Media Date

Authentisch, interaktiv, überraschend – das große Potenzial von Live Entertainment

„Der Kern von Live ist, dass es uns emotional berührt, dass wir uns darüber austauschen wollen“, betont Ralph Karliczek, Director Product Architecture / Future Innovations bei Sky. Er ist einer von vier Impulsgebern auf dem Media Date „Mehr als live! Neue Strategien und Modelle für Live Entertainment“, welches das MedienNetzwerk Bayern gemeinsam mit Transmedia Bayern veranstaltet hat. Dass sich die Interaktion mit den Nutzern besonders durch neue Geschäftsmodelle fördern lässt, zeigten die außergewöhnlichen Projekte und internationalen Erfolgsstories der Media Date-Gäste: eyecandylab, HIGGS, all your base und Sky.   

Eine Quizshow für’s Smartphone

Jakob Bodenmüller. Foto: Katrin Baumer

„Es ist einfacher, von den USA aus nach Deutschland zu kommen als andersherum“, ist sich HIGGS-Gründer Jakob Bodenmüller sicher. Sein Start-up hat bereits mehrere Metamorphosen hinter sich und brauchte Zeit, um sein perfektes Modell für den Durchbruch zu finden. Gestartet ist HIGGS mit der Idee, mehrperspektivische Livevideo-Produktionen anzubieten. Damit konnten die Gründer einen Platz im Accelerator Play Hub von Sky ergattern. Doch anschließend wollte es nicht so recht klappen, erzählt Bodenmüller. „Am Ende blieben zwei Leute übrig und da haben wir uns gefragt: Was machen wir jetzt?“ Das Team setzte einen neuen Schwerpunkt, basierend auf der Erkenntnis, dass Interaktion das größte Alleinstellungsmerkmal von Livestreaming sei. HIGGS änderten ihr Geschäftsmodell und entwickelten die Technologie für ein Live-Quizformat, über das Unternehmen via App auf unterhaltsame Weise mit ihren Nutzern interagieren können. Mit Erfolg: Das Konzept überzeugte den German Accelerator Tech, der jungen High Potentials beim Sprung in den US-Markt hilft.

Doch auch große Kunden in Deutschland erkannten das Potenzial des Start-ups. Unter anderem Sky kooperierte bereits erfolgreich mit dem Multidevice-Streaming Anbieter HIGGS. Vom neuen Interaktions-Schwerpunkt des jungen Unternehmens ist Karliczek begeistert. Denn soziale Interaktion und Teilhabe der Nutzer sind neben Authentizität und dem Überraschungsmoment für ihn die Kernkompetenzen von Live Entertainment. Um diese optimal auszuschöpfen, probiert sich Sky in verschiedenen innovativen Formaten aus. Unter anderem entwickelte das Unternehmen einen Prototyp für VR-Projekte, die von mehreren Nutzern gemeinsam erlebt werden können: „In VR statisch einen Film im Kino anzusehen, ist nicht zielführend“, weiß Karliczek. Zudem setzt der Sender auf Livechats für die Kommunikation rund um Live Events.

Der Second Screen wird zum First Screen

Thomas Orzikowski. Foto: Katrin Baumer

Dass in Live Entertainment noch viel mehr steckt als lineares TV, erkannte auch ProSiebenSat.1 Media. Der Sender holte sich Unterstützung von eyecandylab. „81 Prozent der Menschen nutzen mittlerweile den Second Screen – und zwar auf eine Art, welche die Devices zum Leitmedium macht“, erklärt Thomas Orzikowski, Co-Founder des Start-ups. eyecandylab machte sich diese Entwicklung zunutze und reichert über Augmented Reality Fernsehsendungen mit unterhaltsamen oder informativen Zusatzinhalten an. „Der Riesenvorteil von AR: Die Augen wandern nicht weg vom Big Screen“, so Orzikowski. Mit ProSieben entwickelte das Start-up ein Projekt für die Sendung Galileo. Die Resonanz sprach für sich: Über 100.000 Downloads erzielte die App bis zum Start der Sendung, insgesamt probierten 349.000 Nutzer die AR-Inhalte aus. „Das sind doppelt so hohe Zahlen, wie sie Galileo bisher erzielte“, freut sich Orzikowski.

Dass der AR-Ansatz aus Bayern überzeugt, beweist auch das internationale Interesse an eyecandylab: Beim Accelerator Pitch der SXSW in Texas konnte sich das Start-up durchsetzen und zählt somit zu den Top 5 VR Start-ups weltweit. Im internationalen Vergleich sieht Orzikowski für den deutschen Markt ein wenig Aufholbedarf: „In den USA wurde uns unser Produkt aus den Händen gerissen, in Deutschland ist die Hemmschwelle der Zielgruppe noch sehr groß, was neue Formate und Techniken angeht. Deshalb stehen wir den TV-Sendern beratend zur Seite und probieren Schritt für Schritt neue Formate mit ihnen aus.“

eSport als Live-Event

Volles Haus trotz sommerlicher Temperaturen. Foto: Katrin Baumer

Last but not least stellte die eSport-Agentur all your base ihr Business vor. Das Geschäftsmodell des Teams rund um Gründer Robert Fankhänel setzt den Schwerpunkt auf ganz spezielle Sport-Events – aus dem Bereich eSport. Diese werden von der Agentur so begleitet, wie man es vom klassischen Fußballspiel kennt. Inklusive Überblendungen und Kommentator. Mit ihrer Idee konnte all your base den FC Bayern Basketball als Kunden gewinnen und den Aufbau seines eSport-Teams begleiten. „Beim ersten Event wurden aus 40 Spielern deutschlandweit die besten ausgesucht. Aber das war erst der Auftakt der Saison“, erklärt Fankhänel und schwärmt: „Was die Content Creation angeht, sind bei Live momentan fast keine Grenzen gesetzt.“ Das zeigt auch ein anderes Format von all your base, bei dem Cosplayer live Kostüme von Charakteren aus beliebten Computerspielen erstellen.

Um den Sprung in die Internationalisierung fortzusetzen und neue Märkte zu erschließen, erhalten die Live Entertainment-Pioniere eyecandylab, all your base und HIGGS Unterstützung durch die Global Content Alliance. Das bayerisch-französisch-schwedisch-belgische Netzwerk möchte eine gemeinsame Internationalisierungsstrategiedefinieren und festigen, um so europäische kleine und mittlere Unternehmen voranzubringen, die mit ihren Live-Konzepten ein weltweites Publikum erreichen.

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