VR Business Club

„Die Hauptaufgabe besteht darin, am Puls der Zeit zu bleiben“

Maren Courage ist Gründerin des VR Business Club, des Business-Netzwerks für Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality. Am 20. September trifft sich der Club im Event Space des MedienNetzwerk Bayern zum Thema „VR für Brands und Entertainment“. Im Interview spricht Maren Courage über die Einsatzgebiete und Zukunftspotenziale von VR – und warum es so wichtig ist, immer am Puls der Zeit zu sein.

Frau Courage, ist VR mittlerweile in der allgemeinen Wahrnehmung in Deutschland angekommen? 

Maren Courage © AusserGewöhnlich Berlin

Maren Courage: VR als „Virtual Reality“ ist absolut überall angekommen, kaum jemand spricht mehr von „Volks-Republik“. Die junge Generation hat das Thema sowieso präsent und selbst die Generation, die noch dem linearen Fernsehen verbunden ist, hat aufgrund der medialen Aufmerksamkeit zumindest schon mal eine VR-Brille gesehen. Nur ganz wenige lehnen es allgemein ab, VR auszuprobieren. 

In welchen Bereichen lohnt es sich besonders, VR mitzudenken? Wo liegen die sinnvollsten Einsatzgebiete? 

Courage: Die Frage wird immer schwieriger, da aufgrund des wachsenden Marktes die Einsatzgebiete immer vielfältiger werden. Im Marketing ist es für die Medienbranche, den Tourismus und die Immobilienbranche sehr interessant. Im Automobilbereich gibt es weit mehr Einsatzmöglichkeiten als im Marketing, beispielsweise im Prototyping, in der Wartung, im Support, sowie im Fahrzeughallenbau. Immer mehr Anwendungen gibt es in der Medizin – sei es zur Heilung von Phobien oder als Hilfe der Chirurgen bei schwierigen Operationen.

Edutainment wird in den nächsten Jahren ein spannendes Feld für VR. Im Beratungsgeschäft passiert auch sehr viel, da es nun möglich wird, via VR Distanzen sehr einfach zu überwinden und sich in virtuellen Räumen zu treffen.

Neue Technologien gewinnbringend einsetzen

Ab wann wird VR unseren Alltag prägen? Und wer ist beteiligt daran?

VR Business Club in der Mercedes-Benz Arena am 27. Juni 2017. Foto: VR Business Club

Courage: Beteiligt sind in erster Linie die Hardwarehersteller und natürlich die Industrien, die VR und AR zunehmend einsetzen. Einerseits könnte man sagen, es geht so richtig los, wenn die Brillen den Massenmarkt erreichen. Andererseits werden die Geräte erst massenmarkt-tauglich, wenn sie für jeden Consumer wie ein Smartphone bezahlbar sind und wenn es genug Anwendungen gibt, die darauf reibungslos laufen.

Auf dem Smartphone haben wir alle wichtigen Apps und Kontakte gespeichert und sind mobil wunderbar miteinander vernetzt. Die Erwartungen an ein neues Medium sind entsprechend hoch. Insofern wird zuallererst der B2B Markt vorpreschen. Im Moment geht es bei den meisten Anwendungen entweder um echte, unglaubliche Erlebnisse, die ich vielleicht sonst niemals haben könnte, oder um Zeit – und Kostenersparnis im Unternehmen.

Im Bildungsbereich kann noch dazu die Lernmotivation enorm gesteigert werden. Aber bei allen Anwendungen steht ein unmittelbarer und klar erkennbarer Nutzen im Vordergrund, der global gesehen für die Alltagstauglichkeit noch nicht erkennbar ist.

Was sind die Aufgaben und Ziele des VR Business Club?

Gemeinsam mit Maren Courage hat Oliver Autumn den VR Business Club gegründet. © AusserGewöhnlich Berlin

Courage: Die Hauptaufgabe besteht darin, am Puls der Zeit zu bleiben und die Trends, die sich für VR und AR abzeichnen frühzeitig zu erkennen. Natürlich sehen wir es als unsere Aufgabe, die Erwartungen unserer Mitglieder zu erfüllen, sie aber auch herauszufordern und zu überraschen. Unser Ziel ist es, Führungskräfte der verschiedensten Branchen verstehen zu lassen, was es mit neuen immersiven Technologien wie VR, AR (Augmented Reality) und MR (Mixed Reality) auf sich hat, wie man diese Technologien gewinnbringend im eigenen Unternehmen einsetzen kann und wo vielleicht ganz neue Businessmodelle entstehen. Auch wenn VR vielleicht als Medium selbst noch keine große Rolle für manche Unternehmen spielt, sind viele neugierig und versuchen, ihre Kunden und den Markt besser zu verstehen. Dabei stoßen sie dann wiederum auf Fragestellungen, die auch für uns als Initiatoren höchst interessant sind und denen wir auf den Grund gehen.

„Wir wollen nicht nur ein Netzwerk sein, in dem man eben drin ist“

Wo liegen die Herausforderungen der Zukunft für den VR Business Club?

Courage: Den großen Überblick zu behalten und auch zu verstehen, wie sich Deutschland zwischen den zwei großen VR-Hotspots China und Silicon Valley positionieren kann. Es geht auch darum, europäische Werte zu erhalten und Regelwerke zu finden, um einen effektiven und gesunden Umgang mit virtuellen Werten auch für die nachfolgenden Generationen zu gewährleisten.

Eine weitere große Herausforderung besteht darin, für unsere Mitglieder und für unsere Technologiepartner wertvolle und erfolgreiche Projekte zu initiieren, Synergien mit starken Partnern zu schaffen und den Austausch mit großen Playern wie Google, Microsoft, Samsung und Co. intensiv zu halten. Die Lebendigkeit des Netzwerkes und das Ausloten der Möglichkeiten, die sich für unsere Mitglieder ergeben, sind uns wichtig.

VR Business Club in der Mercedes-Benz Arena am 27. Juni 2017. Foto: VR Business Club

Wir wollen nicht nur ein Netzwerk sein, in dem man eben drin ist, sondern die Leute sollen sich verstanden fühlen und die Chance haben, zu den verschiedensten Problemstellungen in Bezug auf VR, AR, MR und angrenzende Themen mit uns in die Tiefe zu gehen.

Was passiert auf den regelmäßigen VR Business Club Treffen? 

Courage: Wir laden immer ein Start-up ein, das in der ersten halben Stunde seine VR Technik mit den entsprechenden Inhalten präsentiert. Dann beginnt der Talk, bei welchen wir passend zum Thema einen kleinen Film zeigen. Im Anschluss sprechen wir mit den anwesenden Experten und kommen meistens in einen sehr lebendigen Talk mit den anwesenden Gästen.

Danach gibt es noch eine Fragerunde in kleinen Gruppen, damit auch wirklich jeder Gast zu Wort kommt. So lernen wir die Teilnehmer besser kennen und auch untereinander entsteht auf diese Weise ein schöner Austausch. Am Ende gibt es ein Get Together mit Snacks und Drinks. So lassen wir den Clubabend in entspannter Atmosphäre ausklingen.