Games-Development

Enigma Workshops – mit Puzzles erfolgreich

Enigma Workshops: zwei junge Gamedesign-Studenten aus München. Ihr erstes Mobile Game. Gleich über 2,5 Millionen Downloads. Wie haben sie das gemacht? Und vor allem: Wie sieht ihr neues Projekt aus?

„Mother Earth“: Die Semester-Abschlussarbeit der Münchener MD.H-Studenten Julian Ludwig und Sebastian Jantschke

Der Markt für Spiele auf Smartphones und Tablets gilt als Herausforderung. Jeden Tag überschwemmen mehrere Dutzend Neuerscheinungen die Online-Auslagen von App Store und Google Play. Einzelne Spiele haben kaum eine Chance auf Wahrnehmung durch das Publikum, die meisten Produktionen gehen in der Masse unter. Nur wer als Hersteller mit den drei großen M – Marken, Marketingbudgets und Medienarbeit – umzugehen weiß, darf auf die Aufmerksamkeit des Publikums hoffen. So die Regel. Die Ausnahme: Zwei Gamedesign-Studenten aus München.

Julian Ludwig und Sebastian Jantschke sind beide 22 Jahre jung und lernen an der Mediadesign Hochschule MD.H München das Handwerk der Spieleschöpfung. In ihrer kurzen Karriere haben die beiden erst ein Spiel zusammen entwickelt, und damit gleich 2,5 Millionen Downloads erreicht. Mother Earth heißt die Smartphone-Überraschung. ‚Hilf deiner Erde sich zu entwickeln und lass sie gedeihen‘ ist das Thema.

Realm of the Machines

Mit dem Finger auf dem Touchscreen beeinflusst der Spieler das Klima einer anfangs jungfräulichen Mini-Erdkugel, und bringt so die Evolution in Gang. Ein simples Puzzlespiel, gedacht als Beleg dafür, dass die beiden eine Game planen, umsetzen und zu Ende entwickeln können. Nicht mehr, nicht weniger. Fünf Wochen dauerte die Schöpfung von Mother Earth. Fünf Minuten benötigen geschickte Spieler, bis Menschen über den Globus wandern und der Abspann folgt. Das kurze, kostenlose Download-Vergnügen stieß auf großes Wohlwollen: Über 37.000 Bewertungen auf Google Play, vier von fünf Sternen im Durchschnitt: Nicht schlecht für eine erste Fingerübung.

Gründe für den Erfolg

Julian Ludwig präsentierte „Realm of the Machines“ beim X-Mas Pitch im Münchener Startup-HUB WERK1 und sicherte sich den Jury-Hauptpreis

Erklärungsversuche für den Erfolg? „Einer der wesentlichen Bestandteile ist Glück. Außerdem haben wir mit dem Thema Umweltschutz bei den Menschen scheinbar einen Nerv getroffen. Wichtig ist natürlich eine Unique Experience, also ein gut durchdachtes Gamedesign und ein einzigartiger, unterscheidbarer Grafikstil. Dass das Spiel kostenlos ist, wird sicher ebenfalls eine Rolle spielen“, erzählt Julian Ludwig, der sein erstes Gaming-Aha-Erlebnis mit Rollercoaster Tycoon hatte, in den Folgejahren eine Faible für Puzzle- und Abenteuerspiele ausprägte und im zarten Alter von 16 Jahren nach Kontakt mit 3D-Software und Spiel-Engines ein konkretes Interesse an Software-Technologie und Gamedesign entwickelte.

Reich sind er und Sebastian Jantschke mit Mother Earth nicht geworden. Wie auch – bei einem Free-to-Play-Game, das tatsächlich von vorne bis hinten kostenlos ist. Aber ein erster Fußabdruck in der Branche ist gesetzt. Der nächste kündigt sich bereits an. Gemeinsam mit sieben Kommilitonen aus verschiedenen Jahrgängen der MD.H arbeiten Julian und Sebastian unter dem Teamnamen Enigma Workshops an ihrem nächsten Werk: Realm of the Machines versteht sich als klassisches Puzzlespiel. Der Spieler soll die Zahnräder einer Maschine verzahnen und so Fließbänder und Kurbeln in Gang bringen. Der Kniff? Die Verbindung zwischen den  Zahnrädern entsteht durch eine virtuelle Kette, die der Spieler per Finger auf dem Touchscreen führt. Legt er sie sinnvoll um die Zahnräder herum, erntet er lustige Sounds, motivierende Animationen und den Schlüssel zum nächsten Bildschirm. Wenn nicht: Neustart!

Der nächste Millionen-Download

Deutscher Entwicklerpreis 2017: Ubisoft Blue Byte Newcomer Award für Sebastian Jantschke (Gamedesign), Stefan Held (Technical Artist), Alina Petersdorff (Art), Julian Ludwig (Technical Artist), Pascal Marschar (Sound) Foto: Deutscher Entwicklerpreis

Das macht alles einen hochwertigen und professionellen Eindruck und fühlt sich gar nicht nach der Semester-Abschlussarbeit an, die Realm of the Machines tatsächlich ist. Der Produktionsprozess profitiert von den Erfahrungen, die Julian und Sebastian bei der Entwicklung von Mother Earth gemacht haben. Da wundert es nicht, dass das Game bereits beim Deutschen Entwicklerpreis 2017 und beim X-Mas Pitch von Games/Bavaria im WERK1 überzeugen konnte.

„Vorproduktion und Konzeption sind zum Beispiel unheimlich wichtig. Bei Realm of the Machines haben wir uns deshalb im Vorfeld auf Designgoals fokussiert und über 40 Level skizziert, als Paper-Prototypes getestet, dann die sechs Besten davon für die Umsetzung ausgewählt“, erzählt Julian. Er übernimmt als Programmierer und Produzent eine eher lenkende und überwachende Rolle im Entwicklungsprozess. Sebastian ist als Gamedesigner für das Ineinandergreifen der Gameplay-Facetten zuständig. Stefan Held, Alina Petersdorff, Wanuscha Nourbakhsh, David Ernst, Sharon Schwaab, Maximilian Miesczalok und Pascal Marschar kümmern sich um die technische, visuelle und akustische Umsetzung.

 

Wie lange das Team unter dem Namen Enigma Workshops noch Feinschliff an Realm of the Machines anbringt, ist mangels festem Releasedatum offen. Ob es die neun Schöpfer nach Ende dieses einen gemeinsamen Projekts in alle Winde zerstreut, wie es momentan geplant ist? Oder ob das Team, angespornt durch erneute, millionenfache Downloads, ihre gemeinsame Schöpfung zum kommerziellen Produkt ausbaut? Auch das wird sich zeigen. Den Studenten steht eine spannende Zeit bevor.