Mimimi Productions

Erfolg auf bayerisch

We make Games: Der knackig-englische Slogan des Münchner Gamedevelopers Mimimi spiegelt die Passion der Beteiligten wider. Spiele machen, ja. Mit Spaß und Herzblut, unbedingt. Aber auch mit Weitblick, Sachverstand und Verantwortungsbewusstsein. Das zeigt ihr aktuelles Spiel Shadow Tactics.

Vom studentischen Erstlingsspiel Grounded über das experimentelle iPad-Game daWindci bis zu The Last Tinker und nun dem  Actionstrategie-Thriller Shadow Tactics wuchsen des jungen Münchner Spielestudio Mimimi in die Breite und in die Tiefe.

Ebenso wuchs das Mimimi-Team seit dem Gründerjahr 2011. Auf einige Konstanten können sich die beiden Studiokapitäne Johannes Roth und Dominik Abé nach wie vor verlassen, zum Beispiel auf das Zutun von vier ehemaligen Kommilitonen aus früheren Jahren: Sie alle hatten ab 2008 an der Münchener Mediadesign Hochschule MD.H Gamedesign studiert, starteten anschließend im Jahr 2011 Mimimi als Studentenausgründung und Lebensabenteuer.

Mittlerweile besteht das Studio aus einem festen Team aus 20 Frauen und Männern plus einer Handvoll freier Mitarbeiter. Über zwei Stockwerke breitet sich das Mimimi-Büro aus, nicht mehr über eines wie vor fünf Jahren. Das bedeutet unter anderem: Viele neue Gesichter.

Wachsen heißt verändern

„Mit denen, die schon länger dabei sind, habe ich immer noch einen sehr direkten, authentischen und herzlichen Umgang. Wir gehen zusammen auf das Kühbacher Bierfest oder treffen uns daheim auf einen Filmabend. Ich merke aber auch, dass neue Leute im Haus nicht ganz so selbstverständlich mit mir umgehen. Obwohl sie das natürlich könnten und sollten“, erzählt Johannes Roth.

Mimimi hat Verwaltung und Studio auf zwei Stockwerke verteilt, mit zentraler Lage nahe dem Münchner Leuchtenbergring. Foto: Mimimi

Mit jedem Projekt verändern sich die Rollen der Beteiligten. Führungsarbeit leistet der 28-jährige Nintendo-Fan Johannes Roth immer schon, sein  kreativer Anteil an der Wertschöpfung aber schrumpft im selben Verhältnis, wie seine administrativen Aufgaben zulegen.

Spätestens seit Ende 2014, als die Verträge für Shadow Tactics mit Publisher Daedalic unterzeichnet wurden, hält sich der Mimimi-Mitgründer aus produktbezogenen Kreativprozessen heraus: „Ich würde das Team nur aufhalten“, sagt er, „andere können viel besser programmieren als ich“.

Management by Fairness

Mimimi Struktur geben und mit herzlicher Atmosphäre füllen, betrachtet Roth heute als eine seiner Kernaufgaben. Dazu zählt zum Beispiel die langfristige Durchsetzung von maximal 40 Stunden Arbeitszeit pro Woche bei fairer Bezahlung. Keineswegs eine Selbstverständlichkeit in einer Branche, die 10-Stunden-Tage zur Norm erhebt und Wochenend-Schichten bis zur Selbstaufgabe erwartet.

Selbst, wenn Roth aktuell noch nicht mit allen Rahmenbedingungen zufrieden ist, sieht er Mimimi auf einem guten Weg. Management by Fairness: „Ich rede mit anderen Gründern, sei es im Münchener WERK1 oder beim European Games Executive’s Summit. Dabei lerne ich unheimlich viel“, sagt Roth.

Shadow Tactics vom Münchner Spielestudio Mimimi. Screenshot: Mimimi

Auch, andere die eigenen Sorgen nicht spüren lassen, zählt manchmal zu den Pflichten einer Führungspersönlichkeit. So etwa Ende November 2016, kurz vor Release von Shadow Tactics. Das Spiel war fertig, aber drei Monate länger in Entwicklung als geplant. „Wir hatten das mit dem Team und unseren Partnern so besprochen, als wir Ende 2015 merkten: Das Spiel würde mit dem Plus an Entwicklungszeit um Welten besser aussehen. Wir wollten Shadow Tactics so gut machen wie nur möglich“, erklärt Roth. Aber die Zeitzugabe war teuer und riskant. Denn selbst ein – an globalen Maßstäben gemessen – kleines Studio wie Mimimi verschlingt im Monat locker über 100.000 Euro. Wie die drei Monate zwischenfinanzieren, würden Mehrverkäufe die Investition amortisieren?

Hoher Einsatz für alle Beteiligten

Mimimi gingen mit eigenem Geld All-in und hatten Ende November 2016 zwar ein großartiges Spiel veröffentlichungsreif, aber auch die finanziellen Rücklagen verbraucht. „Wir hatten Verhandlungspartner. Aber die ließen uns zappeln. Sie wollten erstmal sehen, wie Shadow Tactics bei den Leuten ankommt und ob es sich verkauft“, erklärt Roth. „Ich wusste, wir brauchen im Dezember mindestens 10.000 Käufer. 30.000 wären schön gewesen“. Es kam anders.

„Ich werde Silvester nie vergessen. Jetzt hatte ich es schwarz auf weiß. Wir hatten 60.000 Stück verkauft und damit die höchsten Schätzungen geknackt“, schildert Roth einen unvergesslichen Tag in seinem Leben. Seitdem halten die Verkaufszahlen ein stetes Niveau, liegen mittlerweile im sechsstelligen Bereich. Einen neuen Großauftrag gibt’s inzwischen außerdem.

Shadow Tactics siegte bereits beim Deutschen Entwicklerpreis 2016 in der Kategorie Bestes PC-/Konsolenspiel. Interviewpartner Johannes Roth übrigens ganz hinten rechts. Foto: Mimimi

Reich werden die Mimimis damit nach Einschätzung von Roth zwar nicht. Aber die Geldquellen sollten ausreichend sprudeln, damit das Team weiterhin unterhaltsame Games entwickeln, Spaß haben und vielleicht einige Familien durchfüttern kann. Die Mimimis werden langsam erwachsen und die Gamesbranche sicher noch eine Weile gut unterhalten.