Film Meets Print

„Ein spannendes Aufeinanderprallen von Film und Text“

Am 8. und 9. Mai 2018 bringt Film Meets Print Studierende der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) und der Deutschen Journalistenschule (DJS) zu einem Blinddate der besonderen Art zusammen. Unabhängig voneinander haben sie Film- und Printreportagen zu den gleichen Themen produziert, die auf dem DOK.fest München präsentiert werden. Peter Linden (DJS) und Prof. Knut Karger (HFF) berichten aus acht Jahren als Dozenten und Moderatoren bei „Film Meets Print“.

 

Herr Linden, Herr Karger, wie kam es vor acht Jahren zu „Film Meets Print“?

Peter Linden

Peter Linden: Ursprünglich war die Idee rein didaktisch. Als Lehrer an fast allen deutschsprachigen Journalistenschulen und als Lehrbeauftragter der Filmhochschule, habe ich festgestellt, dass es auf beiden Seiten Defizite gibt. Die Schreiber können gut formulieren, aber schaffen es nicht, beim Leser Kopfkino entstehen zu lassen. Die Filmer kreieren wunderbare Bilder, aber tun sich schwer mit Texten. Ich wollte die Studierenden dieser zwei Elitehochschulen zusammenbringen, damit sie voneinander lernen

können.

Knut Karger: Mir hat von Anfang gefallen, dass zwei dokumentarisch arbeitende Gewerke den gleichen Stoff entwickeln und sich dabei aufeinander spiegeln. Ein großer Reiz besteht für mich in den Einschränkungen und Freiheiten, die mit dem jeweiligen Gewerk einhergehen. Bei einer Printreportage stellt sich zum Beispiel die Frage, wie eine Geschichte visuell gemacht werden kann, obwohl sie nicht mit bewegten Bildern arbeitet. Das DOK.fest kam uns sehr entgegen, weil es einen öffentlichen Rahmen geboten hat, um Film und Print in direkten Vergleich zu bringen.

Wie kommen die Themen für die Reportagen zustande?

Knut Karger

Karger: Die ersten Stoffideen für Film Meets Print werden von den Dokumentarfilmstudenten bereits Ende Dezember entwickelt, so dass sie im Februar und März drehen können. Sie unterliegen dabei der Regel, dass der Dreh innerhalb von drei Tagen im S-Bahnbereich von München erfolgen muss. Ansonsten sind sie relativ frei. Peter Linden und ich versuchen dann, aus diesen Stoffen übergeordnete Themen für die Journalisten zu finden. Oft gehen wir bei der Definition weicher vor, weil sich gerade Dokumentarfilme in der Endschnittphase noch einmal stark wandeln können.

Linden: Die Journalistenschüler müssen die Themen der Filmer journalistisch adaptieren. Wir formulieren die Themen konkret genug, damit die Studenten nicht etwas komplett Verschiedenes machen, aber abstrakt genug, dass es verschiedene Optionen des Zugangs gibt. Dadurch ergibt sich im Kino oft ein sehr spannendes Aufeinanderprallen von Film und Text.

Formen, Regie: Fariba Buchheim © Fariba Buchheim , 2018

Welchen Effekt hat „Film Meets Print“ auf die Studierenden?

Linden: Während der Veranstaltung herrscht immer ein großes Staunen und das Interesse, einander kennenzulernen. Das reicht soweit, dass manche später bei Multimediareportagen miteinander kooperieren. Ich beobachte auch eine große Neugierde, wenn die Studenten sich gegenseitig befragen: ‚Wie bist du auf den Protagonisten gekommen? Warum hast du das Thema auf diese Weise angepackt?‘ Es passiert genau das, was ich auslösen wollte. Die Studenten befragen sich und lernen voneinander.

Karger: Die Dokumentarfilmstudenten gehen mit einer großen Neugier an die Veranstaltung heran, weil Journalisten natürlich ganz anderes Handwerkszeug haben als sie. Gerade Erstsemester haben oft noch nicht verinnerlicht, dass es immer auch einen Text und einen Subtext gibt. Das wird viel deutlicher, wenn ihr Dokumentarfilm mit einer Printreportage aufeinandertrifft. Interessant ist auch, dass die Studenten manchmal auf die gleiche Lösung kommen. Einmal ging es um eine Flutkatastrophe an einem bayerischen Ort. Die Studenten waren nicht am selben Ort, aber haben mit ähnlichen Personen gesprochen – mit dem Bürgermeister, den Betroffenen, den Bauarbeitern … Es ist auch manchmal eine Art Schere zwischen beiden Medien zu beobachten, bei der die Studenten erkennen: Hier haben die anderen eine andere Abzweigung gewählt als wir.

Luftlücke, Regie: Marie Zrenner, Kamera: Oliver Buchalik, Producer: Marlene Fecht, 12 Minuten, s/w © Marie Zrenner, 2018

Was ist für Sie als Moderator der schönste oder interessanteste Teil der Veranstaltung?

Karger: Das ist immer der Moment, wenn ich mit den beiden Studierenden spreche, die das gleiche Thema bearbeitet haben, wenn ich ihre unterschiedlichen Herangehensweisen erfragen kann: ‚Was war dein erster Impuls und wie ist es dann weitergegangen? Wie habt ihr jeweils die Dramaturgie gewählt?‘ Wenn man das vergleichen kann, entsteht ein hoher Lerneffekt, den ich für meine Arbeit sehr schätze.

Linder: Für mich ist der interessanteste Teil der Funke, der entsteht, wenn Film und Text dasselbe Thema auf attraktive Weise gegensätzlich angehen. Vor ein paar Jahren war das Thema „Elvis“. Die Reportage meiner Journalistenschüler bezog sich auf ein Vater-Sohn-Pärchen, die beide als Elvis aufgetreten sind. Der Film handelte von einer Frau, die eine so besessene Sammlerin von Elvis-Devotionalien war, dass ihre ganze Wohnung angefüllt war mit Tassen, Kissen, Platten, Bilder … Sie lebt quasi in einem Presley-Museum. Da hat man das Thema sowohl von der Seite der Bewunderer im Passiven als auch der Bewunderer im Aktiven gesehen. Wenn man den Film und den Text nebeneinanderstellte, war die ganze Elviswelt ausgeleuchtet.

 

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