mixtvision

Ein neuer digitaler Schwerpunkt für Mixtvision

Mixtvision Digital setzt verstärkt auf das Publishing von Indie Games, die aus dem Rahmen fallen. Deren internationale Vermarktung ist dabei keine Option, sondern zwingende Notwendigkeit. Der strategische Vorstoß zeigt bereits Wirkung mit reizvollen Rückkopplungseffekten für das Münchner Unternehmen und den Standort Bayern.

Benjamin Feld. Foto: Mixtvision

Die Münchner Mixtvision Mediengesellschaft ist in den Geschäftsfeldern Verlag, Film/TV und Digital unterwegs. Seit sie vor zwölf Jahren mit ersten Verlagsaktivitäten auf sich aufmerksam machte, hat sich vieles verändert: Technologien, Plattformen, die Märkte und nicht zuletzt das Unternehmen selbst. Dennoch gibt es eine Konstante, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Firmengeschichte zieht. „Wir wollen Geschichten erzählen, Geschichten, die Neugierde wecken, zum Nachdenken anregen, zum Wandel ermutigen – und unterhalten. Und die erzählen wir in unseren Büchern, Filmen und Games“, betont Benjamin Feld, stellvertretender Geschäftsführer von Mixtvision. Zugleich zeichnet Feld als Director Digital & Transmedia verantwortlich, ein Geschäftsbereich, an dem sich besonders anschaulich illustrieren lässt, wie vielfältig Mixtvision seine Märkte bedient. Das wird an drei aktuellen, sehr unterschiedlichen Produkten deutlich.

„Kosmo & Klax“ fürs Kindersegment

Die App „Kosmo & Klax: Baumhaus-Party“ ist eine Mini-Game-Sammlung für Kinder ab 3 Jahren. Sie basiert auf der ersten IP von Mixtvision

Am 21. März etwa erschien die App „Kosmo & Klax: Baumhaus-Party“, eine multimediale Verlängerung der Marke „Kosmo & Klax“, von der bereits mehrere Bücher und Hörbücher erschienen sind. Die Mini-Game-Sammlung für Kinder ab drei Jahren ist bereits die zwölfte App, die Mixtvision veröffentlicht hat und basiert auf der ersten IP von Mixtvision, die fast schon so alt ist wie das Unternehmen selbst. Deshalb wurde sie jüngst einem kompletten Relaunch unterzogen. Die neue App ist in Kooperation mit dem bekannten Kölner Studio Ahoiii für iOS und Android produziert worden und zielt auf den deutschsprachigen Markt. Hierbei hofft Mixtvision zudem auf den sogenannten Cross-Effekt: Die App soll den Buchabsatz befruchten und umgekehrt.

Mit „FAR: Lone Sails“ die Welt im Visier

Mit sehr viel Vorschusslorbeeren bedacht: das Vehicle-Adventure-Game „FAR: Lone Sails“, das am 17. Mai auf Steam erscheint.

Einen künftigen digitalen Schwerpunkt leitet mixtvision am 17. Mai ein: Dann erscheint das mit sehr viel Vorschusslorbeeren – bisher acht Awards und vier Nominierungen – bedachte Vehicle-Adventure-Game „FAR: Lone Sails“ auf Steam. Zum Verkaufsstart wird es ein digitales Bundle aus Spiel, Artbook und Soundtrack geben. Läuft der Titel gut an, wird das Artbook auch als Printversion nachgeschoben.

Entwickelt wurde das Game vom jungen Schweizer Studio Okomotive, dem auch die IP gehört. Ein Erstlingswerk mit Mixtvision als Verleger. Die Zielgruppe bewegt sich zwischen 14 und 35 Jahren und favorisiert Games wie „Inside“. „Auf diesem Titel“, führt Benjamin Feld aus, „liegt ganz klar unser strategischer Fokus. Im Publishing von Indie Games mit narrativem und künstlerischem Anspruch sehen wir im Digital-Bereich einen zentralen Schwerpunkt für die kommenden Jahre.“

Dabei strebt Mixtvision, wie Feld versichert, faire und langfristige Partnerschaften an: „Grundsätzlich sind wir auf der Suche nach Projekten und bieten die ganze Palette von der Finanzierung, über das Producing und den Vertrieb bis zur Vermarktung an. Dabei betrachten wir jedes Projekt individuell und stimmen das Angebot auf die jeweiligen Bedürfnisse des Entwicklers ab. Danach richten sich am Ende entsprechend auch die Shares. Letztendlich versuchen wir größtmögliche Flexibilität mit hoher Transparenz zu bieten. Unser Ziel ist es jedenfalls, möglichst auch noch das zweite, dritte oder gar vierte Projekt mit dem Partner zu realisieren.“

Am liebsten sind Mixtvision Produkte, deren „Storytelling anders, deren Ästhetik besonders ist und die aus dem Rahmen fallen, Produkte, die mit Leidenschaft gemacht sind. Feld: „Das deckt sich mit unserer grundsätzlichen Philosophie und Herangehensweise, die auch die anderen Unternehmensbereiche teilen.“

„Everything is going to be OK“ sorgt für Diskussionen

Löste Debatte über Games als Kunstform aus: „Everything is going to be OK“.

Beim dritten Produkt in der aktuellen Palette, die das inhaltliche Spektrum von Mixtvision noch einmal deutlich weitet, handelt es sich um das – mehrfach nominierte und ausgezeichnete – interaktive Kunstwerk/Game „Everything is going to be OK“ der US-Amerikanerin Nathalie Lawhead. Dieses ist bereits über die Seite der Künstlerin verfügbar und wird in den kommenden Wochen von Mixtvision auf Steam gepublisht. Trotz der Unterstützung bei Distribution und Marketing ist eher nicht davon auszugehen, dass das Münchner Unternehmen damit Geld verdient. Welche Motive aber sind dann im Spiel?

Dazu Benjamin Feld: „Zum einen ist das Thema wichtig und aktuell. Die Künstlerin reflektiert darin die Opferrolle in unserer heutigen Gesellschaft: Wie gehen wir mit Machtstrukturen und Opfern von Macht um?“ In den sozialen Medien hat das Spiel in den letzten Wochen für einigen Wirbel über Games als Kunstform gesorgt. Das und die Nominierungen schaffen Aufmerksamkeit, die auch den Partner Mixtvision und damit den Standort Bayern auf die internationale Bühne heben.

Der Ansatz scheint zu funktionieren: Mehrere Kooperationsanfragen, die über den Titel auf den Münchner Publisher aufmerksam geworden sind, sind bereits bei Mixtvision eingegangen. „Trotzdem ist das immer auch eine Gratwanderung, weil wir uns als Partner und Publisher nicht in den Vordergrund spielen wollen. Der Raum ist für das Game und seinen Entwickler vorgesehen“, sagt Feld. „Wir möchten auf der B2B-Ebene als der wahrgenommen werden, der hilft, gute Inhalte in die Welt zu tragen. Letztendlich ist es aber natürlich immer eine Mischkalkulation, die auch wirtschaftlich funktionieren muss.“

Erfolg in der Nische

Die thematische Spannbreite der erwähnten Produkte ist immens, geschieht aber nicht wahllos, wie Feld einräumt: „Die zunehmende Internationalisierung im Bereich Digital ist für uns zwingend, weil man allein durch Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum wirtschaftlich nicht überleben kann.“ Zumal der App-Markt wahnsinnig überschwemmt, eine Sichtbarkeit für das einzelne Produkt nur schwer zu erlangen und das Preisniveau extrem niedrig ist.

Natürlich funktioniert der eine oder andere Titel. Abseits der großen Marken wie Disney und Co. ist das aber eher die Ausnahme. Wer nicht gerade über ein entsprechendes Budget verfügt, um ein Produkt zu pushen, muss sich auf Titel konzentrieren, die aufgrund bestimmter Merkmale aus der Masse herausstechen. Feld weiter: „Unser Fokus liegt dabei auf einer interessanten Story und ungewöhnlichen Visuals, die in ihrer Kombination ein emotionales Erlebnis schaffen. Das ist unsere Nische, von der wir glauben, dass wir damit erfolgreich sein können!“ Auf die Frage nach weiteren Plänen, schmunzelt Benjamin Feld wissend: „Das Publishen von Indie Games wie ‚FAR‘ ist unser Weg, den wollen wir weiter beschreiten. Wir befinden uns aktuell bei mehreren spannenden Projekten in Verhandlungen und hoffen, hier in den nächsten Wochen mehr dazu sagen zu können.“