eBookCamp 2018

Graf Zahl regiert die Verlagswelt

Daten – der Themenschwerpunkt auf dem eBookCamp 2018 am 3. Februar im Münchner WERK1. In insgesamt acht Sessions zeigten Experten Innovationen aus der Verlagsbranche und Best-Practice Beispiele.

Der Sessionplan. Foto: Benjamin Heinz

Das eBookCamp, veranstaltet durch den Landesverband Bayern des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und die IG Digital in Kooperation mit dem MedienNetzwerk Bayern, feierte am Samstag sein inzwischen fünfjähriges Bestehen. Mit dabei waren bekannte Gesichter der Branche, aber auch viele Barcamp-Newbies.

Vernetztes Storytelling

Die Themen reichten 2018 von App-Entwicklung, Autorenakquise über verschiedene Gesichtspunkte rund um Nutzerdaten bis hin zu vernetztem Storytelling. Letzteres stellte Bernhard Scholz, Chefredakteur von Der Kontext, in seiner Session vor.  Mit einem Online-Magazin ermöglicht das Start-up Leserinnen und Lesern, auf einer Wissenslandkarte komplexe Themen zu erkunden und zu vertiefen. Wie tief genau in die Materie eingestiegen wird, bleibt jedem einzelnen überlassen. Besonders geeignet ist diese Art der Visualisierung für das Verständnis von komplexen Themen.

Bernhard Scholz, Chefredakteur von „Der Kontext“ verdeutlicht das Prinzip der Wissenslandkarte. Foto: Benjamin Heinz

In seiner Session auf dem eBookCamp wagte Scholz ein Experiment und erstellte gemeinsam mit den Teilnehmern eine Wissenslandkarte zu den GroKo-Verhandlungen in Berlin. Die Teilnehmer unterschieden zwischen verschiedenen Aspekten wie Verhandlungsthemen, Ministerien oder Posten und stellten Verbindungen zwischen den Themen her. Innerhalb von gerade einmal 30 Minuten entstand so eine vernetzte Karte im Mindmap-Stil. Diese bildete die GroKo-Verhandlungen in ihrer Komplexität ab.

In den Pausen wird intensiv genetzwerkt. Foto: Benjamin Heinz

„Der Kontext“ ist allerdings nicht nur ein Online-Magazin. Die Software dahinter – „Kontextlab“ – kommt inzwischen als Publikations- und Visualisierungstool in Schulen und Verlagen zum Einsatz. Ein Beispiel, wie ein Thema auf der Kontext-Plattform aufbereitet ist, kann man hier ansehen.

Garbage in, garbage out – Daten sinnvoll nutzen

In einer weiteren Session gab Graf Zahl eine klare Empfehlung: „Daten aussaugen für den E-Book-Vertrieb und das Marketing.“ Veronica Maidl und Sibylle Bauschinger von Open Publishing zeigten, wie sich Daten aus dem E-Book-Verkauf für Vertrieb und Marketing analysieren lassen.

Sibylle Bauschinger (links) und Veronica Maidl (rechts) bei der Präsentation der Gruppenergebnisse. Foto: Benjamin Heinz

Aufgeteilt in kleine Gruppen waren die Teilnehmer des Camps gefragt: Mit Pseudocode – einfachen Wenn-Dann Bedingungen, um die Funktionsweise eines Algorithmus zu erklären – diskutierten sie die technischen Potenziale von Datenanalyse. Ein Beispiel: Wenn ein Newsletter-Abonnent zum dritten Mal in Folge meinen Newsletter öffnet und klickt, bekommt er als zusätzlichen Anreiz einen Rabatt auf einen häufig geklickten Titel.

Das Learning der Session: „Garbage in, garbage out.“ Nur eine gute Daten-Ausgangslage und gute Fragen ans Datenmaterial bringen auch gute Ergebnisse.

Auch die letzte Session des Tages befasste sich mit Daten. Oder genauer mit der Frage: Wie helfen Leserdaten bei der Produktentwicklung für Bücher. Anhand einiger launiger Beispiele zeigte Eileen Laaß, Verlagsbetreuung und Publisher Care bei Skoobe, welche Erkenntnisse der E-Book-Flatrate-Dienst aus seinen Leserdaten zieht. Durch die Auswertung kann Skoobe unter anderem die Anziehungskraft eines Covers oder eines Teaser-Textes testen, auswerten und optimieren.

Resümee

Eine einzige Kritik am Ende eines gelungenen Tages: Manche Session-Leiter dürften ruhig mehr echte Cases zeigen, sonst bleibt die Diskussion durch fiktive Beispiele im Ungefähren.

Besonders erwähnenswert: Die großzügigen Kaffeepausen zwischen den Sessions ermöglichen einen entspannten und offenen Austausch. Dadurch können Impulse vertieft, Diskussionen weitergeführt und neue, wertvolle Kontakte geknüpft werden.