Coding-Bootcamp

Die Schnittstelle zwischen Webdesign und Journalismus

Ab April 2017 heißt es Programmieren lernen für Stefanie-Eisenreich. Die freie Journalistin hat das Stipendium des MedienNetzwerks Bayern für das Coding-Bootcamp der ifp ergattert. Im Interview erzählt sie, was sie sich vom Camp erhofft, warum sie coden lernen will und wie es dazu kam, dass sie in Südfrankreich sesshaft geworden ist.

Du lebst seit vier Jahren in Frankreich – wie kam es dazu?

Bei vielen, die ins Ausland gehen, bekommt man auf so eine Frage die Antwort: „Der Liebe wegen“. Bei mir war es tatsächlich der Job. Ich habe ein Jahr lang für das Deutschmobil-Programm gearbeitet. Im Rahmen des Programms werden zehn deutsche Lektoren an französische Schulen geschickt, um den Schülerinnen und Schülern ein aktuelles und authentisches Deutschlandbild zu vermitteln und so das Deutschlernen zu erleichtern. Alles läuft sehr spielerisch ab, mit Hilfe von Sprachanimationen, Spielen oder Quiz-Formaten  … Dass ich im Anschluss an diese Tätigkeit in Montpellier hängengeblieben bin – daran war dann doch die Liebe schuld.

Was magst du an Montpellier?

Meine Freunde nennen mich eine Klimaopportunistin. Das Klima ist tatsächlich einer der Hauptgründe, warum ich mich für Südfrankreich entschieden habe. 300 Sonnentage im Jahr finde ich sehr bestechend. Und dann noch das Meer in direkter Nähe, die Pyrenäen, die Alpen. Ich mag den Flair, das Mediterrane der Stadt und ich liebe den kulturellen Kontext.

Warum die Entscheidung, als freie Journalistin zu arbeiten?

Ich habe bereits während des Studiums nebenbei geschrieben, aber nie den Schritt gewagt, mich als Journalistin selbstständig zu machen. Nach dem Deutschmobil -Jahr habe ich mir gesagt: „Ich muss das jetzt probieren, sonst bereue ich es irgendwann.“ Gleichzeitig habe ich ein Journalismus-Fernstudium angefangen, das ich gerade nebenbei fertig mache.

Als freie Journalistin zu überleben ist gar nicht so leicht, deshalb arbeite ich zusätzlich als Sprachassistentin und Deutschlehrerin.

Wo liegen deine thematischen Schwerpunkte?

Hauptsächlich arbeite ich für eine Produktionsfirma in Dresden an Dokumentarfilm-Projekten, außerdem für das deutsch-französische Webmagazin ParisBerlin. Ansonsten sind es meist einzelne Aufträge für Onlinemagazine.

Thematisch befasse ich mich viel mit kulturellen oder gesellschaftlichen Themen. Nach einem Praktikum im Europaparlament möchte ich mich künftig auf europäische Themen und Migrationsschwerpunkte spezialisieren.

„Ich habe die Möglichkeit, mehr anzubieten“

Unter anderem betreibst du ein eigenes Webmagazin – Le petit piaf. Wer und was steckt dahinter?

Das Blogmagazin Le petit piaf gibt es seit zwei Jahren. Ich betreibe es zusammen mit Marie Urdiales, einer französischen Journalistin, die 16 Jahre in Deutschland gelebt hat. Unser Magazin ist speziell für den Süden Frankreichs konzipiert und berichtet zum Beispiel über deutsch-französische Unterschiede,  Aktuelles in Südfrankreich, aber auch Tipps zu Kultur und Leben dort.

Wie bist du auf die Ausschreibung für das MedienNetzwerk-Stipendium gestoßen?

Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Irgendjemand hat die Ausschreibung auf facebook gepostet, ich fand den Link interessant und habe draufgeklickt.

Was erhoffst du dir vom Coding Bootcamp?

Ich erhoffe mir, dass ich mein Webmagazin weiterentwickeln kann und finde es insgesamt unglaublich interessant, an der Schnittstelle zwischen Webdesign und Journalismus zu sitzen. Das eröffnet viele neue Möglichkeiten und ich bin sehr gespannt, welche Erkenntnisse das Camp bringt.

Müssen Journalisten coden können?

Ich sehe mich da ein bisschen zwischen den beiden Extremen „ja, absolut“ und „nein, wozu denn“. Gerade wenn man im Online-Bereich arbeitet oder sich ein eigenes Webmagazin aufbauen will, ist es super, mehrere Kompetenzen zu beherrschen.

Ich habe die Möglichkeit, mehr anzubieten, bin breiter aufgestellt. Zum einen kann ich sagen „Ja, ich schreibe den Text“, zum anderen kann ich aber auch helfen, Webseiten weiterzuentwickeln oder die perfekte Darstellungsform für eine Geschichte gleich mitliefern. Das gibt mir als Journalistin ein Alleinstellungsmerkmal.