30 Jahre bayern design

Des Freistaats schönste Formen

Folgt die F­orm der Funktion oder die Funktion der Form? Eine schwer zu beantwortende Frage – denn beides ist heute untrennbar miteinander verbunden.  Design hat  längst mehr zu bieten als nur eine schöne Optik. Und Bayern hat einiges zu bieten in Sachen Design. Dass dies heute weit über die Grenzen des Freistaates hinaus bekannt ist, dafür hat auch die Initiative bayern design gesorgt, die am 5. Juli ihr 30-jähriges Bestehen feierte.

Dass ein Sportschuh heute nicht mehr nur eine Existenzberechtigung auf dem Fußballrasen oder der Aschenbahn hat, ist überall zu sehen: in Innenstädten, in Clubs und in Büros. Ihr  Chic hat sie  längst alltags- und  businesstauglich gemacht. Dass ein Industrieroboter ein gern abgelichtetes Objekt ist, liegt nicht nur daran, dass er auch ein Weizenglas halten kann, sondern mit langen, orangefarbenen Armen eine gewisse Eleganz ausstrahlt. Und selbst Computertomographen werden nicht mehr nur für ihr Können ausgezeichnet, sondern auch für ihre Formschönheit.

Designs der Sportartikelhersteller Adidas und Puma, des Roboterherstellers KUKA oder der Medizintechniksparte von Siemens sind nur einige Beispiele, die heute weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt und erfolgreich sind. Und damit erheblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen beitragen.

Kuka mit bayern design auf der Expo Milano 2015. Foto: bayern design

Auch die Firma Faber-Castell hat sich ihren anspruchsvollen Ruf mit ungewöhnlichen und edlen Stifte-Designs erworben. Anton Graf von Faber-Castell wusste schon zeitig um die Bedeutung einer „Designstrategie für den langfristigen Markterfolg von Unternehmen“. Kein Wunder also, dass er es war – an der Spitze von Faber-Castell in achter Generation –, der die Initiative 1987 ins Leben rief. Damals als Förderkreis Designforum Nürnberg e.V..

Ein Ort, an dem Kreative zusammenkommen

Was ursprünglich nur als lokale Initiative gedacht war, entwickelte sich rasant zu einem Kompetenzzentrum von überregionaler Bedeutung. Heute heißt der Verein  bayern design forum e.V.  und ist vor allem Träger der im Jahr 2001 gegründeten  bayern design GmbH,  die  – zudem gefördert vom Bayerischen Staatsministerium – alle staatlichen Designaktivitäten im Freistaat koordiniert.

„Das Unternehmen ist in erster Linie unabhängiger Ansprechpartner für die mittelständische Wirtschaft in Sachen Design“, erklärt Silke Claus, Geschäftsführerin von bayern design, dessen vorrangige Aufgabe. „Wir beraten auch in Förderangelegenheiten. So können mit Hilfe des Wirtschaftsministeriums hochkarätige Veranstaltung wie zum Beispiel das Unternehmerforum ‚Stadt – Land – Fluss‘ bei der Firma Kermi in Plattling umgesetzt werden.“ Oder ein Porzellan-Workshop in Selb – Heimat einer einst großen Keramikindustrie.

Silke Claus. Foto: Anna Seibel

Oder die Munich Creative Business Week (MCBW), die der Münchner Ableger von bayern design seit 2012 organisiert. „Mit der Munich Creative Business Week hat bayern design den größten Designevent für Auftraggeber und Auftragnehmer in Deutschland realisiert. Innerhalb von nur sechs Jahren reiht sich die MCBW bereits in die weltweit größten Designwochen ein“, sagt Claus. Design-Fans und -Interessierte aus der ganzen Welt kommen hier zusammen.

Vor allem aber ist bayern design ein Netzwerk, das Unternehmen, Agenturen, Initiativen, mit jungen Kreativen und mit  Hochschulen  – ob Coburg, Hof oder München – zusammenbringt. Von allen  gibt es mittlerweile reichlich im Freistaat. Kaum ein kreativer Bereich wächst mit solch einem Tempo wie dieser.

Auch Design will erforscht werden

Doch nicht nur um das, was ist, geht es. „Das Thema Designtheorie und Designforschung liegt uns ebenfalls am Herzen. Wir haben uns deshalb dafür eingesetzt, dass beim Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner seit 2017 zusätzliche Kategorien wie Designtheorie ausgelobt werden“, so Claus.

Und so, wie ein Design weiterentwickelt werden will, gilt dies auch für bayern design. Die Geschäftsführerin, selbst studierte Architektin, weiß auch, wohin: „Zukünftig werden wir uns verstärkt Kreativitätstechniken und Innovationsmethoden, sozialen Themen sowie der Digitalisierung in unseren Veranstaltungen widmen. Bei letzterem steht insbesondere das Thema Internet of Things im Vordergrund.“

Erst einmal aber wird gefeiert. Das Motto: „Design. Business as unusual.“ Und wo wäre die Feier stilvoller als am Gründungsort – dem Faber-Castell-Schloss in Stein bei Nürnberg.

 

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Anlässlich des 30. Jubiläums stellt bayern design seine Mitglieder auf Facebook vor.