Lokalrundfunktage

Lokale Sender auf Smart-TV-Apps

Die Konkurrenz ist groß. Mit 5.000 anderen Anbietern stehen bayerische Lokalsender auf dem Fire-TV-Stick von Amazon im Wettbewerb. Doch die Zahl ist noch deutlich überschaubarer als in anderen App-Stores. Laut Statista sind es zum Beispiel im Google-Play-Store aktuell drei Millionen Apps. Ein guter Zeitpunkt also, um sich auf Smart-TVs zu positionieren. Dieser Meinung war auch die Reichertshausener Agentur Web1TV.

Wer abends um 18 Uhr, also zur wichtigsten Sendezeit lokaler Fernsehsender, nicht zu Hause ist, muss zukünftig nicht mehr darauf verzichten, die Berichte aus der heimatlichen Region auf dem Fernseher ansehen zu können. Alle 14 bayerischen Lokalsender sind ab Ende Juni mit einer eigenen Mediatheks-App auf Smart-TVs zu finden. Drei Monate lang exklusiv auf dem Fire-TV-Stick von Amazon, gefeatured unter einer eigenen Rubrik mit dem Namen „Regionales“. Anschließend auch auf Plattformen wie Apple-TV und HbbTV.

Christian Dutz. Foto: privat

Christian Dutz, Geschäftsführer der oberbayerischen Agentur Web1TV, hat diesen Deal ausgehandelt. Das halbe Jahr zuvor hieß es jedoch erst einmal, die App konzipieren, designen, programmieren und den Sendern gleichzeitig die Vorteile dieses Distributionsweges aufzuzeigen. Dutz hat zwei starke Argumente: „Fernsehen konsumiert sich schöner über das TV-Gerät im Wohnzimmer. Und außerdem sind die Programme mittlerweile fast alle in HD-Qualität verfügbar.“

Die Entwickler haben die App so konzipiert, dass sie von jedem Sender individuell angepasst werden kann. Der grobe Aufbau bleibt gleich. Rubriken können jedoch umplatziert oder umbenannt, Layout-, Farb- oder Logoanpassungen auf die Marke des Senders abgestimmt werden. Ein Weg also, um ein Produkt vielen Kunden anbieten zu können.

Komplexe Anforderungen berücksichtigt

Auch für Mediatheken relevante Angaben wie Rechteverwaltung, Jugendschutzfreigaben oder eine automatische Depublikation von Inhalten können im System von Web1TV verwaltet werden. Denn nicht alle Videos dürfen gleich lang im Internet verfügbar sein oder zu jeder Tageszeit gezeigt werden.

Das im Hintergrund liegende Content-Management-System, über das Redakteure Videos hochladen, beschriften und platzieren, ist WordPress. Allerdings ergänzt um „weitere, eigens entwickelte Plugins“, erklärt der Geschäftsführer der Reichertshausener Medianagentur. „Wir haben uns dafür entschieden, weil es a) sehr weit verbreitet, b) intuitiv bedienbar und c) individuell skalierbar und anpassbar ist“.

Screenshot: augsburg.tv

Für die Sendungsredakteure durchaus ein Vorteil. Sie müssen die Mediatheks-App für Smart-TVs nicht in einer gesonderten Software pflegen. Einmal in das bereits im Einsatz befindliche WordPress-CMS eingepflegt, werden die Videos mit sämtlichen Metadaten, Überschrift und dazugehörigem Text auch auf den Smart-TVs ausgespielt.

Genau diesen Aspekt sieht Christoph Rolf, Studioleiter von Oberpflanz TV, kurz OTV, als großen Vorteil. „Es ist besonders attraktiv, weil alles aus einem System kommt und auf einem Server liegt.“ Der bayerische Sender hat schon seit vielen Jahren eine Mediathek im Web. Sich nun auch auf Smart-TVs zu platzieren, ist für Rolf eine strategische Entscheidung. „Ob kleiner oder großer Sender: Man muss sich zeitgemäß weiterentwickeln und da gehört auch dazu, auf Smart-TVs vertreten zu sein. Es ist ein wichtiger zusätzlicher Ausspielweg, um für die Zukunft gerüstet zu sein“, sagt der Studioleiter.

Zwar geht er noch nicht davon aus, dass alle Nutzer, die einen Smart-TV im Wohnzimmer stehen haben, dessen gesamte Funktionalitäten bereits kennen und nutzen. Aber das werde sich in Zukunft intensivieren, so Rolf. Darauf will er mit dem Sender OTV vorbereitet sein. Weitere Sender, die ab Juni auf dem Fire-TV-Stick verfügbar sein werden, sind unter anderem: allgäu.tv, intv, ISAR TV, münchen.tv oder auch TV Oberfranken.

Screenshot: TVO-Nachricht

Gefördert

Weil auch die Bayerische Landeszentrale für neue Medien Smart-TV-Apps als zukunftsträchtigen Ausspielweg sieht und lokale Sender beim Ausbau neuer Distributionswege unterstützten will, fördert sie das Angebot. Die lokalen, bayerischen Sender müssen deswegen deutlich weniger für die App zahlen. Und weil sich tatsächlich alle lokalen Sender am neuen Distributionsangebot interessiert gezeigt haben, erzählt Dutz, konnte er mit Amazon in die Verhandlungen gehen.

Die regelmäßig neue Inhalte produzierenden Lokalsender sind für Amazon stabile Content-Produzenten. Sie zu Beginn mit einer eigenen Regional-Rubrik prominent zu platzieren, ist daher ein Deal, der beide Seiten zufriedenstellt. Content gegen Platzierung also.

Wer ab Ende Juni seinen Fire-TV-Stick einschaltet und auf die Startseite geht, findet neben bundesweiten Angeboten wie Netflix, ARD, ZDF oder arte auch die 14 bayerischen Lokalsender. Eine gute Möglichkeit für die Sender, neue Zuschauer zu gewinnen und der bestehenden Zielgruppe einen bequemen und zeitunabhängigen Zugang zu ihren Sendungen zu bieten. Und das, ohne auf den Komfort eines großen Bildschirms verzichten zu müssen.

Im Panel „Amazon Fire TV, Apple TV, Android TV, HbbTV – wo müssen wir dabei sein“ am 4. Juli auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg berichtet Christian Dutz über das Angebot.