Coding Bootcamp

„Sie alle haben die dritte Tür benutzt!“ #Bootcamptagebuch

Rauchende Köpfe und Momente des Verzweifelns auf unserem Weg zum Coder kennen wir ja schon vom ersten Wochenende des Coding Bootcamp im April. Javascript und damit Funktionen, Variablen, Strings und animierte Katzenbilder dagegen waren für viele neu. Doch wer coden lernen will, muss dran bleiben … und die dritte Tür benutzen.

Hoffnungsvolle Coding-Journalisten. Foto: Thomas Mollen

Vier Wochenenden pures Coder-Glück – das verspricht das Coding Bootcamp am ifp München in Kooperation mit dem Media Lab Bayern, dem MedienNetzwerk Bayern und dem MDG. Vom 14. bis 16. Juli 2017 fand das zweite Modul statt. Diesmal auf dem Programm: Javascript mit dem freischaffenden IT-Experten Felix Ebert. „Keine Sorge, so schwer ist das nicht. Javascript ist eine relativ leichte Programmiersprache.“ Sagte der Informatiker zu Beginn. Die Journalisten nickten. Und hatten Hoffnung. Dabei weiß jeder, was es heißt, wenn ein Experte sagt, so schwer sei es eigentlich gar nicht.

Wer etwas will, muss dranbleiben

Aber jeder weiß auch: Wer etwas will, muss dran bleiben. Und laut Alex Banayan die dritte Tür benutzen. Drei Eingänge gebe es, so beschreibt es der 24-jährige Jung-Manager in seinem Buch „Die dritte Tür“. „Da ist zum einen die erste Tür, vor der 99 Prozent der Leute in einer Schlange stehen und hoffen, hineingelassen zu werden. Dann gibt es da noch die zweite Tür, die Millionäre, Stars und Menschen von Adel benutzen. Doch dann ist da immer auch die dritte Tür.“ Es sei dieser Eingang, schreibt er, für welchen man aus der Reihe tanzen, die Allee runterrennen, über den Müllcontainer klettern, hundert Mal an die gleiche Tür klopfen, schließlich das Fenster aufbrechen und sich durch die Küche schleichen muss.

Ein Workshop in der Bibliothek der ifp. Foto: Isolde Fugunt

So ungefähr fühlt sich das für einen Journalisten beim Coden auch an. Schließlich sind wir keine Informatiker. Und werden es auch nach vier Coding-Wochenenden nicht sein. Da sind die grauen Gehirnzellen nach einem Wochenende schnell randvoll gefüllt. Welche Variable muss ich hier nochmal definieren? Und welche Funktion brauche ich nochmal, um jetzt dieses Katzenbild zu animieren?

Auch für die Webdesigner und Informatiker, die uns an drei Tagen näher bringen sollen, was sie in einem Jahr während des Studiums lernen, ist das Ganze eine Herausforderung. Und eine Spielwiese. Um sich hier richtig austoben zu können, muss man üben, üben, üben. Über die Allee und den Müllcontainer durch die Küche die Tür einrennen.

Das Beruhigende daran ist: „Es gibt immer einen Weg hinein! Egal ob Bill Gates so seine erste Software verkaufte oder Steven Spielberg auf diese Weise der jüngste Regisseur in Hollywood wurde – sie alle haben die dritte Tür benutzt!“ Gut. Keiner von uns heißt Gates, Jobs oder Spielberg, aber wir sind hartnäckig – sonst säßen wir an diesem Wochenende nicht gemeinsam in einem Raum des ifp in München, um zu lernen, wie man Codes liest. Das ist eines der Ziele dieses Coding-Bootcamps.

Mühelos HTML, CSS und Javascript unterscheiden

Das zweite Wochenende ist geschafft. Die Teilnehmer profitieren bereits vom Gelernten. Foto: Michael Haas

„Ich hatte beim letzten Mal den Eindruck, dass die meisten jetzt mühelos HTML, CSS und Javascript unterscheiden können,“ sagte Isolde Fugunt, Koordinatorin des Bootcamps und Seminarleiterin des ifp, nach dem zweiten BootcampWochenende. „Viele andere Dinge, die am Anfang nur Stichworte waren – wie Github, Terminal, JQuery bekommen langsam einen Sinn.“

Die größte Bestätigung aber kam für sie am Samstag beim Mittagessen. Denn gleich mehrere Teilnehmer erzählten, dass sie von ihren Code-Kenntnissen schon ganz real in der Praxis profitieren konnten. „Eine Teilnehmerin hatte sogar einen kleinen CSS-Fehler im Code der neuen Website entdeckt, den sie überraschend für eine ausgefallene Kollegin kontrollieren sollte,“ erzählt Isolde begeistert. „Das hatte ich so nicht erwartet!“ Die dritte Tür, wie Alex Banayan sie beschreibt, mag das noch nicht sein. Aber es zeigt, dass Hartnäckigkeit sich immer auszahlt. Auch und vor allem beim Coden.

Von Stefanie Eisenreich