Antenne Bayern

Wolfgang Leikermoser: Mit Isomatte zum ersten Radiojob

Den Kochlöffel seiner Mutter hat Wolfgang Leikermoser schon als Kind beim Spielen wie ein Mikrofon in Händen gehalten. Heute ist der gebürtige Österreicher jeden Tag vier Stunden in der Morningshow von Antenne Bayern zu hören und zählt deutschlandweit wohl zu den bekanntesten Radiomoderatoren. Programmiert war dieser Werdegang jedoch nicht.

Wolfgang Leikermoser

Wolfgang Leikermoser
Foto: Antenne Bayern

Kurz vor der Matura, dem österreichischen Abitur, brach Leikermoser die Schule ab und probierte sich erst einmal aus, machte Station bei Film und Theater, liebäugelte mit der Schauspielerei und versuchte sich als Synchronsprecher. Zum Radio zu gehen, stand damals noch nicht auf seinem Programm. „Ich bin da, ohne es zu wollen, reingerutscht. Moderator wollte ich eigentlich gar nicht werden“, sagt Leikermoser, wenn er über die Anfänge seiner Karriere spricht. Geworden ist er es trotzdem und erfolgreich obendrein.

Auch wenn der Weg kein Spaziergang war. „Wenn man in die Medien will, ist Talent der Proviant für einen langen, steinigen Weg“, sagt Leikermoser. Zum Radio ist er irgendwie auch durch einen Freund der Familie gekommen. Denn der hatte den damals 20-Jährigen auf das Aufblühen der privaten Radiosender in Deutschland aufmerksam gemacht. Also setzte sich Leikermoser auf sein Motorrad und fuhr zu Radio Gong nach München. „Ich dachte, ich schau mir das mal an, und in München hatte ich eh noch etwas zu erledigen“, sagt er rückblickend.

Prompt wurde er genommen, für die neue Radiostation in Nürnberg. Mit 120 Mark in der Tasche und einer Isomatte ausgestattet kam Leikermoser kurz darauf in Mittelfranken an. Der Sender war gerade im Entstehen, feste Regeln gab es noch nicht. „Ich hatte Glück, ich konnte noch alle Fehler machen. Ich glaube, das ist heute nicht mehr so“, sagt der Radiomoderator.

Früher brachte Leikermoser eigene Platten mit

Vormittags hieß es moderieren, nachmittags redaktionelles Vorbereiten und Lieder aussuchen für den nächsten Tag. Auch der ein oder andere österreichische Schlager war damals bei Leikermosers Musiksortiment mit dabei, erinnert sich die Radiomoderatorin Petra Seel. Sie hat ihre Radiokarriere gemeinsam mit Leikermoser in Nürnberg begonnen. Als Kollegen und Freund habe sie ihn immer geschätzt. „Der Wolfgang war damals einfach ein charmanter Sunnyboy, fröhlich, immer gut gelaunt und witzig. Und ich glaube, das ist er heute noch“, sagt die heutige Charivari-Moderatorin. Das Geheimnis seines Erfolges? Leikermoser spreche die Sprache des Hörers und sei dennoch nicht abgehoben, meint Seel.

Wolfgang Leikermoser

Wolfgang Leikermoser
Foto: Antenne Bayern

Nach München und zu Antenne Bayern kam Leikermoser Ende der 1980er Jahre wegen seiner guten Einschaltquoten. Seitdem ist er beim Sender geblieben. Vom Privatradio weg zu einem öffentlich-rechtlichen Sender zu wechseln, kam für ihn nie infrage. Sein Herz schlägt für den Privatfunk. Hier hat seine Karriere begonnen, und hier ist er berühmt geworden.

Mit wie vielen Persönlichkeiten, Lebensgeschichten und berühmten Menschen er schon zu tun hatte, wird im Gespräch mit ihm schnell klar. Bereitwillig erzählt er eine Anekdote aus seinem Leben nach der nächsten. Über seine erste Begegnung mit Herbert Grönemeyer, Komplimente von Barbara Schöneberger bei der Verleihung des Radiopreises in Hamburg, einen Aufritt in einer US-amerikanischen Talkshow oder über ein Interview mit Reinhold Messner. Von Stolz würde er dennoch nicht sprechen, wenn er auf seine Laufbahn blickt. Mindestens eine große Zufriedenheit strahlt er jedoch aus, wenn er von ihr erzählt.

Leikermoser: „Radio ist das ehrlichste Medium“

Ursprünglich kommt der groß gewachsene, fast 1,90 Meter große, schlanke Mann mit blauen Augen und locker fallendem, dunkelblondem Haar, aus einem kleinen österreichischen Ort namens Viehhausen bei Salzburg. Dort wurde er 1965 geboren und wuchs ländlich geprägt auf. Zu hören sind seine österreichischen Sprachwurzeln heute allerdings nicht mehr. „Ich habe schon immer hochdeutsch gesprochen, das musste ich mir nicht erst fürs Radio antrainieren.“ Beim Hörfunk ist Leikermoser aus Überzeugung, beim Fernsehen machte er nur kurz Station. „Radio ist für mich das ehrlichste Medium überhaupt. Es geht durchs Ohr direkt in die Seele.“

Nach fast 30 Jahren im Radio-Business ist er als Morningshow-Moderator wohl auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Zwischen fünf und neun Uhr in der Früh erreicht er täglich 3.667.000  Hörer. Um diese beträchtliche Einschaltquote zu erreichen, ist sein ganzes Leben auf die Sendung ausgerichtet. Um halb vier Uhr in der Früh klingelt sein Wecker, um fünf Uhr ist er on Air. Sich abends mit Freunden im Kino zu treffen, ist da nicht drin.

Bleibt ihm dennoch ein wenig Zeit, die er nicht fürs Privatradio, sondern fürs Privatleben nutzen kann, widmet er sich gerne seinen Oldtimern. Und das, so verrät der Antenne-Bayern-Star, „ist eigentlich auch der einzige Ort, an dem ich einmal kein Radio höre“.