eBook-Camp 2017

Virtuelle Eulen und römische Pimps

„Gerne länger!“, war so ziemlich der einzige Kritikpunkt aus der Feedbackrunde des eBook-Camp 2017 im Münchner WERK1. In insgesamt neun Sessions diskutierte die Branche aktuelle und zukunftsfokussierte Themen und Trends rund ums E-Publishing. Deutliche Schwerpunkte zeichneten sich ab.

Zum vierten Mal fand das eBook-Camp der IG Digital und des Landesverbands Bayern des Börsenvereins mit Unterstützung des MedienNetzwerks Bayern nun bereits in München statt. Mit dabei waren sowohl Täter der ersten Stunde als auch viele neue Gesichter – eine bunte Mischung aus Verlagsbranche und Buchhandel.

Der Sessionplan. Foto: Katrin Baumer

„AR ermöglicht viel mehr Platz für viel mehr Inhalte“

„Die Eule mit der Beule“ als Beispiel für AR-Anwendungen in Kinderbüchern. Foto: Katrin Baumer

Schwerpunkte lagen unter anderem auf den Bereichen Augmented Reality (AR) und Bildungswesen. So zeigte etwa Anna Schneider vom Startup TigerCreate, wie AR sich sinnvoll im Verlagswesen einsetzen lässt. Tiger Create ist eine Software, mit der sich interaktive E-Books mit AR-Funktionenen gestalten lassen.

Besonders in den Bereichen Kinderbuch, Reiseführer oder Bildungswesen gebe es bereits gelungene Anwendungen, so Schneider. Gerade im Bildungsbereich ließen sich Lerninhalte besser veranschaulichen: „AR ermöglicht viel mehr Platz für viel mehr Inhalte als die, die im Printprodukt stehen.“

Zudem erlaube AR, auch im Nachhinein ein Produkt mit Inhalten zu füttern und so ständig den Kontakt zum Endkunden aufrecht zu erhalten. Durch eine Push-Benachrichtigung via App erfährt der Kunde, wenn etwas Neues dazu gekommen ist. „Die App ist ein zusätzlicher Vertriebskanal“, erklärt Schneider.

Voraussetzung für gelungene AR-Anwendungen aber seien personelle Ressourcen – allein mit der Software ist es nicht getan: „Wenn man mit der Software arbeitet, kann man sich nicht einfach sagen: ‚Ich setz mich da jetzt hin und kopiere die Inhalte rein.‘ Das ist wie mit Photoshop: Ich brauche jemanden, der es kann!“

In kleinen Gruppen diskutierten die Teilnehmer über In-Book Marketing-Strategien. Foto: Katrin Baumer

Digital denken statt analog pauken

Dem Bildungsbereich widmeten sich zwei weitere Sessions. Dort, da waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, bestehe Handlungsbedarf.

„Caesar war der erste Pimp“ – Benjamin Heinz stellt digitale Möglichkeiten im Bildungswesen vor. Foto: Katrin Baumer

Die Diagnose von Sessiongeber Benjamin Heinz (Institut für digitales Lernen) zum digitalen Bildungsmarkt fiel ernüchternd aus. Da müsse umgedacht werden, frei nach dem Motto „digital denken statt analog pauken.“ Beispiele, die in die Zukunft führen könnten, sieht er in Bettermarks oder dem mBook – einem digitalen Schulbuch für Geschichte, das mit Videos, Kartenanimationen oder Gamification arbeitet.

 

Rechtliche Vorgaben vs. Innovation?

Jürgen Harth zeigt „schwarze Löcher“ beim Multichannel Book. Foto: Katrin Baumer

Was in mehreren Diskussionen mitklang: Oft behindern rechtliche Vorgaben innovative Ideen. Gerade die Session „Multichannel Book“ von Steffen Meier (Readbox) und Jürgen Harth (Hanser Verlag)  musste das Thema mehrmals in den Fokus stellen. Denn die technischen Möglichkeiten für eine intensive Multichannel-Vermarktung von Büchern seien da, betonte Meier. Allein an den Umsetzungsmöglichkeiten hapere es oft, etwa aufgrund der Preisbindung.

 

So scheint sogar ein problemloser Wechsel zwischen gedrucktem Buch und mobiler Variante als Angebot für den Endkunden nur schwer umsetzbar. Als Beispiel für ein gelungenes Modell nennt Harth die App Papego, mit der 25 Prozent eines Buches auch mobil weitergelesen werden können. „Da stellt sich die Frage: Sind unsere Modelle für die moderne Mediennutzung überhaupt gemacht?“, resümmiert Meier.

Foto: Katrin Baumer

Dass es an der Verlagsbranche sicher nicht scheitert, zeigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des eBook-Camps, die mit großem Engagement, vielfältigen Ideen und innovativen Best Practice-Beispielen aufwarten. Nur verständlich also, dass sich am Ende der Veranstaltung so mancher „mehr“ wünscht.