Rundfunk Branchen.meet.up

Die Bedürfnisse der Kreativbranchen erfassen

Wie steht es um die Rundfunkbranche im Großraum München? Das fragt das Rundfunk Branchen.meet.up am 24. April 2017, das vom MedienNetzwerk Bayern unterstützt wird. Jürgen Enninger, der Leiter des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft, erklärt,  wie die Veranstaltung die Branche stärken kann und warum es so wichtig ist, dass sich die Kreativwirtschaft auf Augenhöhe mit anderen Wirtschaftsbranchen sieht.

 

Herr Enninger, das Rundfunk.Branchen.meet.up möchte die Rahmenbedingungen und Bedürfnisse der Rundfunkbranche definieren – warum ist das notwendig?

Jürgen Enninger. Foto: privat

Die Kultur- und Kreativwirtschaft besteht aus Unternehmen, bei denen der schöpferische Akt im Mittelpunkt ihrer erwerbswirtschaftlichen Tätigkeit steht. Nicht der Umsatz, sondern kreative Motivationen sind also im Vordergrund. Damit wird dann natürlich Geld verdient und diese Umsätze werden statistisch erfasst. In der Rundfunkwirtschaft sind das freiberufliche Fernseh- und Rundfunkjournlistinnen und -journalisten sowie Rundfunkveranstalter.

In den Jahren, in denen ich in der Kreativwirtschaft tätig bin, habe ich gelernt, dass es fünf große Schlagworte für die elf Teilmärkte der Kreativwirtschaft gibt: Wertschätzung, erhöhte Sichtbarkeit, bessere Ansprechpartnerstrukturen, dichtere Netzwerkarbeit und eine Verbesserung des Raumangebots für Kultur- und Kreativschaffende.

Mit den Branchen.meet.ups wollen wir die spezifischen Belange der Teilmärkte offenlegen. Der Begriff „Wertschätzung“ ist erst einmal sehr abstrakt, genauso wie „Sichtbarkei“t. Wir fragen: Was bedeutet das konkret für die Rundfunkbranche in München? Welche Herausforderungen hat sie zu meistern und wie kann die Stadt für die Branche unterstützend tätig werden?

München als führender Kreativstandort Deutschlands

Wie hilft die Veranstaltung dabei, Antworten zu geben?

Zunächst untersuchen wir, wie bedeutend die Branche im Großraum München ist und wie sie sich zusammensetzt. Indem alle Akteure zu Wort kommen, können wir ein Gespür dafür entwickeln, wie die Branche tickt, wo die großen Themen für ihre Arbeit liegen und wie die Wechselwirkungen innerhalb der Branche sind – zwischen Freiberuflern und Unternehmen etwa.

Für Kreative ist es außerdem wichtig, zu erfahren, an wen sie sich mit ihren Belangen wenden können. Gerade, wenn sie neu in einer Stadt sind, sind sie sofort beim Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft willkommen. Wir helfen, die entsprechenden Netzwerke kennenzulernen.

 

Das Rundfunk.Branchen.meet.up ist die Abschlussveranstaltung einer ganzen Reihe – was geschah bisher?

München ist der führende Kreativstandort Deutschlands und in die Hauptstadtregion Europas aufgestiegen, unmittelbar hinter London und Paris. Dass dieses Selbstbewusstsein bei den Akteuren ankommt und dass sie sich nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich motiviert verstehen, ist ein wichtiger Impuls, den die Branchen.meetups geben können. Die Akteure sollen sich auf Augenhöhe mit anderen Wirtschaftsbranchen verstehen.

Bisher wurden in zehn von elf Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft solche meet.ups durchgeführt. Dem Buch-, Presse-, Design-, Musik-, Film-, Kunst-, Architektur-, Werbemarkt, dem Markt für darstellende Künste und dem Software-/Gamesmarkt.

Das Selbstbewusstsein der Kreativwirtschaft stärken

Was passiert im Anschluss an die Veranstaltung mit den Ergebnissen?

Alle elf Branchenevents werden evaluiert. Das ergibt eine Agenda für die Arbeit des Kompetenzteams. Die Veranstaltungen helfen uns bei der Formatentwicklung: Aus dem Branchen.meet.up Film etwa ist das Format „Meet the company“ hervorgegangen. Es soll kreativwirtschaftliche Wertschöpfung im Stadtraum sichtbar machen: Die Kreativen wollen zeigen, wie sie ihr Geld verdienen. In der Musikwirtschaft hat sich gezeigt, wie unterschiedlich die Branche ist. Es gibt über 150 Berufsgruppen, die einander teilweise sehr fremd sind. Hier gilt es, Angebote zu spezifizieren.

 

Gab es einen Schlüsselmoment, der Sie dazu brachte, die Branchenevents zu initiieren?

Mein Schlüsselmoment für diese Veranstaltungsreihe war, dass in Bayern der Begriff „Kreativwirtschaft“ nicht so richtig Fuß gefasst hat und eher fremd wirkt. Grund dafür ist die Stärke der einzelnen Branchen im Freistaat. Diese wurde bei der ersten statistischen Erfassung durch die Metropolregion München 2012 deutlich. Um wirklich etwas bewirken können, müssen wir also den Blick vom großen Begriff Kreativwirtschaft auf die Teilmärkte lenken, die sehr unterschiedlich funktionieren.

Gerade die Rundfunkbranche ist in München zum Beispiel extrem stark. Fast 50 Prozent der deutschen Umsätze werden im Großraum München gemacht. Die Rundfunkwirtschaft ist außerdem eine Ausnahmeerscheinung, weil sie von größeren Unternehmen geprägt ist. Andere Teilmärkte sind viel kleinteiliger. Im Designbereich zum Beispiel sind bis zu 97 Prozent Kleinstunternehmen tätig.

Um allen mit ihren individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden, haben wir uns entschieden, die Branchen.meetups zu machen. Eine tolle Möglichkeit, immer mehr Selbstbewusstsein für die Kultur- und Kreativwirtschaft am Standort zu erarbeiten.