Plantura

Der grüne Daumen für digitalen Journalismus

Felix Lills Online-Magazin Plantura will vor allem eins: Durch qualitativ hochwertige Artikel und gezielt auf das Interesse der Nutzer ausgerichteten Content digital erfolgreich sein. Dafür setzt Plantura auf Crawling und Natural Language Processing. Aber wie genau funktionieren die modernen Technologien? Und geht die Taktik auf? Auf der Transforming Media sprechen Felix Lill und seine Kollegin Melissa Raupach über ihr erfolgsversprechendes digitales Geschäftsmodell. 

Felix Lill. Foto: privat

„Ich konnte kaum laufen, da habe ich bereits mit meinem Opa das Gemüsebeet unsicher gemacht“, erinnert sich Felix Lill. Bereits zu Schulzeiten gründete er das Unternehmen „PflanzenSpezl“. Der Onlineshop ermöglicht Pflanzenliebhabern, europaweit besondere und rare Obst- und Beerenspezialitäten zu erwerben.

Während seines Studiums zum Wirtschaftsingenieur beschäftigte sich Lill zwar vor allem mit Zahlen und Daten, doch auch das Interesse am Gärtnern blieb. Nur einer der Gründe allerdings, warum er das Online-Gartenmagazin Plantura gründete. Ausschlaggebend war vor allem die große Resonanz, die Themen rund um den Garten erfahren: Statistiken zeigen, so Lill, dass Gärtnern eine der Hauptaktivitäten der Deutschen ist. Und: „Landlust ist die auflagenstärkste Zeitschrift in Deutschland.“ Umso auffälliger deshalb, dass sich online nicht so viel tut: „Der meiste Traffic findet sich auf privaten Seiten oder aber in Gartenforen.“

Melissa Raupach. Foto: privat

Diese Lücke möchte nun Plantura füllen: Mit ansprechender Optik, professionellen Inhalten und vor allem mit Konzept: „Bei den Themen für Plantura vertrauen wir nicht auf unser Bauchgefühl, denn wir wollen uns sicher sein, dass es sich lohnt, einen Artikel zu erstellen“, erklärt Lill. Dafür nutzen die Macher des Magazins ein Crawling-System, das teils automatisiert, teils manuell Daten in Gartenforen und Sozialen Netzwerken sammelt und auswertet: Welche Themen sind gerade im Trend? Wie gut interagieren die Online-User mit diesen Themen, wie bereiten andere Webseiten diese auf?

„Ist der Wettbewerb um ein spannendes Thema schwach, schreiben wir darüber einen Artikel, denn die Chance, dass dieser bei Google schnell gut platziert wird, ist so sehr hoch“, erklärt Melissa Raupach, Content Leiterin bei Plantura. Haben die Leser eine gute Nutzererfahrung, verweilen lange auf der Seite und interagieren intensiv, merkt dies die Suchmaschine und listet die Artikel besser in den Suchergebnissen.

Mit Analysetools zum Erfolg

Neben Crawling verwendet Plantura zudem sogenanntes Natural Language Processing. Das System filtert Füllwörter eines Textes heraus, sodass am Ende nur noch Wörter mit einem „harten“ Informationsgehalt übrigbleiben, so Lill. Wenn bei Texten über den Tomatenanbau etwa immer wieder der Begriff „Krautfäule“ gefunden wird, ist diese Information für Lill wertvoll: „Das zeigt uns, dass sich die Leser mit dieser Pilzkrankheit intensiv beschäftigen und in unserem Text auf jeden Fall die Krautfäule und Methoden zur Vorbeugung beleuchtet werden sollten.“

Crawling und Natural Language Processing helfen, durch optimierte Inhalte die Bekanntheit der Webseite immer weiter zu steigern. Geld verdienen die Macher dann unter anderem über Produktplatzierungen und Cost-per-Click sowie Cost-per-Order.

Daten sammeln, auswerten und geschickt einsetzen: Dafür ist das Technik-Team bei Plantura verantwortlich. Foto: Plantura

Bei Produktplatzierungen bezahlt eine Marke eine individuelle Summe, damit ihr Produkt sichtbar ist: „Unser Modell ist für Werbetreibende hochinteressant, da nur die Leser berechnet werden, die sich auch intensiv mit dem Thema beschäftigen.“ Bei dem Cost-per-Click Modell bezahlt der Händler eines Produktes für jeden Besucher, der in dem Artikel auf das beworbene Produkt klickt. „Bei Cost-per-Order erhalten wir für jedes Produkt, das auf unserer Seite beworben und von einem Leser gekauft wird, eine Provision“, sagt Lill. Wichtig ist für ihn, nur mit Marken zusammenzuarbeiten, die sein Team und ihn selbst überzeugen, um die Authentizität von Plantura zu wahren.

Ständige Optimierung durch Erfolgskontrolle

Um das Magazin weiter zu optimieren, messen die Macher den Erfolg der einzelnen Artikel mithilfe von Key Performance Indicators: Welche Reichweite und Interaktion erzielen die Artikel in den Sozialen Netzwerken? Welchen Platz nehmen sie beim Google-Ranking ein? „Wer zum Beispiel nach Zucchinisorten googelt, findet unseren Artikel auf Platz eins“, freut sich Lill.

Aber auch das Verhalten der Leser analysiert das Team „Wir untersuchen auf die Fragen hin, warum bei manchen Artikeln öfter Produkte gekauft werden als bei anderen und bei welchem Artikel sich die Leser zum Newsletter anmelden.“

Vor allem ist für Lill die Balance zwischen Content und Commerce entscheidend: „In einem Artikel über Tomaten bewerben wir keine Gartenmöbel, es gibt keine Pop-Up-Fenster oder blinkende Werbung. Der Leser steht bei uns im Fokus und wir integrieren Produkte sinnvoll.“

Außerdem sei entscheidend, wie die Themen inhaltlich und sprachlich dargestellt sind, findet Raupach: „Es ist immer eine Kunst, die Ergebnisse aus den Datenanalysen in guten und leserfreundlichen Content umzuwandeln.“