DLD Campus

Von Spinnen und Visionären

Cyborgs, Drohnen, AI und die Frage, wie innovative Gedanken sich überhaupt finanzieren lassen – mit DLD Campus startet die DLD ein neues Format, das die internationale Community der Konferenz mit Studierenden und regionalen Unternehmen zusammenbringen will, um Innovationen wachsen zu lassen.

„Das hier ist keine One Way-Kommunikation! Nutzt die Chance, redet mit den Speakern, vernetzt euch!“, so Steffi Czernys Aufforderung an die 550 Teilnehmer beim ersten DLD Campus an der Universität Bayreuth. Die Speaker: Eine wilde Mischung aus internationalen Playern, regionalen Unternehmen und Zukunftsdenkern. Nicht nur aus dem Tech- und Medienbereich, sondern auch aus Kunst und Kultur.  Für Czerny gehören die Bereiche zwingend zusammen: „Künstler sind immer die Vorreiter von gesellschaftlichen Entwicklungen. Kunst öffnet uns das Gesicht für den Übersprung.“

„Ich wollte Technologie werden“

So saß unter anderem Katharina Wagner, die Leiterin der Bayreuther Festspiele neben Giesbert Ruehl von Klöckner – einem Unternehmen für Stahl- und Metallhandel – auf der Bühne, genau wie der exzentrische Künstler Jonathan Meese, der einen leidenschaftlichen Appell losließ, man müsse der „eine gegen alle“ sein, um Erfolg zu haben – der, der sich nicht verbiegen lässt.

Neil Harbisson © Hubert Burda Media

Der vielleicht schillerndste Gast war Cyborg Neil Harbisson. Von Geburt an farbenblind entwickelte er eine Antenne, welche er in seinen Kopf implantieren ließ. Diese wandelt Farben in Töne um, die dann permanent auf Harbissons Gehirn übertragen werden. Wie man sich das genau vorstellen muss? Für Harbisson ist es Musik, wenn er etwas ansieht, das viele Farben hat. Popart zum Beispiel, sei besonders laut: „Einen Andy Warhol höre ich bis zum anderen Ende des Museums.“ Aber warum die Entscheidung für ein Implantat? „Ich wollte Technologie werden und ein neues Körperteil entwickeln.“  Als erster offiziell anerkannter Cyborg gründete Harbisson 2010 die Cyborg Foundation, die Menschen unterstützt, die Cyborgs werden wollen.

„Think Big heißt nicht ‚groß träumen‘“

Doch auch handfeste Themen und Tipps präsentierten die eingeladenen Speaker im Audimax der Uni Bayreuth: Wie etwa lässt sich Gründertum überhaupt finanzieren? Und welche Strategien muss man fahren, um erfolgreich zu sein? „Think big, probiert aus und habt keine Angst vor dem Scheitern“ – ist Grundtenor. Jedoch, betonte Nikolay Kolev von Deloitte: „Think big heißt nicht ‚groß träumen‘, sondern konkret zu überlegen, wo die Löcher in der Wertschöpfungskette sind.“

Christoph Räthke, GTEC, Alexander von Preysing, Deutsche Börse Group, Stephan Wehselau, Censhare, Christian Teichmann, Burda Principal Investments, Nikolay Kolev, Deloitte Digital

Zu bedenken sei außerdem, dass man es als kleines Start-up in Deutschland schwer habe, von den großen Unternehmen gesehen zu werden. Deshalb Kolevs Tipp: „Schaut mit der digitalen Brille auf Corporates und baut auf Bestehendem auf.“ Alexander von Preysing von der der Deutsche Börse Group gab zudem Familienunternehmen als lohnenswertes Feld für Start-ups und innovative Wege an.

Dass der Standort Bayern insgesamt stark aufrüstet im Bereich der Digitalisierung und so gute Voraussetzungen für Gründer schafft, betonte die bayerische Staatsministerin Beate Merk: „Wir wollen die Arbeitsplätze der digitalen Revolution in Bayern haben.“ Dafür investiert der Freistaat flächendeckend drei Milliarden Euro, da „Politik und Wirtschaft dafür sorgen müssen, dass die Digitalisierung in die richtige Richtung geht und dass die Unternehmen aufrüsten.“

Spinnenfäden als Turnschuhmaterial

Thomas Scheibel brachte eine Spinne mit. © Hubert Burda Media

Auch, in welche Richtungen sich die Studierenden konkret orientieren können, zeigten einige der Programmpunkte. Schwerpunkte der Referenten lagen auf den Themen Mobilität, künstliche Intelligenz, Virtual Reality und Biofabrication. Zu letzterem brachte DLD Campus mit Sam Handy von adidas und Thomas Scheibel von der Universität Bayreuth die forschende und die produzierende Seite zusammen.

Zum Anschauungsmaterial, das Handy mitbrachte, gehörte unter anderem ein adidas-Sportschuh aus Spinnenfäden – den belastbarsten Fasern aus der Natur. Das Geheimnis rund um die Spinnenseide zu lüften und sie künstlich zu erzeugen gelang dem Forschungsteam rund um Scheibel an der Universität Bayreuth. Handy auf jeden Fall ist sich sicher: „Biofabrication creates the next step of material innovation“.

 

Neben dem dichten Programm aus Vorträgen und Diskussionen bot die anschließende DLD Campus Party Möglichkeit zum Austausch zwischen Speakern, Recruitern und Studierenden. Workshop-Angebote in der Mittagspause und ein Drohnenflugplatz auf dem Unigelände ließen die Teilnehmer selbst aktiv werden.

Ein vollgepackter, gelungener Auftakt  der DLD Campus-Reihe. Und soviel konnte Steffi Czerny schon verraten: Bayreuth wird nicht die einzige Haltestelle für das neue Format sein.

Zur Website des DLD Campus