The Exiled

„Bewährte Konzepte sind planbarer“

Der Münchner Gamedesigner Alexander Zacherl ist einer dieser Typen, die sich nicht in Schubladen stecken lassen. Er pendelt irgendwo zwischen Träumer, Gründer und Macher. Mit dem Sandbox-Rollenspiel „The Exiled“ wollte der 31-Jährige seinen Lebenstraum verwirklichen. 2017 wurde das Spiel veröffentlicht. 

Alexander, erst einmal zu deinem Unternehmen Fairytale Distillery. Wer steckt dahinter?

Alexander Zacherl: Fairytale Distillery, das sind aktuell Sebastian Dorda und ich. Man könnte auch sagen: Wir sind The Exiled. Wir haben in den letzten vier Jahren praktisch an nichts anderem gearbeitet und uns zu 100 Prozent diesem Projekt verschrieben. Natürlich nicht ganz alleine – wir hatten viele Mitstreiter und Unterstützer.

 

Ursprünglich hattet ihr Ende 2015 als Termin für die Veröffentlichung von the Exiled avisiert. Warum hat es dann doch bis Februar 2017 gedauert?

Zacherl: Wir haben zwar damals den Termin angepeilt, zuvor aber noch kein Spiel wie The Exiled entwickelt. Ich konnte das Ausmaß der Arbeiten nicht präzise abschätzen. Das ist normal. Würde mich jemand nach der Dauer der Arbeiten an einem Jump’n‘Run fragen und ich hätte vorher schon vier davon entwickelt, dann wüsste ich genau, was im Rahmen der Entwicklung zu tun ist und wie lange jeder Schritt dauert.

Das ist einer der Gründe, warum Spielhersteller gerne immer wieder auf bewährte Konzepte setzen: Sie sind planbarer. Bei einem neuartigen Vorhaben ist das Risiko, dass man sich verschätzt, sehr hoch. Besonders bei einem großen Multiplayer-Game wie The Exiled.

Internationale Sichtbarkeit

Bei unserem Gespräch im Sommer 2014 trug das Projekt noch den Namen „Das Tal“, jetzt heißt es The Exiled. Warum die Umtaufe?

Zacherl: Ich mochte den Namen „Das Tal“ nie besonders, er war immer ein Platzhalter. In dem Spiel geht es nicht um das Tal, sondern um dessen Bewohner. Ich wollte außerdem einen Namen, den möglichst viele einordnen können. Was „Das Tal“ bedeutet, verstehen vielleicht 100 Millionen Menschen auf der Welt. Bei „The Exiled“ erhöht sich die Zahl auf über eine Milliarde.

Was ist so besonders an The Exiled – welche wesentlichen Merkmale würdest du hervorheben?

Zacherl: The Exiled war und ist das Spiel, das ich immer machen wollte. Das hängt mit meinem Lebenslauf zusammen. Ich habe in den letzten 20 Jahren praktisch alle Fantasy-Rollenspiele und Sandbox-MMOs gespielt, von Gothic bis Ultima Online. Ich liebe das Genre und wollte ein Spiel erschaffen, das alle mir wichtigen Elemente konzentriert: Ein wettbewerbsorientiertes Online-Rollenspiel in einer post-apokalyptischen Fantasy-Welt.

Jeder Mitspieler wird zum Teil eines  Überlebenskampf zwischen Ausgestoßenen. Jeder kann „böse“ sein, wenn er das möchte. Dadurch ergeben sich aber umgekehrt positive Momente, in denen wildfremde Mitspieler dich unterstützen. Ein Wettbewerb zwischen vernetzten Mitspielern, der sich aus dem anspruchsvollen dynamischen Kampfsystem speist.

Gamesförderung als elementarer Faktor

Auf der Website steht zu lesen: „Created in Munich & The World by Fairytale Distillery“. Was bedeutet der Satz?

Zacherl: Er bedeutet, dass wir hier in München ein kleines Kernteam bilden: Sebastian kümmert sich um die komplette Technik und ich bin für Game-Design, Producing und Business zuständig. Zeitweise saßen noch zwei feste Team-Mitglieder mit uns im Büro im WERK1. An der Entwicklung waren außerdem weitere Team-Mitglieder aus Deutschland, Russland, Australien und den USA beteiligt – Grafiker und Musiker vor allem.

„Created in Munich & The World by Fairytale Distillery“: Das Kernteam von The Exiled ist im Münchener WERK1 beheimatet und besteht aus Alexander Zacherl und  Sebastian Dorda (1.v.l., 3.v.l.). Unterstützung erhielt das Duo von externen Freiberuflern aus aller Welt. Foto: Fairytale Distillery

Ihr habt das Projekt ohne finanzstarken Publisher im Rücken durchgezogen. Aber der FilmFernsehFonds (FFF) Bayern hat The Exiled gefördert. Wie funktionierte die Finanzierung?

Zacherl: Die wesentlichen Kostenfaktoren bei unserer Spielentwicklung sind Mieten, Hosting, Buchhaltung, Software, Mitwirkende. 80 Prozent der Gelder gehen für Personalkosten drauf. Sebastian und ich konnten den Finanzbedarf recht gut steuern, vor allem durch die Höhe unsere eigenen Einkommens. Unsere Finanzquellen? Eigenes Geld. Zwei Business Angels. Kleine Software-Auftragsarbeiten. Aber letztlich war die Förderung durch den FilmFernsehFond Bayern elementar bei der Entstehung von The Exiled.

The Exiled: Das Sandbox-Rollenspiel lässt dem Spieler Entscheidungs-Freiheit. Wie überleben in einer kargen Überlebenszone unter lauter Online-Mitspielern? Screenshot: Fairytale Distillery

Am 23. Februar 2017 habt Ihr The Exiled über die Vertriebsplattform Steam veröffentlicht. Wann kam erstes Kundenfeedback?

Zacherl: Sofort. Wir sehen ja anhand der Daten unserer Server, wie viele Leute The Exiled spielen. Daher ahnten wir bald, dass da etwas noch nicht funktioniert. Bei MMORPGs ebben die Spielerzahlen gewöhnlich langsam ab. Als Hersteller kannst du das abfangen, indem du neue Leute ins Spiel ziehst, durch Marketing zum Beispiel. Die Motivationskurve bei uns fiel allerdings nach drei bis vier Tagen zu steil ab.

Wir kannten das schon von vorangegangenen Playtests mit Alpha- und Betaversionen von The Exiled – hatten allerdings gedacht, dass sich das mit den Änderungen der Version 1.0 substantiell ändern würde. Da das nicht passierte, war uns klar: Okay, da haben wir noch Arbeit vor uns.

Die inoffizielle Statistik auf www.steamspy.com zählt Stand Ende April rund 23.000 Downloads für das kostenlose Hauptspiel. Ist das ausbaufähig? Wie hättet ihr bessere Zahlen erreichen können?

Alexander Zacherl auf dem Gamescamp2017. Foto: WERK1

Zacherl: Vielleicht, indem wir das ganze Projekt von Anfang an anders angehen. The Exiled war angelegt als ein Spiel, das unsere Designziele erfüllt und außerdem kommerziell erfolgreich ist. Retrospektiv betrachtet hätte ich die Prioritäten umkehren sollen und ein Spiel entwickeln, das zuallererst kommerziell erfolgreich sein kann, aber auch uns, seinen Schöpfern, gefällt. Vielleicht hätten wir mehr Zeit und Geld in das Spiel stecken sollen, bevor wir in den Steam-Release gehen.

Wie gehts nun weiter mit The Exiled?

Zacherl: Wir arbeiten weiter an The Exiled und veröffentlichen jeden Monat eine neue Version des Spiels, in der wir Anregungen der Community umsetzen. Mit den Verbesserungen kann The Exiled den Durchbruch schaffen.