Zündfunk Netzkongress

Der Mensch und die digitale Zukunft

Wie werden wir zukünftig mit Robotern zusammenleben? Werden sie unsere Kinder füttern, Alte und Kranke pflegen? Und wie würde uns das verändern? Wenn immer neue Technologien uns das Leben scheinbar erleichtern und in den Alltag Einzug erhalten, wie steht es mit Fragen der IT-Sicherheit und des Datenschutzes? Diese und weitere Zukunftsfragen haben den Zündfunk Netzkongress 2017 geprägt.

Wird unser Joghurtbecher irgendwann intelligenter sein als der Mensch, der ihn isst? Eine absurde Vorstellung. Während der Dreharbeiten zu Homo Digitalis, einem Transmedia-Projekt von arte, dem BR und dem ORF, haben die Filmemacher einen Interviewpartner getroffen, der genau davon überzeugt ist. Auf dem diesjährigen Zündfunk Netzkongress zählte dieses Projekt zu den angekündigten Highlights. Die siebenteilige Webserie, die ab dem 18. Oktober online verfügbar ist, geht der Frage nach: Werden wir, die der Spezies des Homo sapiens angehören, langsam zu einem Homo Digitalis?

Ein angekoppelter Selbsttest, den man über die Website des Projekts oder mit einem Chatbots durchführen kann, lässt jeden selbst herausfinden, wie sehr man ein Homo Digitalis ist. Ausgewertet werden die Ergebnisse vom Fraunhofer IAO und „im Frühjahr 2018 in einer wissenschaftlichen Studie veröffentlicht“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Homo Digitalis oder schon Cyborg?

Bei der Zahl 2.617 liegt der Schluss sehr nahe: Ja, wir sind längst ein Homo Digitalis. Denn so oft interagieren wir durchschnittlich am Tag mit unserem Smartphone, zitiert bento-Leiter Ole Reißmann eine Studie. Und nur einen Gedankenschritt weiter geht Paul Graham Rave, Autor und Futurist in seinem Vortrag. Wie weit sind wir eigentlich noch von einem Cyborg entfernt? Denn auch wenn das Smartphone noch nicht in unserem Körper ist, so ist es für Viele doch schon fast ein Teil davon, weil wir es ständig bei uns tragen.

Und wenn das Smartphone oder andere neue Technologien also ständig an uns dran sind, entstehen dabei auch sensible Daten, die viel über uns und unsere Lebensweise aussagen. Aber sind diese auch geschützt? Reicht der Datenschutz und die IT-Sicherheit derzeit schon aus? Constanze Kurz, Informatikerin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs bringt vor gut gefülltem Plenum im Volkstheater München eine beispielhafte Frage auf. Wenn es heute schon ferngesteuerte Prothesen gibt, kann es dann passieren, dass sich jemand in deren Systeme hackt und etwa beim Händeschütteln dem Gegenüber die Hand bricht? Viele unklare und ungeklärte Fragen wirft der Zündfunk Netzkongress auf. Und sie alle weisen in die Zukunft. Aber dass neue Entwicklungen Fragen aufwerfen, gab es auch schon in früheren Zeiten.

Digitaler Anschnallgurt

Jan Philipp Albrecht, von Bündnis 90/Die Grünen zieht deswegen den Vergleich zur Einführung des Autogurtes. Lange gab es ihn gar nicht, dann wurde dafür gekämpft und viele fanden ihn noch sinnlos und zu teuer. Heute ist er aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für ihn ist es nicht problematisch, dass wir uns weiterentwickeln, sondern wenn wir uns nicht der Technik entsprechend weiterentwickeln. Und dabei braucht es gewisse Regeln. Eben einen Anschnallgurt für digitale Technologien.

Um auf Veränderungen mit einzuwirken appelliert Constanze Kurz auch an die Nutzer: „Wir können eine Menge tun als Nutzer dieser Geräte“. Wir leben in einem interessanten Markt für die Wirtschaft, sind die Käufer der Hard- und Software. Wenn die Wirtschaft nicht auf den Druck der Nutzer reagiert, könnte es leicht zu einem Imageproblem kommen, so Kurz. Das ist wahrscheinlich auch der resümierende Schlussappell des Kongresses: Selbst Einfluss nehmen statt die digitale Entwicklung nur als passive Konsumenten entgegenzunehmen.