5G

Schlüsseltechnologie mitgestalten – die 5G Media Initiative

Kurz vor dem Meeting fährt der Rechner hoch, das Chatfenster baut sich auf, der Arbeitskollege erscheint auf dem Bildschirm. Zwei Sätze später friert das Bild ein, die Internetverbindung bricht ab. Mit dem Netzstandard 5G könnten solche Szenarien der Vergangenheit angehören. Ab 2020 soll er das Netz schneller und effizienter machen. Bis zur Markteinführung wird an weltweiten Standards gearbeitet. Die 5G Media Initiative will dabei die Bedürfnisse der Medienbranche einfließen lassen – unter anderem auf der Konferenz Media meets Automotive des MedienNetzwerk Bayern.

Thomas Schierbaum. Foto: IRT

In Bayern hat die Initiative ihren Ursprung und will von hier aus deutschlandweit Unterstützer gewinnen, erzählt Thomas Schierbaum, Pressesprecher des Instituts für Rundfunktechnik (IRT). Seit der Gründung im Mai 2017 bereits in der Initiative vertreten sind neben dem IRT die Kathrein Werke, Nokia, Rohde & Schwarz, Telefónica, der Bayerische Rundfunk, der Südwestrundfunk, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, das Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig, Mugler und das Münchner Start-up Cadami.

Streaming auch ohne Vertrag

Auf die Frage, wie sich die Arbeit der Initiative konkret auswirken könne, formuliert Schierbaum eine Vision: „Wenn wir in Smartphones und Tablets am Ende den Rundfunkmodus mit installiert hätten, dann wäre das ein riesen Erfolg.“ Damit wäre es möglich, auch ohne Vertrag oder eingelegter SIM-Karte auf mobilen Endgeräten fernzusehen oder Radio zu hören. Nutzer könnten also auf jedem beliebigen Endgerät Rundfunkangebote empfangen, ohne dafür eine teure Handyrechnung serviert zu bekommen oder das Datenvolumen rasch aufzubrauchen.

Videos in der U-Bahn auf dem Weg in die Arbeit anzusehen, würde problemlos funktionieren. Und wenn es nicht mehr ständig ruckelt, hängen bleibt, oder der Bildschirm nach dem Klicken des Playbuttons ganz weiß bleibt, würden vermutlich auch noch mehr Leute Videos unterwegs konsumieren. Weil Streaming also einfacher, angenehmer und günstiger für den Nutzer werden soll, kann dies für Medienhäuser eine Reichweitensteigerung bedeuten. Und auch neue Technologien wie 360-Grad-Videos, binaurale Audios, Virtual und Augmented Reality würden davon profitieren.

Ressourcenschonende Übertragung

Thomas Kühn. Foto: Cadami

Das Münchner Start-up Cadami hatte aber nicht vor, bis zur Markteinführung von 5G zuwarten. Das ärgerliche Alltagszenario, dass mobil genutzte Videos immer wieder abbrechen oder ins Stocken geraten, wollten sie schon vorher lösen. „Der Nutzer ist sonst oft frustriert, wenn es nicht klappt, ein Video anzusehen“, sagt der CFO des Start-ups, Thomas Kühn. Als Ausgründung der TU München hat Cadami die Technologie namens Coded Caching entwickelt, die schon im derzeitigen LTE-Netz für schnellere Ladezeiten sorgt und das Netz nicht so belastet. „Wir reduzieren die benötigte Bandbreite um 50 bis 80 Prozent“, erklärt Kühn.

Zur Initiative ist Cadami durch Ulrich Rehfuess von Nokia gekommen. Mit ihm war das Start-up schon zuvor in Kontakt. „Es ist toll, dass er uns reingeholt hat. Wir liefern aber auch gute Ansätze und gute Arbeit“, sagt Kühn überzeugt. Ebenso wie das IRT sieht auch Cadami den Vorteil der Initiative vor allem darin, dass Interessen gebündelt eingebracht werden können. „Als junges Start-up kann man nicht so viel Einfluss auf eine weltweite Entwicklung von Standards nehmen. Aber durch die 5G Media Initiative ist es möglich, gehört zu werden“, sagt Kühn. Alle zwei Monate kommt die Initiative zusammen, 2018 soll ein Positionspapier veröffentlicht werden.

Cadami-Demo. Foto: Cadami

Der Nachfolger des derzeitigen Netzstandards LTE wird als Schlüsseltechnologie angekündigt. Oft wird er in einem Atemzug mit Themen wie etwa dem autonomen Fahren und dem Internet der Dinge genannt. Höhere Datenraten und geringere Latenzzeiten bei einem gleichzeitig niedrigeren  Energieverbrauch als bisher und der Aussicht, eine Vielzahl an Geräten gleichzeitig versorgen zu können, schafft wesentliche Voraussetzungen. Eine Bandbreite von 10 GBit/s auch auf mobile Endgeräte zu bringen, das Netz also 1.000 Mal schneller als aktuell werden zu lassen, ist das Ziel für die neue Technologie.

Damit wird 5G fast jede Branche verändern. Nicht nur die Medien- oder die Automobilbranche, sondern auch die Medizin oder die produzierende Industrie. Und auch wenn die Initiative sich auf die Medienbranche konzentriert, ist ihr genau deswegen der branchenübergreifende Austausch wichtig. Deshalb wird das IRT am 11. Dezember 2017 bei der Veranstaltung „Media meets Automotive“ des MedienNetzwerk Bayern mit dabei zu sein, um die Schlüsseltechnologie auf die Bühne zu bringen.