehmen und Publisher sehr interessant, weil Voice ein wichtiger neuer Kommunikationskanal zwischen Marken und Nutzern ist. Gerade im Heim-Bereich und im Automobilbereich gewinnt dieser Kanal immer größere Bedeutung.

Skills sind ein Invest: In die Zukunft, aber auch monetär. Wann kann man damit auch Geld verdienen?

Esslinger:Das ist eine Frage, mit der wir natürlich sehr oft konfrontiert sind. Der sehr klassische Monetarisierungsweg über Webung ist in Skills – mit Ausnahme von Podcasts – aktuell noch nicht möglich. Es wird jedoch vermutet, dass die großen Anbieter wie Amazon und Google dies in naher Zukunft ermöglichen werden. Aktuell können Marken auf Ihre bestehenden, bezahlten Premiumdienste zurückgreifen. Über Account Linking kann der Skill dann mit einem Premiumaccount verknüpft und der Zugriff entsprechend beschränkt werden.

Weiterhin experimentiert Amazon in den USA bereits mit dem in-skill purchase. Hiermit können im Skill sowohl Einmal-Käufe als auch abobasierte Käufe getätigt werden. Beispiele sind Zusatzdienste im Skill oder Premium-Inhalte. Die ersten Daten zeigen sehr vielversprechende Kaufraten, die teilweise deutlich über in-App Purchases liegen.


Medienkalender Bayern jetzt auch auf Alexa