WERK1

„Ein Robin ist nie genug“

Robin Hartmann und Robin Kocaurek unterstützen als Projektleiter Games im Gründerzentrum WERK1 die bayerische Spieleindustrie. Im Interview erzählen sie, warum es dafür mehr als einen Robin braucht, wieso die bayerische Branche auf die Gamescom gehört und weshalb sie gerne mit Barack Obama plaudern würden.

Wer seid ihr und was ist euer Hintergrund?

Robin Hartmann: Hi, ich bin Robin.

Robin Kocaurek: Hi, ich bin auch Robin.

Robin H: Ich bin Projektleiter Games beim WERK1. Vorher habe ich eine Ausbildung bei einer Bank als Informatikkaufmann gemacht und war drei Jahre in der IuK-Industrie tätig. Aber dann habe ich ein Studium im Bereich Production und Management durchgezogen, das speziell auf die Spieleindustrie ausgerichtet war und bin jetzt seit siebeneinhalb Jahren in der Branche.

Robin Kocaurek und Robin Hartmann. Foto: WERK1

Robin K: Bevor ich zum WERK1 gekommen bin, habe ich einige Stationen durchlaufen: Schon als Schüler fing ich an Games zu modeln und habe ein Browsergame mit Mitschülern gebaut, das dann mehr oder weniger legal auf dem Schulserver im Keller lief. Nach dem Abi wollte ich etwas Anständiges machen und habe zuerst im Bereich Webdesign, Veranstaltungstechnik und Eventmanagement gearbeitet. Dann habe ich Games Design an der MD.H in München studiert und anschließend das kleine Games Studio Klonk Games gegründet.

Seit Mai 2017 gibt es zwei Robins im WERK1 – warum ist ein Robin nicht genug?

Robin H: Weil ein Robin nie genug ist!

Robin K: Das ist das absolute Mindestmaß!

Mit zahlreichen Veranstaltungen bringt Games/Bavaria die Branche zusammen. Foto: WERK1/Robin Hartmann

Robin H: Die lange Antwort ist: Wir unterstützen vom WERK1 aus die Spiele-Industrie und bisher war ich hier eine Ein-Mann-Armee mit unglaublich vielen Aufgaben: Wir hosten Events, organisieren Gemeinschaftsstände, kümmern uns um Social Media Auftritte der Dachmarke Games/Bavaria, beraten die Branche und sind erster Ansprechpartner für unsere Industrie, aber auch Fremd-Industrien, wenn es um Spiele geht. Wenn wir weiterhin die Qualität erhöhen und Games/Bavaria noch weiter voranbringen wollen, reicht ein Robin nicht aus.

Braucht ihr bald einen dritten Robin?

Robin H: Wir suchen schon. Aber es ist gar nicht so einfach, uns gehen die Robins aus.

Robin K: Robins sind eine endliche Ressource. Auf dem letzten GamesCamp hatten wir sogar ein Robin-Panel. Alle, die auf der Konferenz waren und Robin hießen, mussten sich im Panel dem Thema „Ask Robin Anything“ stellen.

Erste Anlaufstelle für die Gamesbranche

Wie erklärt ihr euren Omas den Job?

Robin H: Gar nicht!

Robin K: Ich habe auch ein bisschen aufgegeben! Es ist tatsächlich nicht einfach, weil es unfassbar spezifisch ist und viele nicht wissen, dass um die Games herum ein Riesen-Business gewachsen ist. Die einfache Variante wäre: Wir unterstützen kreative Unternehmer mit ihren Ideen, ihren Firmen und Projekten nach unseren Möglichkeiten.

Robin H: Ich bin über die Schiene gegangen: „Oma, ich helfe den Leuten in Bayern, die Spiele erstellen.“ Was auch ein cooles Argument ist, das bei meiner Oma gut zieht: „Oma, ich mache das für das bayerische Wirtschaftsministerium.“ Das klingt natürlich toll!

Robin K: Ja mei, der Enkel macht endlich etwas Anständiges!

Ich habe eine gute Games-Idee und brauche Geld und die richtigen Leute. Bin ich bei euch richtig?

Alle Aufgaben allein zu stemmen war für Robin Hartmann im WERK1 irgendwann zu viel. Eine tolle Entwicklung. Foto: WERK1

Robin H: Du hast eine Idee, die was mit Spielen zu tun hat, und lebst in Bayern? Dann bist du bei uns definitiv richtig! Wir dienen als erster Ansprechpartner, wenn man eine Idee hat und mit jemanden darüber sprechen will. Bei manchen Dingen können wir konkret helfen, sei es durch Fachwissen im Eventmanagement oder auch durch unseren Hintergrund aus der Spieleindustrie. Oder wir können Leute an die richtigen Stellen verweisen: Wir selbst als WERK1 geben zum Beispiel kein Geld …

Robin K: Wir sind eher geizig.

Robin H: … aber wir können dir zeigen, wo es Geld gibt. Zum Beispiel beim FilmFernsehFonds Bayern (FFF). Dort gibt es eine extra Games-Förderung.

Robin K: Wir organisieren zudem viele Veranstaltungen, auf denen sich die Entwickler treffen können. Etwa das GamesCamp oder den Global Game Jam. Das sind auch die Orte, an dem ich den Einstieg in die Branche gefunden habe. Das GamesCamp ist eine Veranstaltung mit etwa 200 Teilnehmern. Dort können sich die Teilnehmer ein Wochenende lang über Games auszutauschen. Die großen Professionals kommen mit Hobbyisten und Neugierigen zusammen. Wenn du was mit Games machen willst: Geh da hin, zeig dein Zeug und du hast eine gute Chance, die richtigen Leute zu finden!

„Inzwischen gibt es von Seiten der Politik echten Support“

Was ist das Besondere an der bayerischen Gamesszene?

Robin H: Bier, definitiv Bier!

Robin K: Was ich an der Szene mag, ist der unkomplizierte und vertrauensbasierte Austausch, auch zwischen den Unternehmen. Man kann mit der Konkurrenz offen über Probleme und deren Lösungen diskutieren und sich unter die Arme greifen.

Auf was seid ihr besonders stolz?

Robin H: Besonders stolz bin ich auf die Entwicklung der letzten drei Jahre und was seitdem mit Games/Bavaria passiert ist. Wir haben es geschafft, die Marke zu pushen und nach vorne zu bringen. Man sieht, dass sich in Bayern einiges bewegt, dass wir hier eine Industrie und Community haben. Die Sichtbarkeit dafür zu generieren ist das Größte, was wir hier geschafft haben, würde ich sagen.

Aus eins mach zwei: Hier arbeiten die Robins. Foto: Benjamin Heinz

Und ein ganz konkreter Meilenstein: Die zweite Stelle! Und nicht nur bei uns, auch beim FFF gibt es ein neue Stelle für den Gamesbereich: Zu Michaela Haberlander ist  nun Lena Fischer als Förderreferentin Games dazu gekommen. Das ist echt ein cooles Commitment, auf das wir viele Jahre hingearbeitet haben – die ganze Industrie. Inzwischen gibt es von Seiten der Politik echten Support in Form von finanzieller Förderung und Menschen wie uns, die das Thema Games weiter voranbringen.

Wohin wollt Ihr in den nächsten fünf Jahren?

Robin H: Das Lustige ist, dass man nicht vorhersehen kann, was in der Spieleindustrie in fünf Jahren passieren wird. Da wir aber nah an der Politik sind, müssen wir langfristig planen. Wir werden das GamesCamp, unseren Gemeinschaftsstand auf der Gamescom und andere Veranstaltungen weitermachen, aber auch neue Dinge probieren.

Robin K: Wir möchten zum Beispiel, dass Neulinge in der Branche direkt von uns profitieren können. Dafür ist der FFF da – und der hat sein Budget für die Gamesförderung mächtig aufgestockt: Auf 1,8 Millionen Euro. Das wollen wir flankieren mit begleitenden Maßnahmen, die Neugründungen wirklich weiterbringen.

Bayerische Präsenz auf der Gamescom

Stichwort Gemeinschaftsstand Bayern auf der Gamescom: Was habt ihr in diesem Jahr vor?

Robin H: Wir haben inzwischen 200 qm mit zehn ausstellenden, bayerischen Unternehmen, dazu unseren Biergarten und einen Burgturm. Diese Firmen sind dabei: Travian Games, CipSoft, FDG Entertainment, F+F Distribution, TeamSpeak, Mothership, GameInfluencer, BiTKiP, Optile office sharing und Testbirds.

Wie jedes Jahr laden wir am zweiten Tag der GamesCom zum bayerischen Frühstück, auf dem wir Branchenvertreter, Politik und Presse empfangen Da gibts dann ein gutes bayerisches Bier, Drei im Weggla und Leberkäsbrötchen.

Robin K: Hast du gerade Brötchen gesagt? Hast du wirklich LeberkäsBRÖTCHEN gesagt?!

Robin H: Wer sagt das?

Robin K: Wollen wir mal in der Geburtsurkunde nachsehen, kommst du wirklich aus Bayern?

Robin H: Robin, möchtest du wirklich diese Frage stellen … im Interview?

Robin K: Also ich bin hier geboren!

Robin H: Ok … ich bin Hesse …

Robin K: … Leberkäsbrötchen …

Robin H: Das stand damals in der ersten Pressemitteilung: “Der Hesse für Bayern”. Ist also kein Geheimnis.

Warum ist die bayerische Präsenz auf der Gamescom so wichtig?

Konzeptzeichnung des bayerischen Gemeinschaftsstands auf der Gamescom 2017

Robin K: Die GamesCom ist die größte Games Consumer Messe der Welt und DER Treffpunkt für die Branche. Der Games-Markt ist international, der Binnenmarkt ist für unsere Unternehmen auch nur bedingt interessant und es ist wichtig, dass wir internationale Partner haben und treffen.

Robin H: Gemeinsam stark ist das Stichwort! Für uns und die Unternehmen ist das toll, wir können hier gemeinsam unsere Region promoten, können zeigen was wir alles haben und uns national und international vernetzen.

Robin K: Der Stand ist auch auf dem Feedback der bayerischen Unternehmen gewachsen. Wenn ich mir die Stände der letzten Jahre ansehe, waren die super, aber auch hemdsärmelig und eher basic. In den letzten Jahren haben wir uns vergrößert und weiter professionalisiert.

Bier mit Obama

Mit wem würdet ihr gerne ein Bier trinken?

Robin H: Ich würde gerne mit Barack Obama plaudern, über seine Arbeit und wie er die letzten Jahre gesehen hat. Das fände ich megaspannend!

Robin K: Mit dem nächsten Games-Topseller und sein Erfolgsrezept erfahren! Mich interessieren die Intentionen und Persönlichkeiten hinter solchen Geschichten, weil die persönliche Note häufig der Schlüssel zum Erfolg ist. Aber eigentlich trinke ich gerne mit jedem ein Bier, auch mit Leuten, die Spiele extrem verhauen haben. Da kann man ebenfalls viel lernen.

Robin H: Jetzt hast du die Philosophie-Bombe gedropt!

Robin K: Eine sehr lange Antwort auf die Frage, mit wem ich gerne ein Bier trinken würde …

Wo kann man euch im nächsten Monat treffen?

Robin H: Beim Biertrinken mit Obama.

Robin K: Im September findet Talk & Dev statt, worauf ich richtig Bock habe! Dort wird auf der Bühne über Games geredet und Entwickler bringen eigene Games mit, fertig und noch unfertig. Die Veranstaltung ist bewusst für die breite Öffentlichkeit, nicht nur um Entwickler anzusprechen.

Robin H: Und wir haben die BBQ Gamejam. Ein eintägiger GameJam der abends in eine Grillparty mündet: Games, Grillgut und Bier, was kann es Schöneres geben?

 

Die Fragen stellte Benjamin Heinz.