Digital lernen

Der Cornelsen Verlag übernimmt das mBook

Mit der Übernahme des multimedialen, interaktiven mBooks möchte der Cornelsen Verlag sein digitales Angebot für Schulen ausbauen und zeitgemäßes, individuelles Lernen fördern.

Die Chancen der Digitalisierung für Schulen nutzen und die Schülerinnen und Schüler auf die Lebenswelt vorbereiten – das bedarf sowohl der technischen Ausstattung, als auch digitaler Kompetenzen der Unterrichtenden. Doch zur Hardware gehören Inhalte, die auf das Lernen mit Tablets, Laptops oder Smartphones zugeschnitten sind und digitales Lernen didaktisch sinnvoll ermöglichen.

Florian Sochatzy. Foto: Institut für digitales Lernen

„Die Erkenntnis, dass die Welt digital wird, und dass man Unterricht und Lernen grundsätzlich neu denken muss, ist bei den meisten Verlagen vorhanden. Worauf es jetzt ankommt, ist die Umsetzung“, sagt Florian Sochatzy, Erfinder des digitalen Schulbuchs mBook, das vom Eichstätter Institut für digitales Lernen entwickelt wurde. Der Cornelsen Verlag ist bereits erste Schritte gegangen. Zum Verlagsprogramm zählt eine Bandbreite an digitalen Angebote, darunter Lern-Apps und ein VR-Prototyp für den Biologieunterricht. Und nun auch das mBook.

Digitale Transformation fördern

Mithilfe des multimedialen, interaktiven Schulbuchs will der Verlag mit Sitz in Berlin und München neue Technologien im schulischen Kontext stärker nutzen. „Die technologischen Entwicklungen verändern Kundenerwartungen und eröffnen unglaublich viele Möglichkeiten, Lernszenarien neu zu denken“, erklärt die Cornelsen-Geschäftsführerin Anja Hagen. „Wir führen nun Netzwerk und didaktische Erfahrung von Cornelsen mit dem konsequent digitalen Blick des mBook-Teams auf Lehr- und Lernprozesse zusammen. So schaffen wir optimale Voraussetzungen für neue multimediale und interaktive Produkte, die begeistern und individuellen Lernerfolg unterstützen.“

Anja Hagen. Foto: Cornelsen Verlag

Mit dem mBook schuf das Eichstätter Institut für digitales Lernen ein browserbasiertes Schulbuch, das alle Inhalte und Medien für jede Jahrgangsstufe sowie ein zusätzliches Lehrerhandbuch in sich vereint. Die Schülerinnen und Schüler haben zum Beispiel die Möglichkeit, Aufgaben direkt im Buch zu bearbeiten, Inhalte zu markieren oder Notizen hinzuzufügen. „Unser Denkansatz ist kompetenzorientiert. Wir möchten die Lernenden dazu befähigen, eigenständig kritisch zu denken“, erklärt Sochatzy. „Die Inhalte zu verstehen und anwenden zu können ist unser Ziel – nicht bloßes Auswediglernen von Zahlen und Fakten.“

mBooks für sämtliche Unterrichtsfächer

Momentan gibt es das mBook nur für das Fach Geschichte, in der neuen Cornelsen mBook Gmbh sollen nun Inhalte ausgebaut und digitale Schulbücher für sämtliche Unterrichtsfächer entwickelt werden. Eine spannende Herausforderung für das neue Cornelsen-mBook-Team, glaubt Sochatzy. „Vor allem kommt es auf ein vernetztes Arbeiten im Gesamtteam an. Digitalaffine Lehrer entwickeln als Autoren gemeinsam mit IT-,  Film- und Animations-Leuten, Grafikern und Experten aus dem Audiobereich das fertige Produkt.“

Schon seit September 2016 ist das erste mBook über ein Lizenzsystem für Schulen, Bibliotheken und Privatpersonen verfügbar. Es wird bereits von verschiedenen Einrichtungen im In- und Ausland genutzt, unter anderem in Rio, Shanghai und Tokio.

Eine der Vorreiterschulen ist die Realschule am Europakanal in Erlangen. Sie ist Teil des Modellversuchs „Digitale Schule 2020“. Mit dem von der Stiftung Bildungspakt Bayern durchgeführten und von der vbw mitfinanzierten Modell treibt das bayerische Kultusministerium die Digitalisierung und technische Weiterentwicklung an Bildungseinrichtungen voran.

„Ein Wandel im Denken ist spürbar“

An einigen Schulen lernen die Schülerinnen und Schüler bereits mit iPads. Foto: pixabay

Kai Wörner unterrichtet Deutsch, Geschichte, Ethik, Sozialkunde an der Realschule am Europakanal und ist seit sechs Jahren Klassleiter in den 2011 eingeführten iPad-Klassen. „Als ich das Projekt vor ein paar Jahren auf Lehrerfortbildungen vorgestellt habe, wirkte es eher exotisch und viele glaubten, so etwas ließe sich in ihrer Schule nicht umsetzen. Diese Annahme ist jetzt weg und ein Wandel im Denken deutlich spürbar“, sagt Wörner.

So gebe es bereits einige Initiativen zur Digitalisierung der Schulen in den Bundesländern und Regierungsbezirken und dazu Angebote zu Lehrerfortbildungen, um sie für die neuen Herausforderungen fit zu machen und Hemmungen abzubauen. „Wenn man mit digitalen Medien arbeitet, muss man einen hohen Grad an Kontrollverlust zulassen. Das macht einigen Lehrern Angst“, weiß Wörner. „Man muss darauf vertrauen, dass die Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich arbeiten und ihre Sachen ordentlich machen.“ Am wichtigsten sei, vertrauensvoll an die Sache heranzugehen und Fehler zuzulassen, aber auch untereinander Erfahrungen auszutauschen. Bei Twitter hat sich bereits eine Lehrercommunity gebildet, die sich unter dem Hashtag #BayernEdu über das Unterrichten mit digitalen Medien austauscht.

Keine Digitalisierung um jeden Preis

Kai Wörner stellt das mBook vor. Foto: privat

Für Wörner ist das mBook fester Bestandteil des Geschichtsunterrichts; Er hat gute Erfahrungen gemacht: „Das mBook mit seiner Materialvielfalt vereint zahlreiche Medien in einem Buch, die man sonst mühsam zusammensuchen müsste. Das hilft bei Prüfungsvorbereitungen und bedient verschiedene Lernvorlieben.“

Ausschließlich mit digitalen Angeboten zu arbeiten, kann sich der digitalaffine Lehrer nicht vorstellen. Er arbeitet nach der Devise: Ergänzen, nicht ersetzen. „Man muss sich schon Gedanken machen, wann welche Methode Sinn macht. Digitalisierung um jeden Preis ist nicht der richtige Weg“, sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „Manchmal lasse ich meine Schülerinnen und Schüler sogar noch in ein Heft schreiben.“