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„Auch eine gemütliche Stadt hindert uns nicht daran, kreativ zu sein!“

An kreativen Menschen mangelt es der bayerischen Landeshauptstadt sicher nicht, darüber waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion mit dem Motto „Berge, Bussi, Business – muss München kreativer werden?“ im Rahmen der Munich Creative Business Week einig. Das MedienNetzwerk Bayern diskutierte mit Künstlern und Kreativen aus Bayern über das kreative Potenzial bayerischen Landeshauptstadt. Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

Sichtbarkeit

Georg Dingler und Jim Sengl vom MedienNetzwerk Bayern.

„Es gibt so viele Ecken, in denen was passiert!“, schwärmt André Eckert, Art Director Motion. Vieles sei jedoch schlicht und ergreifend nicht sichtbar. Zum einen, weil das Angebot in der bayerischen Landeshauptstadt so groß ist, dass gerne auch mal etwas untergeht. Zum anderen, vermutet Georg Dingler, Geschäftsführer von Radio Gong 96.3.: „Viele Menschen wissen gar nicht, was in München alles passiert und entsteht. Es ist unsere Aufgabe, die Leute mehr aufzuklären.“

Räume

Eine weitere Schwierigkeit für Kreative in München spricht die freie Künstlerin Melina Henniker an: München sei sehr wirtschaftlich ausgerichtet, es fehle an Raum für Kreative. Susanne Mitterer, stellvertretende Leiterin des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft, das sich eben dieses Themas angenommen hat, bestätigt: „Raum in München ist ein schwieriges Thema. Wir versuchen deshalb, leerstehende Räume für Zwischennutzung ausfindig zu machen.“ Jüngstes Projekt war etwa die Zwischennutzung des Ruffinihauses: Münchner Kultur- und Kreativschaffende bespielten bis Mitte Januar 50 Räume auf zwei Stockwerken.

Finanzierung

V.l.: Susanne Mitterer, André Eckert, Milena Hennicker, Dr. Martina Taubenberger, Georg Dingler

Ebenfalls gerade in München ein großes Thema: Die Stadt ist teuer. Dingler weiß: „Es ist ein Problem, dass sich viele junge Kreative München nicht leisten können.“ Und ergänzt: „Ich glaube aber, dass es uns nicht daran hindert, kreative Leute zu bekommen.“ Auch ein kommerzieller Radiosender wie Gong brauche kreative Köpfe und will jungen Leuten die Chance geben, sich kreativ auszuleben – im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Eckert hat seinen eigenen Weg gefunden, um das Leben als selbstständiger Kreativer auch in einer Stadt wie München leben zu können. Die Mischung macht’s: „Da gibt es die ‚Täglich-Brot-Aufträge‘, durch die ich dann aber andere Projekte machen kann, die ich richtig gut finde!“ Für Eckert schließen sich Kreativität und Business nicht aus. Und auch Martina Taubenberger, freie Kulturmanagerin, betont, dass man in München mit kreativer Arbeit durchaus Geld verdienen könne – im Gegensatz zu anderen Städten: „In Berlin kannibalisieren sich die Künstler selbst. Du findest immer jemanden, der einen Auftrag umsonst macht.“

Gemütlichkeit

Als eines der Hauptprobleme für Kreatitve sieht Taubenberger die Behäbigkeit der Stadt an: „Wir brauchen mehr Aufgeschlossenheit, mehr Mut zum Risiko!“ Kreativität werde an vielen Stellen viel zu wirtschaftlich gedacht, zu sehr auf Massengeschmack ausgerichtet. Genau wie Taubenberger vermisst Mitterer vor allem die Wertschätzung für Künstler. „Künstler werden oft nicht ernst genommen.“ Gerade bei experimentelleren Projekten, schwebe ständig die Frage im Raum: „Ist das Publikum offen, sich drauf einzulassen? Geben die Leute auch Geld dafür aus?“

Just do it

Alles in allem stimmen die Diskussionsteilnehmer darin überein, dass Kreativität immer einen Weg findet. „Egal, welchen Weg man einschlägt, man muss sich bewusst sein, dass man den Großteil seines Lebens damit verbringt!“, so Taubenberger. Deshalb müsse jeder den Mut haben, das zu tun, wofür er brennt. Und Dingler ergänzt  „Auch eine gemütliche Stadt hindert uns nicht daran, kreativ zu sein!“ Es sei Aufgabe der Medien, über innovative Projekte und kreative Köpfe zu berichten. „Ich finde es zum Beispiel großartig, was das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft macht, oder was im Münchner Werksviertel passiert. In ein paar Jahren wird das der Hammer!“