Medien-Lexikon: Transmedia

Die digitale Revolution, das Internet und die sozialen Medien verändern die Art, wie wir Bücher, Filme, Games, Musik, Nachrichten, Entertainment, Werbung, Kunst und Kultur produzieren und konsumieren. Die Menschen wollen heute selbst bestimmen, wann, wo und wie sie sich mit Medieninhalten auseinandersetzen. Es entstehen konvergente und vernetzte Angebote, bei denen die Grenzen zwischen Autor und Publikum, Sender und Empfänger, passiver Rezeption und aktiver Teilnahme immer mehr verwischen. Diese Entwicklungen stellen einen Paradigmenwechsel dar, mit dem sich alle Mediensparten auseinandersetzen müssen.

Egbert van Wyngaarden

Egbert van Wyngaarden

Begreift man die neue Situation als Chance, stellt sich die Frage, wie Inhalte systematisch und redundanzfrei über unterschiedliche Medien und Plattformen hinweg verbreitet werden können, und wie man das Publikum aktiv in diesem Prozess mit einbezieht. Daraus ergeben sich neue Wertschöpfungsmodelle, die gerade im Entstehen sind.

Wenn es darum geht, eigenständige, aber thematisch verwandte Auswertungen zu gestalten, die unabhängig voneinander konsumiert werden können, ist die Rede von Transmedia. Ein Beispiel einer transmedialen Erzählwelt, die seit Jahrzehnten erfolgreich betrieben wird, ist das Star Wars-Universum.

Star Wars umfasst Filme, Fernsehserien, Romane, Comics, Spiele, Merchandising und jede Menge Fan-Fiction. Obwohl jedes Produkt für sich steht, steigert sich das Vergnügen des Mediennutzers mit der Zahl der Produkte, die er kennt. Star Wars ist eine Entertainment-Marke, unter deren Dach die Erlösmodelle der einzelnen Derivate zusammengebracht und verschränk werden. Weitere Beispiele sind das Pokemon-Universum, die Marvel-Superhelden, Matrix, Assassin’s Creed, Die wilden Kerle und Die Biene Maya.

Nutzt man die Vielfalt an Medien und Ausspielwege um lediglich eine Geschichte zu erzählen, oder ein Angebot zu gestalten, sprechen wir von Crossmedia. Inhalte werden in diesem Fall so aufbereitet und präsentiert, dass sie erst in ihren wechselseitigen Bezügen ein bedeutungsvolles Gesamtbild ergeben. Oft sind sie einzeln nicht verwertbar.

Das Docufiction-Projekt Net Wars zeigt wie man mehrere Plattformen „über Kreuz“ mit gegenseitig verstärkender Wirkung kombinieren kann. In vielen Fällen handelt es sich um Begleitangebote eines Kernproduktes, an das der Konsument herangeführt werden soll. Dies ist bei „second screen“ bzw. „social TV“ Formaten wie Berlin Tag & Nacht und den großen Castingshows typischerweise der Fall.

Die Interaktion mit dem Publikum steht bei crossmedialen Formaten oft im Vordergrund und bestimmt im Idealfall den Inhalt gleich mit. Nach diesem Muster funktionieren interaktive Dokus wie Wer ist Thomas Müller, „Alternate Reality Games“ wie Wer rettet Dina Foxx, oder innovative Serien wie The Spiral oder About Kate.

Egal ob Transmedia, Crossmedia, oder welche Begriffe auch immer man für die neue Art des Erzählens verwenden mag: es geht darum, den Mediennutzern Mehrwerte auf allen Kanälen zu bieten und Angebote zu schaffen, die ihrem Nutzerverhalten tatsächlich entsprechen. Die Menschen sollen sich intensiv mit Themen, Inhalten, Figuren auseinandersetzen können. Das Ziel ist Immersion.

Die Grundlage dafür sind Erzählwelten.

 

Egbert van Wyngaarden

(Author und Storytelling Consultant bei Transmedia Desk)

 

Medienlexikon: Crossmedia

Medienlexikon: Erzählwelten