eSport

„E-Sport ist eine Art Zeitgeist“

Bad Tölz, vor allem bekannt für seine Berge, die idyllische Landschaft und Outdoor-Aktivitäten, hat ganz besondere Bewohner hinzugewonnen: In der Bude von Tölz trainieren die internationalen E-Sportler von Team expert und bereiten sich auf große Turniere vor.

E-Sport boomt. Viele Millionen Euro werden mittlerweile damit erwirtschaftet und die Fans feiern die Profigamer wie Popstars. Millionen von Zuschauern verfolgen Wettkämpfe der Spieler im Livestream.  Allein 2016 wurden weltweit 3.683 offizielle E-Sport-Turniere ausgetragen – und die Aufmerksamkeit für die Computerspiel-Wettkämpfe wächst.

Ein Trend, den mittlerweile auch traditionelle Vereine für sich nutzen. So haben etwa der FC Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg eigene E-Sport Teams. Und auch andere Unternehmen wie der Elektronikfachhandel expert erkennen das Potenzial von E-Sport.

„Selbst der Opa spielt Mobile Games“

Uwe Semtner. Foto: Katrin Baumer

„Wenn ich mir heute die Zahlen anschaue, schreibt die Spieleindustrie wesentlich höhere Umsätze als die Filmindustrie“, bestätigt Uwe Semtner, Geschäftsführer von Team expert, die Entwicklung. Die große Beliebtheit von E-Sport erklärt er sich  so: „Das ist eine Art Zeitgeist. Waren früher klassische Sportvereine der Hort der Glückseligkeit, macht es die Digitalisierung den Menschen viel einfacher, zusammen zu spielen – unabhängig davon, wo sie leben.“ Nicht zu unterschätzen sei außerdem die Lust am Spielen: „Der Spieltrieb bringt die Menschen zusammen. Selbst der Opa spielt irgendwann mit dem Handy seines Enkels ein Mobile Game, wenn ihm beim Warten auf den Urlaubsflieger langweilig wird.“

Die Bude von Tölz ist Trainingszentrum und Produktionsstudio für das Team expert. Insgesamt haben 15 Spielerinnen und Spieler in der Bude Platz um zu trainieren oder sogar Meisterschaften auszutragen. Aber: Ein LAN-Haus mitten in der beschaulichen oberbayerischen Kurstadt? Eher ungewöhnlich. Und, wie Uwe Semtner sagt: „Unser Alleinstellungsmerkmal. Wenn man an LAN-Häuser denkt, denkt man sofort an große Hotspots wie Berlin oder Köln.“ Dass die Bude von Tölz da ein starkes Kontrastprogramm liefert, ist für ihn wichtiger Teil des Markenkerns: „Du bist direkt auf dem Land, da gibt es Kuhweiden und unser Haushund läuft den ganzen Tag frei rum. Der Freizeitwert ist überragend und in Laufweite gibt es alle möglichen Funsportarten.“

Die Bude als Trainingslager und Produktionsstudio

Hier leben und trainieren die Spieler von Team expert. Foto: team expert

Für Semtners Spieler ein wertvolles Trainingsumfeld. Um als Spieler weltklasse zu sein, reicht es nicht, einfach mehrere Stunden vor dem Computer zu sitzen. Da muss ein Ausgleich her, weshalb viele der E-Sportler auch im richtigen Leben Sport machen. Dass sich die Spieler wohlfühlen, ist wichtig. Denn Team expert hat große Pläne. Die Bude will sich nicht allein auf den E-Sport fokussieren, sondern eigene Streamingformate entwickeln, auch zu Alltagsthemen. Eines der erfolgreichsten Formate etwa ist eine Kochshow, in der Gamer für Gamer kochen, verrät Semtner.

„Im Gegensatz zu echtem Sport ist E-Sport viel schnellebiger“, sagt der gebürtige Bad Tölzer. „Jedes Jahr kommen neue Versionen von Spielen mit neuen Voraussetzungen raus.  Das heißt, wer in einer Saison toll ist, kann in der nächsten schlecht sein.“ Um dieser Vergänglichkeit – dem schnellen Wechsel von Stars und Erfolgen – vorzubeugen, setzt Team expert auf das Gesamtprojekt „Bude von Tölz“. Die Bude präsentiert ihre Spieler auf multimedialem Weg um den Fans umfassende Identifizierungsmöglichkeiten zu geben – mithilfe eines hauseigenen Fernsehstudios, Fotostudios und einer TV-Produktion. „Wir pushen und unterstützen die Spieler, denn nur über sie funktioniert ein Marketing- oder Markentransfer, aber am Ende des Tages sollen die Bude und das Team für die Außenwelt eine Sache sein, die nicht von einem einzigen Tageserfolg abhängig ist“, sagt Semtner.

Kein klassisches Sponsoring

Die Bude von Tölz auf der gamescom 2017. Foto: team expert

Das Konzept geht auf. Bereits seit ein paar Monaten produzieren die E-Sport-Stars nun Livestreams und Livesendungen und freuen sich über eine große Fangemeinde. Insgesamt sind 40 Spieler aus 13 Ländern Teil von Team expert. Entstanden ist die Idee auf der gamescom 2016. Bereits vorher was Uwe Semtner für E-Gaming-Projekte zuständig – etwa das E-Sport Team von acer, dass er ebenfalls aus seiner Heimat Bad Tölz betreute. Als expert an ihn herantrat, war schnell klar, dass die Zusammenarbeit etwas Besonderes werden solle, so Semtner. „ Wir wollten kein klassisches Sponsoring betreiben, sondern etwas eigenes entwickeln.“ Die Geburtsstunde der Bude rund um Team expert.

Ihren offiziellen Start hatte die Bude auf der gamescom 2017 – und war dort auch gleich für den Gamescom Award „Best Booth“ nominiert. Eine Tatsache, die Uwe Semtner stolz macht: „Das zeigt, dass unser Konzept auffällt. Am Ende des Tages könne wir uns also sagen: Gut gemacht.“