i4c

Hausführung mit Barack Obama

„Wir stehen genau da, wo wir mit den Smartphones standen, bevor es ein iPhone gab. Man brauchte Kamera, iPod und Spielekonsole nochmal extra. Jetzt ist es alles in einem Gerät“, sagt Musikproduzent Giorgio Koppehele. Er ist Teilnehmer der vierten i4c-Konferenz, die am 14. September in der Hochschule für Fernsehen und Film in München stattfand. Ein ganzer Tag rund um Virtual Reality.

Daniel Curio. Foto: Bayerisches Filmzentrum/Marco Nagel

Daniel Curio, Leiter des Referats 76 Filmpolitik, Audiovisuelle Medien im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, lobt in seiner Begrüßung die neuen Entwicklungen, die er unter anderem auf der diesjährigen Gamescom in Köln entdecken durfte. „Ein neues Storytelling“, durch die neuen technischen Möglichkeiten. „In Südkorea und den USA, aber auch in Bayern, in München, gibt es viele Unternehmen und Start-ups, die sich auf VR spezialisieren“, sagt Curio. Bestätigt wird dies von Ingeborg Degner, Geschäftsführerin des Creative Europe Desk München, die stolz verkündet, dass jährlich 15 Million Euro in die Entwicklung von Virtual Reality gesteckt werden – und zwar allein in Deutschland.

Mit Obama im Weißen Haus

Eröffnet wurde die i4c – Cinematic VR & Immersive Storytelling von Michael Gutmann.  „Für mich ist es faszinierend, wenn Studenten die Technologie beherrschen“, sagt der Professor an der HFF und spielt damit auf Felix Lajeunesse und Paul Raphael an, die sich heuer den Emmy Award für „Outstanding Original Interactive Program“ sichern konnten. In ihrem 360°-Projekt können die Menschen das Weiße Haus erkunden und mit Barack Obama in seinem Büro einen intimen Einblick in das Leben des ehemaligen US-Präsidenten bekommen.

VR erleben im Foyer

Michael Gutmann. Foto: Bayerisches Filmzentrum/Marco Nagel

Persönliche Einblicke konnte man auch im Foyer der HFF bekommen. An verschiedenen Stationen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, einmal selbst in die virtuelle Welt einzutauchen. Plötzlich stand man etwa in einer Raumstation und untersuchte die Maschinen bei „ObserVRtarium“ am HTC Vive Stand oder wurde hautnah mit GearVR in die Kriegsszenarien des Films „War Knows No Nation“ mitgenommen. Der Creative Producer Mitya Sorkin hielt am Nachmittag eine Präsentation über seine Erfahrung beim Produzieren des Films und brachte die neue Sprache 360° den Teilnehmern näher.

Genau darum geht es bei i4c, wie Astrid Kahmke vom Bayerischen Filmzentrum erklärt: „Wir helfen, die ersten Schritte in dem neuen Medium zu gehen. Jede Woche gibt es neue Fortschritte in der Technologie. Aber einen richtigen Absatzmarkt gibt es noch nicht“, sagt Kahmke.

VR zum Ausprobieren im Foyer der HFF. Foto: Bayerisches Filmzentrum/Marco Nagel

Das unterstrich auch Ruta Boguzaite vom französischen Filmunternehmen Wide. Sie gab in ihrem Vortrag einen Überblick über den Markt und die Zukunft von VR. Ihren ersten Kontakt mit der neuen Realität beschreibt sie anschaulich: „Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben einen Berg mit einem Snowboard runtergefahren. Es war ein richtiger Berg – kein kleiner Hügel. Das war meine erste Extremsport-Erfahrung.“ Seitdem ist sie Teil der Branche, die die Zuschauer nicht mehr zuschauen, sondern fühlen lässt. Gerade wegen der neuen Nähe ist auch große Verantwortung mit der neuen Entwicklung verbunden. Stichwörter sind hier Sucht, Isolation und ethisches Versprechen. Noch steckt VR in den Kinderschuhen – bis 2020 soll der Markt signifikant gewachsen sein.

Internationale Expertengespräche

Adina Mungenast. Foto: Bayerisches Filmzentrum/Marco Nagel

Raum in die Materie tiefer einzutauchen und Fragen zu stellen gab es während der Expertengespräche. Mit Adina Mungenast von FFF Bayern und Ewa Szurogajlo vom Creative Europe Desk München wurde über die Fördermöglichkeiten von VR-Projekten gesprochen.  Das Themengebiet zu neuen Rechtsfragen von VR- und 360 Grad Produktionen mit Dr. Thomas Glückstein von Lausen Rechtsanwälte. Zur Vernetzung im internationalen Bereich mit Benjamin de Wit von den europäischen VR Days im Oktober in Amsterdam. Das ist nur ein Auszug des straffen, zukunftsorientierten Programms bei i4c – CinematicVR & Immersive Storytelling. „Man kann VR nicht beschreiben, man muss es einfach selbst erleben“, sagt Kahmke. Immer noch sind 99 Prozent der Menschen, die sich eine VR Brille vor die Augen schnallen, Ersttester.

„Im Moment sind es noch Mondpreise in Deutschland. Aber die Technologie wird kommen. Denken Sie an die Smartphones“, sagt Musikproduzent Koppehele. „Ich bin sehr dankbar, dass es solche Konferenzen wie i4c gibt. Nur so können Kreative gefördert werden und sich international vernetzen.“