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Fünf Fragen an CipSoft

Nur ein Spiel in 20 Jahren und trotzdem Innovationstreiber? Klingt erst einmal seltsam, doch genauso ist es beim Studio CipSoft mit Sitz in Regensburg – einem der ältesten Spieleentwickler Deutschlands. Mit Tibia entwickelte das Unternehmen 1997 eines der ersten MMORPGs, 2002 folgte TibiaME als erstes Online-Rollenspiel für Mobilfunkgeräte. Über 30 Millionen Spieler aus 200 Ländern seit 1997 zeigen, das CipSofts Konzept als früher Vogel aufging. Mit Panzer League stellt das Team nun auf der gamescom 2017 sein neues Mobile Game vor. Das MedienNetzwerk Bayern hat Thomas Renz und Manuel Roth von CipSoft am Games/Bavaria Gemeinschaftsstand getroffen.

  1. Wie erklärt ihr euch, dass Tibia seit 20 Jahren erfolgreich ist?

Thomas: Genau genommen war das erste Halbjahr 2017 das erfolgreichste, das wir je hatten. Warum, ist gar nicht so leicht zu erklären – genau wie unsere Hauptmärkte Brasilien, Polen, Schweden, Mexiko und USA. Der soziale Aspekt ist sicher nicht zu unterschätzen. Du kannst mit anderen Spielern chatten. Einige loggen sich ein und kommunizieren dann einfach mit ihren Freunden, ohne zu spielen.

Manuel: Die Zielgruppe ist mitgewachsen. Viele haben angefangen, als Teenies zu spielen. Mittlerweile haben sich die Lebensumstände geändert und die Bereitschaft, für das Spiel zu zahlen, ist größer Das erklärt, warum Tibia kommerziell erfolgreich ist.

  1. Warum Regensburg als Firmensitz?

Thomas: Die Gründer sind in Regensburg verwurzelt, da stellte sich nie die Frage, wegzugehen. Durch Einrichtungen wie Games/Bavaria funktioniert auch die Vernetzung mit der restlichen Branche in Bayern sehr gut – auch wenn viele Unternehmen in München sitzen. Gerade, wenn es ums Recruiting geht, ist Regensburg allerdings manchmal kein Vorteil. Viele wollen in die großen Städte – Berlin, Hamburg oder München.

Manuel: Also, ich bin von München nach Regensburg gezogen und finde es super – gerade was Kosten und Lebensqualität angeht.

Thomas Renz und Manuel Roth auf der gamescom. Foto: Katrin Baumer

 

  1. Nach 20 Jahren Tibia kommt nun mit Panzer League euer neues Spiel auf den Markt – wann ist es soweit?

Manuel: Wir sind gerade im Softlaunch, bringen das Spiel also erstmal i­­n einem kontrollierten Markt raus. Da probieren wir aus und verbessern das Spiel. Es ist extrem teuer, ein Spiel bekannt zu machen, also müssen wir erst sicherstellen, dass alles funktioniert und nichts abstürzt. Große Unternehmen können sich von so etwas erholen – uns als Mittelständler würde das sehr viel Geld kosten. Das Global Release ist aktuell für Ende 2017 geplant.

Thomas: Im Moment schauen wir, wie viele Leute das Tutorial schaffen, wie viele ein erstes Match spielen, wie viele am nächsten Tag auch noch da sind. Dann wartet etwas Detektivarbeit auf uns. Wir versuchen, herauszufinden, wo mögliche Ursachen für einen Ausstieg liegen und was wir noch besser machen können.

  1. Bleibt ihr eurer Linie treu?

Thomas: Bei Panzer League spielen zwei Teams mit je vier Spielern gegeneinander. Das Grundprinzip funktioniert einfach: Auf einer Karte sieht man Punkte, die man mit seinem Team in Besitz nehmen muss, und schießt Gegner ab. Aber das Meta-Game ist komplex – man hat zum Beispiel sehr viele Möglichkeiten, den eigenen Panzer auszugestalten: Macht er zum Beispiel mehr Schaden oder kann er selbst mehr Schaden schlucken?

Manuel: Tibia ist eine große Welt, in der alle zusammenspielen. Panzer League basiert auf Sessions, von denen eine etwa zehn bis 12 Minuten dauert. Auch das Setting unterscheidet sich stark – wir sind vom Fantasy Rollenspiel zu Scifi gewechselt. Viele Leute hat es überrascht, dass wir aus unserer Linie ausbrechen, weil wir stark mit Tibia identifiziert werden. Aber wir wollen uns nicht festlegen.

  1. Eure Gedanken zur gamescom:

Manuel: Ganz schön groß geworden. Als ich vor sechs Jahren zum ersten Mal hier war, kam es mir deutlich kleiner vor. Man merkt sowohl an der Business Area als auch an der Messe, dass die Industrie immer weiter wächst. Auch diese enorme Masse an Menschen, die kommt, wenn die gamescom offiziell die Pforten für die Öffentlichkeit öffnet!

Thomas: Wir selbst sind da schon fast wieder weg. Für uns sind die ersten Tage wichtig. Wir treffen Pressevertreter und zeigen ihnen das Spiel, lassen sie selbst spielen. Außerdem treffen wir uns mit Geschäftspartnern – teils mit Leuten, die wir bisher nur per Mail kennen. Und wir knüpfen neue Kontakte. Das kann vom Karten austauschen bis hin zu richtigen Meetings alles sein.

Manuel: Klar ist man über soziale Medien immer irgendwie vernetzt – aber ich finde es wichtig, sich auch mal persönlich zu treffen. Viele der anderen bayerischen Unternehmen kennen wir schon und nutzen die Gelegenheit auf der gamescom, uns immer wieder auszutauschen. Es ist schön, die Szene zu treffen und zu gucken, was die anderen machen. Man weiß nie, was sich daraus ergibt.