DLD18

Bayern als Innovationstreiber für Mobilität

Hochgeschwindigkeitszüge, die mit annähernd Schallgeschwindigkeit durch Röhren jagen, fliegende Taxis und selbstfahrende Autos. Was vor einigen Jahren höchstens im Science Fiction Genre Platz gefunden hat, ist nun Realität. Zumindest in der Theorie. Die DLD Conference 2018 zeigte, dass München eine Vorreiterrolle in der Zukunft der digitalen Mobilität einnimmt.

Daniel Wiegand. Foto: picture alliance / Andreas Gebert

„Munich ist he Hub of urban air mobility!“ Steffi Czerny zeigte sich begeistert auf der DLD-Bühne 2018. „Silicon Valley is nice, but why shouldn’t Munich be the role model for a great vision?“ Eine Vision, die zum Beispiel von Daniel Wiegand getragen wird, CEO von Lilium. Das Start-up entwickelte ein elektrisch betriebenes Flugtaxi, das via App geordert werden kann. Lilium, so Wiegand, werde dazu beitragen, dass in ein paar Jahren 30 Prozent der Mobilität in der Luft stattfinden.

Fliegende Taxis …

 

Bevor die On Demand Taxis allerdings starten können, gibt es einige offene Fragen zu klären: Etwa zur Infrastruktur im Luftraum, zum Luftraummanagement oder zur Lärmregulierung. In der Theorie allerdings überzeugte Lilium bereits – Investoren wie den Internetkonzern Tencent oder den Investmentfonds Atomico.

„Wenn wir einen Wandel wollen, brauchen wir Regulierungen – das ist das Problem bei sämtlichen technologischen Entwicklungen“, weiß Wiegand. Für neue Standards sei, betrachtet man das rasante Fortschreiten neuer Technologien, vor allem wichtig, dass sie flexibel sind: Nicht nur für den Moment, sondern auch für die nächste Innovation.

… und Hochgeschwindigkeitszüge

Von München aus soll nicht nur der Luftraum erobert werden. In der bayerischen Landeshauptstadt, genauer gesagt von einem Studententeam der TU, wurde der WARR Hyperloop entwickelt – ein Hochgeschwindigkeitszug, der in einer Vakuumröhre befördert wird. Bereits zweimal konnte das Münchner Studententeam mit ihrer für die Röhre entwickelten Kapsel die SpaceX Hyperloop Pod Competition, die der Unternehmer Elon Musk ausgerufen hatte, für sich entscheiden.

Innovationen wie diese, aber auch das selbstfahrende Automobil werden die zukünftige Art der Fortbewegung massiv verändern. Zu Gast bei der DLD 2018: Christoph Grote, Bereichsleiter Elektronik bei der BMW Group. Auch im Bereich autonomes Fahren, erklärte er, gebe es noch einige Herausforderungen zu meistern. So muss das Auto zum Beispiel selbstständig erkennen, wo es Parkmöglichkeiten rund um das angegebene Ziel gibt, um den Fahrer nicht zu fordern und ihm tatsächlich Zeit für andere Beschäftigungen zu verschaffen.

Nicht die technische Voraussetzungen müssen allerdings stimmen, auch das Vertrauen der Menschen in die neue Technik müsse erst gewonnen werden. Grote sah hier große Ähnlichkeiten zu Beziehungen zwischen Mensch und Tier. So ist das Vertrauen ist zwischen Reiter und Pferd Grundvoraussetzung, muss aber erst aufgebaut werden.

Mobilität ändert Stadtbilder

Greg Williams (WIRED UK), Florian Reuter (Volocopter), Mariana Avezum (WARR Hyperloop & WeMuv) and Dirk Hoke (Airbus Defence an Space) Photo: picture alliance / Andreas Gebert

Nicht nur auf die Art der Fortbewegung, auch auf das Stadtbild werden die neuen Transportmittel großen Einfluss haben, glaubt Florian Reuter, CEO der Volocopter GmbH, der auf der DLD zum Thema About Flying Taxis & High Speed Trains mit Dirk Hoke (Airbus Defence and Space) und Mariana Avezum (WARR Hyperloop & WeMuv) diskutiert. Denn: Wenn man nicht mehr jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im Stau steht, macht dass die Wohnnähe zur Stadt unter Umständen überflüssig. Orte mit hoher Lebensqualität und  Freizeitwert, beispielsweise durch die Nähe zur Natur, werden noch attraktiver. „Wir müssen uns ganz genau überlegen, wie wir die neue Technologie einsetzen“, so Reuter.

Bis tatsächlich Kapseln durch Röhren jagen und Taxis durch die Luft fliegen, wird noch etwas Zeit vergehen. Für die nahe Zukunft, sagt Mariana Avezum, sei es vor allem wichtig, dass die Leute ihr Mindset ändern: „Ich aktzeptiere  Leute, die skeptisch gegenüber fliegenden Autos sind, ich akzeptiere aber keine Leute, die gegen Carsharing, Busse oder irgendwas anderes als im eigenen Auto zu sitzen sind – und sich dann über Stau beschweren.“